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Protest in Frankfurt:Der Druck aus der Kurve

Eintracht Frankfurt v 1. FC Union Berlin - Bundesliga

Vor einer leeren Kurve: Die Eintracht-Anhänger boykottierten die Partie am Montagabend gegen Union Berlin.

(Foto: Alex Grimm/Getty Images)

Ein Fußball-Fan soll und darf mehr sein als stiller Konsument - doch wenn eine Minderheit die alleinige Deutungshoheit beansprucht, wird das zum Problem.

Welche Eindrücke bleiben vom Protestabend in Frankfurt? Zunächst das Bild einer leeren Nordwestkurve, auf der statt der üblichen 8000 Stehplatz-Fans ein einziges großes Protestplakat gegen die Bundesliga-Montagsspiele zu sehen war. Zudem die Interpretation, dass wegen des Stimmungsboykottes der aktiven Frankfurter Fanszene die Anhänger von Union Berlin das Spiel akustisch dominierten und mancher darin einen Mitgrund für den Auswärtssieg sah. Aber auch diverse Augenblicke, in denen viele der Anwesenden ihren Unmut über Boykott und Protest zum Ausdruck brachten - unter anderem durch lautes Pfeifen beim wenig feierlichen Verlesen der Teamaufstellung.

Es war ein Montagabend, der stellvertretend steht in einer Debatte, die gerade nicht nur Eintracht Frankfurt führt. Er führt wieder zu der Frage, wie ein Verein angemessen umgehen soll mit denen aus der Kurve, die für sich reklamieren, das Herz der Fanszene zu sein.

Nun ist es grundsätzlich das gute Recht jeder Fangruppe, gegen alles und jeden zu protestieren, wenn es keinen anderen verletzt. Ein Fan darf mehr sein als stiller Konsument, der Bier und Bratwurst kauft, ein bisschen klatscht und Fußball genießt und dann wieder nach Hause geht. Er muss sich aktiv einbringen dürfen, auch (vereins-)politisch, was natürlich nicht heißt, dass er mit jedem Ansinnen Recht hat. Man kann Montagsspiele aus guten Gründen unangebracht finden, und man kann Montagsspiele übrigens auch weiterhin unangebracht finden, obwohl bereits beschlossen ist, dass es sie ab der Saison 2021/22 nicht mehr geben soll. Denn für manche Fans steht der Montag symbolisch für die Zerstückelung des Spieltags und für alles, was für sie unter den Sammelbegriff der Kommerzialisierung fällt.

Problematisch wird es allerdings, sobald eine Fan-Gruppe die alleinige Deutungshoheit in solchen Fragen und die damit verbundene Außendarstellung für sich beansprucht. Und wenn sich Vereinsverantwortliche wie nun in Frankfurt dem Druck dieser Gruppe auch noch beugen. Die Nordwestkurve war am Montagabend komplett gesperrt. Wer den Boykott boykottieren wollte, was ebenfalls gutes Fan-Recht wäre, konnte nicht einmal seinen gewohnten bezahlten Stehplatz einnehmen. Er konnte sich allenfalls anderswo in der Arena niederlassen.

Im Frankfurter Fall kommt erschwerend hinzu, dass aus dem harten Kern der Fanszene eben nicht nur oft tolle Unterstützung im Stadion und legitimer Protest kommen. Sondern auch manches Fehlverhalten, das etwa zu Sanktionen von Europas Fußball-Union für Europapokal-Spiele oder zuletzt zu Spielverzögerungen beim Derby in Mainz führten.

Der Dialog mit solchen Fan-Gruppen ist wichtig. Aber wenn Klub-Verantwortliche allzu reserviert reagieren, nehmen sie in Kauf, dass sich Einzelne in der Kurve weitaus mächtiger fühlen und aufführen, als sie es sein sollten. Sie gerieren sich als Herz der Fanszene, insgesamt aber sind sie klar die Minderheit.

© SZ vom 26.02.2020/schm
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