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PSG vor dem BVB-Spiel:Monsieur Tuchel, finden Sie das in Ordnung?

Tuchel bangt um Neymar, Diallo und Bernat

Trainer Tuchel im Gespräch mit Neymar, der hier sein Haar noch auffällig erblondet trägt.

(Foto: dpa)
  • Paris Saint-Germain reist zum Achtelfinal-Hinspiel der Champions League nach Dortmund.
  • Vor dem Spiel am Dienstagabend sorgen die Team-Diven Neymar und Mbappé für Nebengeräusche.
  • Hier geht es zum Liveticker der Partie.

Die Frage, warum Neymar da Silva Santos Júnior jetzt eine Glatze trägt, ist nicht abschließend, aber in jedem Fall fachmännisch geklärt. Ein von der Zeitung Le Parisien befragter Spezialist für Haarfärbungen macht Neymars Vorgängerfrisur, einen knallrosa Streifen auf der Kopfmitte, verantwortlich für die kürzlich vollzogene Komplettrasur: "Um dieses adrette Rosa zu bekommen, musste Neymar zwei oder drei Färbungen vornehmen", erklärt der Experte. Doch auch dann "hält eine rosa Färbung auf gebleichtem Haar nicht mehr als sechs Haarwäschen. Die Farbe verblasst schnell zu einem Pastell. Und dann haben Sie keine andere Wahl, als sich kahl zu rasieren und die Haare nachwachsen zu lassen." Neymar hatte keine Wahl, so sieht's also aus.

Thomas Tuchel, 46, der bei Neymars Klub Paris Saint-Germain als Trainer beschäftigt ist, hat ebenfalls keine Wahl: Er muss sich vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Borussia Dortmund an diesem Dienstag auch mit solchen Themen beschäftigen. Neymars Haare, Neymars Launen, Neymars Verletzungen, Neymars Business neben dem Fußballbusiness. Vergangenen Donnerstag kam der haarlose Brasilianer kurz nach Düsseldorf geflogen, um dort, ja, echt: bei Peek & Cloppenburg seine neue Modekollektion vorzustellen.

Monsieur Tuchel, finden Sie das in Ordnung? Das wird dann der Trainer in Paris wieder gefragt, und Tuchel versucht jeweils mit erstaunlicher Selbstbeherrschung zu verschleiern, wie wenig der den Fußball begleitende Zirkus seiner eigenen Auffassung von Arbeitsethos entspricht.

"Das ist Fußball, kein Tennis", klage Tuchel kryptisch

Ah bon, "ich weiß das seit vier oder sechs Wochen, man hat mich gefragt, ob das möglich ist", sagt Tuchel dann in smartem Französisch, alles abgesprochen mit dem Klub, kein Problem. Deeskalation! Auch als Neymar Anfang Februar, zwei Tage vor dem Ligaspiel beim FC Nantes, seinen 28. Geburtstag vorfeierte, in kleinerem Rahmen als in früheren Jahren, aber halt immer noch in einem Pariser Nachtclub - da fand es Tuchel zwar "schade", dass man immer wieder sportferne Themen miteinander besprechen müsse: "Das macht den Eindruck, wir wären nicht seriös, nicht professionell." Aber vor allem wollte er sich auch damals wieder "vor meine Spieler stellen, denn ich liebe sie sehr".

Der als Kontrollfreak bekannte Tuchel gewährt den Diven in seinem Team eine erstaunlich lange Leine. Bloß: Bleibt ihm etwas anderes übrig? Er muss sich mit Neymar, Mbappé und Co. ja nicht nur deshalb arrangieren, weil die katarischen PSG-Besitzer sich deren Verpflichtung 222 respektive 180 Millionen Euro haben kosten lassen. Tuchel braucht seine Exzentriker ja tatsächlich: weil sie auf dem Rasen immer wieder den viel beschworenen Unterschied ausmachen. Doch als Tuchel es Ende Januar wagte, den Weltmeisterstürmer bei einem 5:0 gegen Montpellier in der 68. Minute auszuwechseln, war Mbappé am Spielfeldrand nicht mal durch einen langen Vortrag seines Trainers zu besänftigen. "Das ist Fußball, kein Tennis", klagte Tuchel hinterher kryptisch, dann gab es ein Treffen mit Trainer, Stürmer und Sportchef - eine Nachholstunde Verhaltenslehre. Was genau da besprochen wurde? "Bleibt in der Kabine", sagte Tuchel.

Mögliche Aufstellungen

Borussia Dortmund: Bürki - Piszczek, Hummels, Zagadou - Hakimi, Witsel, Can, Guerreiro - Sancho, T. Hazard - Haaland.

Paris Saint-Germain: Navas - Meunier, Thiago Silva, Kimpembe, Bernat (Kurzawa) - Di Maria, Verratti, Marquinhos, Neymar - Mbappé, Icardi.

Schiedsrichter: Mateu Lahoz (Spanien). - Assistenten: Cebrian Devis (Spanien), Diaz Perez del Palomar (Spanien).

Mbappé wird am Dienstag sicher dabei sein, vermutlich als die größte Herausforderung für die zuletzt flatterhafte Dortmunder Abwehr. Ob Neymar ebenfalls in der Startelf steht, blieb bis zuletzt offen: Nach einer Rippenverletzung hat er aber wieder normal mit der Mannschaft trainiert. Beim wilden 4:4 am Samstag beim Vorletzten SC Amiens wurde er noch geschont, ebenso wie Mbappé.

Die Pariser Beobachter fragen sich derzeit nur, ob Tuchel sofort oder erst am Saisonende gehen müsste, wenn für das hochalimentierte PSG-Projekt wieder im Achtelfinale Schluss sein sollte. Das kuriose 1:6 in Barcelona nach 4:0 gewonnenen Hinspiel (damals noch unter Tuchels Vorgänger Unai Emery) 2017 ist ebenso noch in den Köpfen wie das noch niederschmetterndere 1:3 daheim gegen Manchester United nach 2:0 gewonnenem Hinspiel 2019. Tuchel hatte dieses Aus als "Autounfall" bezeichnet, im Fall eines Scheiterns gegen den BVB dürfte der Crash deutlich mehr Folgen haben.

© SZ vom 18.02.2020/ebc
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