Borussia Mönchengladbach im DFB-Pokal:Verein sucht Titel

Borussia Mönchengladbach im DFB-Pokal: Die Entscheidung: 20 Sekunden vor Ablauf der Verlängerung köpfelt Kouadio Koné für die Borussia den Siegtreffer zum 1:0-Endstand.

Die Entscheidung: 20 Sekunden vor Ablauf der Verlängerung köpfelt Kouadio Koné für die Borussia den Siegtreffer zum 1:0-Endstand.

(Foto: Ulrich Hufnagel/Imago)

Nach dem Erfolg im Achtelfinale träumen sie bei Borussia Mönchengladbach schon vom Pokalfinale in Berlin. Ein Niederrhein-Derby gegen Fortuna Düsseldorf wollen sie auf dem Weg dahin aber lieber vermeiden.

Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

Der Wolfsburger Torwart Koen Casteels fand das Spiel "lange träge". Auch Gladbachs Sportvorstand Roland Virkus gab zu: "Das war kein Leckerbissen." Und im deutschen Fernsehen sahen sich am Dienstagabend 350 000 Menschen mehr lieber die RTL-Sendung Bauer sucht Frau an.

Die immerhin 3,3 Millionen, die in der ARD trotz allem dem DFB-Pokal-Achtelfinale zwischen Borussia Mönchengladbach und dem VfL Wolfsburg folgten, wurden erst nach 119 Minuten fürs Ausharren belohnt. Wenn das überhaupt eine Belohnung war. Denn nach zwei mauen Stunden torlosen Fußballs gab es als Entschädigung nicht mal ein dramatisches Elfmeterschießen. 20 Sekunden vor Ablauf der Verlängerung köpfelte Kouadio Koné für die Borussia den Siegtreffer zum 1:0-Endstand. "Dann war das Stadion aber am Beben", befand keck der Gladbacher Kapitän Julian Weigl.

Normalerweise fristen Seismographen am Niederrhein ein unspektakuläres Dasein. Im Borussia-Park spielte Gladbach in den vergangenen zweieinhalb Jahren weitgehend erschütterungsfrei. Doch der erste Einzug ins Pokal-Viertelfinale seit drei Jahren weckt lange unterdrückte Titel-Instinkte. Die Chance auf den Gewinn des Pokals erscheint in dieser Saison groß wie lange nicht. "Der Pokal ist unheimlich spannend, weil schon so viele große Teams raus sind", sagte Weigl und suggerierte damit ebenso den Traum vom ersten Vereinstitel seit 1995 wie der Sportchef Virkus: "Der Weg wird immer kürzer, die Wahrscheinlichkeit immer größer." Zwei Siege nur noch, dann dürfte Gladbach die 500 Kilometer Luftlinie zum Endspiel am 25. Mai 2024 im Berliner Olympiastadion antreten.

Wie wär's bei der Auslosung jetzt mal mit einem Zweitligisten?

Erst zum zweiten Mal überhaupt hat Gladbach im Pokal gegen Wolfsburg gespielt, doch gerade der Name des Gegners weckt wohlige Erinnerungen. Denn das erste Aufeinandertreffen war an jenem 24. Juni 1995 gewesen, als die Gladbacher durch einen 3:0-Finalsieg gegen den damaligen Zweitligisten Wolfsburg den bislang letzten ihrer elf Vereinstitel gewannen.

An den drei Treffern im Endspiel damals waren lauter Spieler beteiligt, die in Gladbach bis heute Kultstatus genießen: Thomas Kastenmaier legte Martin Dahlin das 1:0 auf (13.), Heiko Herrlich bereitete Stefan Effenberg das 2:0 vor (61.) und Karlheinz Pflipsen schickte Herrlich zum 3:0-Endstand (86.). Zu der von Bernd Krauss trainierten Mannschaft gehörten außerdem Spieler wie Uwe Kamps, Patrik Andersson, Jörg Neun, Christian Hochstätter und Peter Wynhoff. Herrlich wechselte hinterher trotz gültigen Vertrags und nach wochenlangem Streit für die Bundesliga-Rekordablöse von elf Millionen Mark zu Borussia Dortmund. Und Effenberg, zunächst für eine Saison vom AC Florenz ausgeliehen, wurde anschließend fest verpflichtet, ehe er 1998 zum FC Bayern zurückkehrte.

Der Lucky Punch am Dienstag, 20 Sekunden vor Schluss, rang den Gladbachern keine Worte der Entschuldigung ab. Im Gegenteil: "Scheißegal!", brummte Virkus, "im Pokal zählt nur das Weiterkommen." Nach den bewältigten Heimaufgaben gegen die Bundesligisten Heidenheim und Wolfsburg wünscht sich der Gladbacher Sportchef jetzt ganz unverhohlen einen Zweitligisten als Gegner. Schließlich sind ja noch so viele im Wettbewerb. "Jetzt sind wir auch mal dran!", beschwor der 57-Jährige die niederrheinischen Fußballgötter, verzichtete aber darauf, sich explizit ein Derby gegen Fortuna Düsseldorf zu wünschen.

Der Zweitligist Fortuna aus der 25 Kilometer östlich gelegenen Landeshauptstadt hat am Dienstag einen 0:1-Rückstand beim Zweitliga-Konkurrenten 1. FC Magdeburg ebenfalls sehr spät durch zwei Treffer von Jona Niemiec in der 87. Minute sowie in der zweiten Minute der Nachspielzeit in einen 2:1-Sieg umgedreht. Nun wäre der Weg frei für das fünfte Pokal-Derby zwischen Gladbach und der Fortuna. Bisherige Bilanz: 3:1 für Düsseldorf. Die Auslosung findet am kommenden Sonntag statt. Bei so einem Pokalderby in einem Viertelfinale wäre der ganze Niederrhein elektrisiert, um nicht zu sagen: am Beben.

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