Englischer Fußball:Ovationen gegen Rassismus

Premier League - Brentford v Arsenal

Die Brentford-Fans erheben sich für Arsenals Bukayo Saka.

(Foto: Peter Cziborra/Reuters)

Der Kampf gegen rassistische Beleidigungen bestimmt auch die neue Saison der Premier League. Beim Eröffnungsspiel zeigt sich: Die Rückkehr der Fans kann viel Positives bewirken.

Von Felix Haselsteiner

59 Minuten war die Saison in der Premier League alt, als die große Debatte des englischen Fußballs zum Thema wurde. Bukayo Saka betrat den Rasen und kam für Stürmer Folarin Balogun ins Spiel - und das Publikum im Brentford Community Stadium erhob sich zu einer Ovation im Stehen. Der Applaus war groß für den 19-Jährigen, wie schon vergangene Woche beim Testspiel gegen Tottenham. Er war ein klares Zeichen, dass nicht nur die Spieler und Vereine, sondern auch die in die Stadien zurückgekehrten Fans bereit sind, sich mit der Rassismus-Thematik auseinanderzusetzen, die vor dem Start der englischen Liga eines der bestimmenden Themen ist.

Einen Monat und drei Tage ist es her, dass in Wembley die Europameisterschaft zu Ende ging, im Nachgang schrieb die internationale Presse viel über Corona-Zahlen, italienische Sieger und die schönen Geschichten des Turniers. Dabei hatte der letzte Schuss des Turniers einen rassistischen Shitstorm gegen einen jungen englischen Spieler ausgelöst, der mit seinem vergebenen Elfmeter den Traum vom EM-Heimsieg beendete und dafür den Hass aus dem Netz in all seiner Wucht zu spüren bekam. Es war ein eindeutiges Warnzeichen, dass Rassismus und Diskriminierung auch in England weiterhin ein Alltagsthema sind, vor allem im Fußball.

Er habe "sofort gewusst, was passieren würde", sagte Bukayo Saka später, auch - oder gerade - 19-Jährige haben schon ein Gefühl dafür, wie gnadenlos die "sozialen" Medien sein können. Die Welle an Rassismus, die Saka sowie seine Kollegen Marcus Rashford und Jadon Sancho erfasste, war beispiellos: Es folgten Strafverfolgungen und vereinzelte Festnahmen, doch längst nicht jeder der Rassisten konnte zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Rückkehr der Fans bewegt viel Positives

Die Premier League antwortete mit einem "No Room for Racism Action Plan", der unter der Woche vorgestellt wurde und unter anderem eine Kernklausel enthält, die erstmals nicht nur lokale, sondern landesweite Stadionverbote für Zuschauer möglich macht, die sich diskriminierend äußern. Strafverfolgung und Sperren von Fußballinhalten sollen zudem auch in der Online-Welt verstärkt werden, auch wenn Premier-League-Boss Richard Masters in diesem Bereich vor allem die Medienanbieter in der Bringschuld sieht: "Diese Unternehmen müssen etwas unternehmen und wir setzen sie unter Druck", sagte Masters unter der Woche.

Der Kampf gegen Rassismus soll weiterhin an jedem Spieltag ein Thema sein, viele Spieler haben bereits angekündigt, weiterhin vor dem Anpfiff knien zu wollen - auch wenn es für die Geste zuletzt immer wieder mal Pfiffe von den Rängen gab. Zumindest bei der Eröffnungspartie zwischen dem Aufsteiger FC Brentford und Arsenal am Freitagabend zeigte sich nun, dass die Rückkehr der Fans in die in England voll ausgelasteten Stadien viel Positives bewirken kann: Die Solidarität mit Saka war ausufernd.

Manchester United v Leeds United - Premier League

Raphael Varane kommt aus Madrid und trägt bei Manchester United die Rückennummer 19.

(Foto: Catherine Ivill/Getty)

Sportlich gesehen konnte jedoch auch Saka nicht verhindern, dass Arsenals erstes Saisonspiel verloren ging: Brentford, nach 74 Jahren Abwesenheit wieder in die Premier League zurückgekehrt, gewann zum Auftakt mit 2:0 gegen die Gunners, die der Konkurrenz damit am ersten Spieltag schon hinterherlaufen. Englands Meisterschaftskampf dürfte ohnehin erneut ohne Beteiligung Arsenals stattfinden, es bräuchte schon eine Fabelsaison, um mit den anderen Großen mitzuhalten, die trotz der Pandemie erneut ihre Brieftaschen öffneten: Manchester United holte im Sommer Sancho für 85 Millionen Euro aus Dortmund und verkündete vor dem 5:1 gegen Leeds United den Transfer von Verteidiger Raphael Varane für bis zu 50 Millionen Euro. Chelsea wortspielte am Donnerstag mit dem Hashtag "Lukwhosback" bei der Verpflichtung von Romelu Lukaku für 115 Millionen Euro.

Und am Sonntag präsentierte Manchester City seinen Königseinkauf: Jack Grealish wechselte für 117,5 Millionen Euro von West Ham nach Manchester, im Auswärtsspiel bei Tottenham stand er gleich in Pep Guardiolas Startelf - und deutete gerade im Zusammenspiel mit Kevin De Bruyne an, dass die Citizens mit diesem Duo wohl erneut favorisiert in die Saison gehen. Doch auch Grealish konnte am Ende nichts daran ändern, dass City den Saisonstart vermasselte: Das 0:1 in Tottenham war verdient, auch weil der neue Trainer auf der anderen Seite - der Portugiese Nuno Espirito Santo - mit seiner geordneten Taktik nur wenig zuließ. Die Offensive war für Espirito Santo auch keine Möglichkeit gewesen, um zu glänzen, auch weil ihm in Harry Kane der beste Stürmer fehlte. Offiziell lautete der Grund, dass Kane nach seinem Urlaub nach der Europameisterschaft noch nicht fit genug sei, in Wahrheit dürfte es auch etwas damit zu tun haben, dass Englands bester Stürmer sich gegen eine Ablösesumme von diesmal 150 Millionen Euro wohl ebenfalls in Richtung Norden verabschieden wird. Grealish und De Bruyne, das zeigte sich gegen Tottenham, fehlt noch ein Zielspieler in vorderster Front.

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