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Probleme beim FC Barcelona:Messi schlurft

Barcelona's Messi gestures during the Spanish First division soccer match against Malaga at Camp Nou stadium in Barcelona

Hat er keine Lust, läuft es auch beim FC Barcelona schlecht: Lionel Messi.

(Foto: REUTERS)

Die Schultern des Argentiniers weisen auf tiefe Verstimmung hin: Vor dem Champions-League-Ernstfall in Manchester macht ein Zwist zwischen Trainer Luis Enrique und Stürmer Lionel Messi dem FC Barcelona schwer zu schaffen.

Es ist nie gut, wenn der Chef nicht mit seinem wichtigsten Mitarbeiter spricht, seinem Arm im Operativen, dem ersten Umsetzer seiner Ideen und Strategien. Auch im Fußball nicht.

Beim FC Barcelona, einem Unternehmen mit einer halben Milliarde Euro Umsatz, spricht der Trainer nicht mehr mit seinem Spielgestalter, seinem besten Mann, seinem CEO auf dem Platz. Zwischen Luis Enrique und Lionel Messi ist die Beziehung mittlerweile so angespannt, dass es Mittler braucht in der Mannschaft, Pingpong-Diplomaten, die Botschaften hin- und hertragen, damit sich die Streithähne ganz dem wechselseitigen, irgendwie infantilen Ignorieren hingeben können.

Barcelonas Höhenlage hängt von Messi ab

Und es verwundert nicht, dass Xavi Hernández, der Veteran, ein geerdeter Mann mit feinen Umgangsformen, diesen Part spielt. Frieden aber ist nicht absehbar, dafür sind die beiden Herrschaften wohl einfach zu stur. Wenn man gewinnt, sonnt sich jeder einzeln unter dem Beifall. Wenn man verliert, wie am Samstag daheim im Camp Nou gegen den FC Málaga, dann ist jeweils der andere schuld. Dafür braucht es nicht einmal Worte.

So, mit tiefer interner Verstimmung, fährt Barça auf die Insel zum Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Manchester City, das sich seinerseits gegen Newcastle United mit einem runden 5:0 - oder wie die Spanier sagen: mit einer Manita, einer Handvoll Tore - Mut angespielt hat. Wahrscheinlich reichen dann schon fünf, zehn Minuten Stilstudie zu Spielbeginn, um zu verstehen, wie die Gäste drauf sind.

Man braucht dann nur auf Messi zu schauen: Schlurft er mit hängenden Armen im vorderen Drittel, als wollte er dem Trainer seine Zentralität demonstrieren, dann droht ein lauer Flop, wie es sie im vergangenen Jahr des Öfteren gab. Steht ihm der Sinn hingegen nach Lust und Kür, nach Pressing und Kunst, dann ist es möglich, dass man wieder einen der besten Messi überhaupt zu sehen bekommt.

Die Katalanen erleben eine Saison mit Himmelhöhen und Höllentiefen in schneller Abfolge, und immer, wirklich immer, hängt die Höhenlage ganz vom CEO ab, von der Tageslaune von Lionel Messi, nunmehr 27 Jahre alt.

In den ersten eineinhalb Monaten des laufenden Jahres spielte er so gut, dass es hieß, er sei nie besser gewesen. Bis zur Niederlage gegen Málaga gab es elf Siege in Serie, so viele wie schon lange nicht mehr. Und der Argentinier schoss 14 Tore, mehr als der gesamte Sturm von Real Madrid in derselben Zeitspanne. Vom "neuen Messi" war die Rede.

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Selbst Messi kann die Niederlage nicht verhindern: Der FC Barcelona unterliegt dem FC Malaga und verliert wichtige Punkte im Kampf um die spanische Meisterschaft. Mesut Özil und Per Mertesacker siegen mit dem FC Arsenal.

Man suchte nach Gründen und fand sie unter anderem bei einem neuen Ernährungsplan, erdacht von einem Berater in Mailand, dessen Name noch nicht ruchbar wurde. Manch ein Deuter vertrat die These, Cristiano Ronaldo sei es gewesen, der Messi zu neuer Verve angestachelt habe, als er von der Bühne des Zürcher Kongresshauses verlauten ließ, er trachte danach, mindestens ebenso viele Ballons d'Or zu sammeln wie seine Nemesis im auffälligen Anzug von Dolce & Gabbana.

Kein Trainer hat es leicht mit Messi

Jedenfalls sprühte Messi wieder, kam mal über die rechte Flanke, mal durch die Mitte, kombinierte wunderbar mit den beiden prominenten Nebendarstellern Neymar und Luis Suárez. Er nahm sich alle Freiheiten, ließ sich auch mal zurückfallen, spielte viele lange, steile Pässe. Und da es funktionierte, hörte man kaum etwas von Luis Enrique.

Kein Trainer hat es leicht mit dem "Floh", einem stillen Zeitgenossen, der schnell einschnappt, schlecht mit Kritik umgehen kann, keine Schatten, keine Rotationen, keine Revolutionen duldet. Auch Pep Guardiola sagte einmal, es sei am besten, man rede nur wenig mit Messi, der verstehe dann schon genug. Nur Respekt sollte da sein. Und wie es scheint, respektiert Messi Enrique nur sehr mäßig.

Champions League

Achtelfinale, Hinspiele:

Dienstag, 24.2. (Rückspiele Mittwoch, 18.3.)

Manchester City - FC Barcelona 20.45

Juventus Turin - Borussia Dortmund 20.45

Mittwoch, 25.2. (Rückspiele Dienstag, 17.3.)

Bayer Leverkusen - Atlético Madrid ZDF / 20.45

FC Arsenal - AS Monaco 20.45

Bereits gespielt:

FC Schalke 04 - Real Madrid 0:2 (0:1)

FC Basel - FC Porto 1:1 (1:0)

Rückspiele: Dienstag, 10.3. Schachtjor Donezk - FC Bayern 0:0

Paris St. Germain - FC Chelsea 1:1 (0:1)

Rückspiele: Mittwoch, 11.3.

Englische Medien rechneten schon herum

Kürzlich, zum Jahresbeginn im Baskenland, überwarf er sich so ungewohnt öffentlich mit dem strengen und asketisch lebenden Coach, der mal wieder die halbe Mannschaft ausgetauscht hatte, dass danach sofort Gerüchte herumgereicht wurden, er wolle weg aus Barcelona. Offerten gebe es genügend: aus London, aus Paris und aus Manchester.

Die englischen Medien rechneten schon aus, wie viel Messi kosten würde, addierten die mögliche Transfersumme sowie sechs Jahre Lohn und kamen auf den stattlichen Betrag von 640 Millionen Euro. Vermeldet wurde auch, Messi folge auf den sozialen Netzwerken neuerdings dem FC Chelsea und Manchester City.

Es begann eine Debatte darüber, ob Messi denn in einem anderen Verein überhaupt bestehen könnte, einem zumal, der nicht alles nach ihm ausrichtet. Verhandelt wurde auch die Frage, ob sich dieses Kind aus der argentinischen Provinz, aus Rosario, in einer Weltstadt wie London wohl fühlen würde. Das beschauliche Barcelona passt da besser. Englisch würde er ohnehin nicht lernen wollen, hieß es auch. Ganz abenteuerlich schienen die Gerüchte dennoch nicht zu sein.

Es heißt, Vereinspräsident Josep Maria Bartomeu habe Messi als beruhigendes Bonbon versprochen, er würde bald einen neuen Trainer anstellen. Offenbar fiel der Name von Frank Rijkaard, von 2003 bis 2008 schon einmal Trainer Barças. Der Holländer hatte Messi damals zum Debüt verholfen. Die beiden haben den Kontakt über die Jahre nie abgebrochen. Messi mag und respektiert Rijkaard, da würde die Chemie stimmen, die interne Kommunikation.

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Bartomeu dementierte die Geschichte derart vehement, dass man sie gemeinhin für umso wahrhaftiger hält. Aber was zählt Bartomeus Wort noch? Im Juni wählen die Mitglieder des Vereins einen neuen Präsidenten. Und sollte der Amtsinhaber nicht alles gewinnen, am besten das Triple aus Champions League, Liga und Copa del Rey, mindestens aber ein Double, dann sind seine Chancen auf eine Wiederwahl wohl recht gering.

Zu viele Skandale, zu viele Fragen, zu viel Verstimmung. Es wäre also auch für den Präsidenten gut, wenn gegen Manchester City wieder der "neue Messi" in der Rolle des operativen Chefs aufträte, ohne Hang zum Schlurfen.