Real Madrid nach der Niederlage Ausflug in den Jurassic Park

Mesut Özil bekommt einen fingierten Anruf von Bundestrainer Löw, Diebe klauen Trikots und Schuhe aus der Kabine, Trainer José Mourinho muss mit der Presse reden - und dann verliert Real Madrid das neunte von zehn Gastspielen in München. Dennoch wollen die Spanier noch einmal in diese unheimliche Stadt zurückkehren.

Von Thomas Hummel

So schnell wird selbst der Weltklub aus Madrid diesen Ausflug nach München nicht vergessen. Das liegt nur bedingt daran, dass man ein Champions-League-Halbfinale normalerweise länger in Erinnerung behält. Real Madrid und seine Abgesandten erlebten in den Tagen von München so viele seltsame, unheimliche Dinge, dass es ihnen wie eine Fahrt in den Jurassic Park vorgekommen sein muss.

Champions League "Wir haben das Kommando übernommen" Video
Reaktionen auf das 2:1 von Bayern gegen Real Madrid

"Wir haben das Kommando übernommen"

Der FC Bayern München ist dem Einzug in das Finale der Champions League einen großen Schritt näher gekommen. Gegen Real Madrid gewann das Team mit 2:1 - doch noch üben sich Spieler und Trainer in Zurückhaltung. Stimmen nach dem Spiel von Philipp Lahm, Arjen Robben, Jupp Heynckes und Mesut Özil von Real Madrid.

Es begann am Tag vor dem Spiel, als Trainer José Mourinho nach zwei Wochen Medienboykott bei der offiziellen Pressekonferenz auf dem Podium saß. Aber ausdrücklich unter Zwang: "Wenn ich nicht müsste, würde ich nichts sagen. Aber bei der Uefa muss ich", sagte der 49-Jährige. Würden Blicke weh tun, die Journalisten im Saal hätten danach allesamt ins Krankenhaus fahren müssen.

Etwa zur gleichen Zeit erhielt Mesut Özil auf seinem Hotelzimmer einen Anruf von Bundestrainer Joachim Löw. "Hallo Herr Löw, äh, hallo Trainer", meldete sich der überraschte Nationalspieler von Real Madrid. Löw fragte Özil, ob er denn schon aufgeregt sei vor dem großen Spiel ("Hm, geht schon.") und bat den Mittelfeldspieler, sich doch im Hinblick auf die Europameisterschaft ein bisschen zu schonen.

"Ned zu viel, ned zu stark, ned übertreiben, die Bayern wollen natürlich auch ins Finale", erklärte der Bundestrainer. Der nette Mesut Özil sagte nur noch "hm, hm", bis nach gut einer Minute der Reporter und Stimmenimitator von Antenne Bayern sich offenbarte.

In der Münchner Arena angekommen, stellten die Spanier bald fest, dass sie beklaut worden waren. Ein paar Trikots waren aus der Kabine verschwunden, dazu einige Schuhe, darunter drei Paar von Cristiano Ronaldo. "Das ist eine Schande. So etwas würde im Stadion Bernabéu nie passieren", schimpfte Mourinho. Woraus man immerhin lernen kann, dass Cristiano Ronaldo für jede Partie drei paar Schuhe benötigt, und "für alle Fälle" ein Ersatzpaar im Rucksack dabei hat, wie der klubeigene Fernsehsender realmadrid.tv berichtete.

Tja, und dann folgte noch das Fußballspiel. Und auch das lief überhaupt nicht so, wie es die Weltauswahl aus Madrid gewohnt ist. Real war zuvor in 20 Pflichtspielen ungeschlagen geblieben, hatte in der Champions League in dieser Spielzeit noch gar nicht verloren. Überhaupt konnten in dieser Saison zuvor nur das Überraschungsteam UD Levante und zweimal der FC Barcelona diese Mannschaft besiegen. Und nun der FC Bayern.

Das Tor in letzter Minute von Mario Gomez zum 2:1 für die Münchner lässt in Madrid unangenehme Erinnerungen aufkommen. Der FC Bayern trägt in Madrid den Beinamen "La bestia negra" - die schwarze Bestie, und die hat nun wieder zugebissen. "Es gibt Dinge, die ändern sich nicht und die Deutschen bleiben die Deutschen. Die Bayern hören nicht auf, der ewige Alptraum von Real Madrid zu sein", schreibt das Sportblatt Marca. Zum zehnten Mal reiste eine Mannschaft von Real Madrid nach München, zum neunten Mal flog sie mit einer Niederlage nach Hause. So eine miese Bilanz hat nicht einmal der FSV Mainz 05.

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