Rafinha beim FC Bayern Der Evergreen biegt auf die Zielgerade

Zuletzt traf Rafinha im Spiel bei Eintracht Frankfurt im Dezember.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Rafinha könnte den FC Bayern am Saisonende verlassen - so lassen sich aktuelle Aussagen des Brasilianers deuten.
  • An seiner Stelle wird dann Benjamin Pavard Rechtsverteidiger.
  • Rafinhas hatte durchaus seine Erfolge, auch wenn er nicht immer Stammspieler war.
Von Jonas Beckenkamp

Meistens war es beim FC Bayern in den vergangenen acht Jahren ja so: Rechtsverteidiger hießen entweder Philipp Lahm oder Joshua Kimmich und wenn sie nicht so hießen, dann hießen sie mal Sebastian Rudy oder - in ganz seltenen Fällen - auch Mitchell Weiser oder Danijel Pranjic. Die letztgenannten Fußballspieler sind ein wenig in Vergessenheit geraten, aber der Vollständigkeit halber seien sie noch einmal genannt, wenn es um all jene Rechtsverteidiger geht, die der Rechtsverteidiger Marcio Rafael Ferreira de Souza, genannt Rafinha überlebt hat.

Rafinha, 33, ist so etwas wie ein Evergreen in München, er ging immer, wenn man einen reinwerfen wollte, der in der 65. Minute mal ein sogenanntes "Zeichen" setzen sollte mit einer zünftigen Schubserei oder einem Nasenstüber. Und obwohl dieser kleine Emotionsverstärker aus Londrina (wo übrigens auch Giovane Elber herkommt) nie so ganz zum Dauerbrenner in der Stammelf wurde, hat er beim FC Bayern zum Beispiel sechs Meisterschaften gewonnen. Paul Breitner, den viele als "Klublegende" bezeichnen, gewann übrigens fünf, ein gewisser Franz Beckenbauer nur vier (plus eine als Trainer). Rafinha war eben zur richtigen Zeit da, er durfte immer irgendwie mitjubeln oben auf dem Balkon. Nun trudelt seine Phase in München langsam aus, er will offenbar zurück nach Hause in den Süden Brasiliens.

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Der FC Bayern versucht, die Aufregung um Ribéry herunterzuspielen - im Trainingslager in Katar deutet sich derweil an, wie es in der Rückrunde personell aussehen könnte.

"Mein Zyklus bei den Bayern geht dem Ende entgegen", sagte er zwischen den Jahren, als er auf Heimaturlaub in einer Stadt mit dem schönen Namen Uberlândia ein Interview bei SporTV gab. "Es gibt viele Dinge, die in den kommenden sechs Monaten passieren können, aber ich denke, es ist mein letztes Jahr", verkündete der Mann, dessen Vertrag beim FC Bayern Ende Juni ausläuft. Rafinha biegt also - wie man so sagt - auf die Zielgerade ein, er wird in der Rückrunde seinen bislang neun Saisoneinsätzen in der Bundesliga aber bestimmt noch einige hinzufügen. Denn es ist bei ihm ja schon immer so gewesen: Immer wenn man dachte, ach stimmt, den gibt es auch noch, spielte Rafinha wieder ein paar mal.

Meistens machte er das gut, wie neulich beim 3:0 in Frankfurt, wo er in der vorletzten Minute sein insgesamt sechstes Tor für die Bayern schoss. Manchmal aber zeigte sich auch, warum er eben doch nur ein jahrelanger Ersatzmann war - wie im April 2018. Damals war er scho au irgendwie mitverantwortlich für die 1:2-Hinspielpleite gegen Real Madrid im Halbfinale der Champions League. Ob es Alterserscheinungen waren, die damals zu seinem fatalen Querpass zu Marco Asensio führten (der dann Reals zweites Tor erzielte) - oder ob es halt ein kreuzverdammtes Unglück war, das in den besten Familien vorkommt, das weiß nur der liebe Fußballgott. An den glaubt Rafinha wie alle Brasilianer innigst, aber auch er kann das Rad der Zeit leider nicht anhalten.

So dürften die hohen Herren des FC Bayern spätestens in diesem Moment gemerkt haben, dass ihr lieber Rafinha klubintern zwar ein wichtiger Integrator zwischen "Mia san mia" und "Mia san Südamerikaner" ist, aber eben eher keiner für einen weiteren Henkelpott (einen hat er 2013 immerhin geholt, mehr also als etwa Lothar Matthäus). In der Hinrunde der aktuellen Spielzeit profitierte er zwar noch einmal von der teilweisen Versetzung Joshua Kimmichs ins Mittelfeld, aber mit dem nun beschlossenen Zukauf des weltmeisterlichen Rechtsverteidigers Benjamin Pavard scheint seine Ära vorbei zu gehen.

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Es tritt tatsächlich das ein, was lange als unmöglich galt: der FC Bayern braucht den alten Fahrensmann Rafinha nicht mehr, auch nicht als Kulturenvermittler, denn neuerdings ist ja Französisch die zweite Amtssprache in München. So kommt es nicht überraschend, dass der frühere Schalker jetzt höchstselbst Kontakte zu Flamengo Rio de Janeiro bestätigte. "Es besteht gegenseitiges Interesse. Und wir sind kurz davor, eine Einigung zu erzielen. Einige Details fehlen noch", sagte er im Trainingslager in Doha, "ich hoffe, dass wir dies so schnell wie möglich lösen können." Er wolle "klarstellen, dass Flamengo meine erste Option ist, wenn ich nach Brasilien zurückkehre."

Das Flamengo-Projekt, zu dem ihm offenbar auch sein alter Schalker Bekannter Lincoln geraten hat (er arbeitet als Agent), habe ihm sehr gut gefallen und es biete ihm die Möglichkeit auf weitere Titel. Die sind Rafinha immer noch am allerliebsten - und vielleicht bringt er ja noch eine weitere Meisterschaft aus München mit an den Zuckerhut.

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