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Regionalliga:Die Fans besingen den "Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey"

Auf dem Spielfeld verbreiteten die Münchner also ziemlich Schrecken, abseits des Platzes dagegen glücklicherweise nicht. Es war viel diskutiert worden in den vergangenen Wochen: Was passiert, wenn ein Traditionsverein mit einer derart großen Anhängerschaft plötzlich in einer unterklassigen Liga aufprallt? Würden die 1860-Fans ganze Städte und Dörfer auseinandernehmen?

In Memmingen drehte ein Polizei-Hubschrauber seine Runden am Himmel, eine Reiterstaffel patrouillierte, doch die Männer in Uniform hatten kaum mehr zu tun, als den Männern in Trikot den Weg zum Stadion zu zeigen. Nicht einmal das Bier ging aus. Die Kneipen in der Altstadt blieben leer, vor den Tankstellen standen nur vereinzelt blaue Anhänger. Sogar in der Stadionwirtschaft waren eine Stunde vor Anpfiff noch zahlreiche Plätze unbesetzt. Ein Besäufnis grölender Horden fiel auch hier aus, es ging gemütlich und ruhig zu wie auf einem Dorffest, bei dem die Blaskapelle gerade eine Pause macht. In der Nacht teilte die Polizei Schwaben dann mit, der Einsatz sei störungsfrei verlaufen. Nur eines hatte sie zu beanstanden: "eine von einem Gäste-Fan verursachte Schmiererei in der Toilette des Bahnhofs".

Im Stadion, in dem die 1860-Fans deutlich in der Überzahl waren, blieb die Stimmung ausgelassen und fröhlich, was freilich auch am Spielverlauf lag. Die Anhänger besangen ihren Verein: "Ich fahr mit dir wohin du willst, bis ans Ende dieser Welt." Bei jedem Treffer hüpften sie höher, nach dem 90-minütigen Tribünen-Workout konnten sie sich einen Besuch im Fitnessstudio getrost sparen.

Kurz vor Spielschluss skandierten die Anhänger dann: "Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey." Es klang viel Selbstironie mit, schließlich sind alle anderen Mannschaften noch gar nicht in die Liga gestartet. Doch nach Schlusspfiff zeigte es dann auch die Regionalliga-Rangliste offiziell an: 1860 ist Tabellenführer. Eigentlich eine unglaubliche Meldung.

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