Platzverweise für Real Madrid:Mourinhos Pfusch

Hat Real-Trainer José Mourinho die Platzverweise für Sergio Ramos und Xabi Alonso angeordnet? Ein spanischer Schiedsrichter bezichtigt ihn der Dummheit - nun ermittelt auch die Uefa wegen "unzulässigen Verhaltens".

Javier Cáceres

War José Mourinho, der Trainer von Real Madrid, womöglich doch nicht hinreichend gerissen, als er - wie ihm unterstellt wird - beim Champions-League-Spiel in Amsterdam seine Spieler Sergio Ramos und Xabi Alonso anhielt, Platzverweise gegen sich zu provozieren?

Platzverweise für Real Madrid: Schmierenkomödie oder Zufall? Real-Trainer Mourinho sieht zu, wie sein Mittelfeldspieler Xabi Alonso nach einem Platzverweis das Feld verlässt.

Schmierenkomödie oder Zufall? Real-Trainer Mourinho sieht zu, wie sein Mittelfeldspieler Xabi Alonso nach einem Platzverweis das Feld verlässt.

(Foto: AP)

Zur Erinnerung: Beim 4:0-Sieg am Dienstag hatte Mourinho offenbar Ersatztorwart Jerzy Dudek als Mittelsmann benutzt, um den bereits verwarnten Xabi Alonso und Ramos über Tormann Iker Casillas die Instruktion zukommen zu lassen, sich die zweite Verwarnung und damit den Ausschluss zu organisieren.

Der Schiedsrichter zeigte den beiden - wegen offensichtlichen Zeitschindens vor der Ausführung eines Frei- respektive Abstoßes - tatsächlich die Gelb-Rote Karte. Einer der bekanntesten spanischen Referees, Rafa Guerrero, sagte der Zeitung El País, er halte die von Mourinho offenkundig orchestrierte Aktion für Pfusch.

"Die Hinausstellungen kann man auch unter Beachtung des Reglements provozieren, doch weder Mourinho noch die Spieler haben es verstanden, eben das zu tun. Wenn Mourinho cleverer gewesen wäre, hätte er die (nachweisbare/d. Red.) Erkrankung von Casillas ausgenutzt und den Masseur oder Arzt geschickt", sagte Guerrero, um die "stille Post" zu überbringen.

Dudek aber war Ersatzkeeper, "und kein Ersatzspieler darf, außer zum Warmmachen, die Trainerzone verlassen. Das Reglement verbietet das", erklärt Guerrero.

Derweil berichtete Reals Hauspostille, die Sportzeitung Marca, von einem interessanten Präzedenzfall. In einer Partie der vierten Liga hatte ein Spieler - wie Sergio Ramos und Xabi Alonso - eine Ampelkarte provoziert. Der Schiedsrichter hielt dies auch so im Spielberichtsbogen fest, der Spieler wurde daraufhin wegen unsportlichen Verhaltens für zwei Spiele gesperrt.

Der einzige Präzedenzfall aus der Champions League betraf 2008 zwei brasilianische Spieler von Lyon, Juninho und Cris: Sie wurden von der Uefa mit Geldbußen von 10.000 Euro belegt.

Mourinho droht nun ebenfalls ein Nachspiel: Die Disziplinarkommission der Uefa hat am Donnerstagabend Untersuchungen wegen "unzulässigen Verhaltens" gegen den Trainer sowie die vier Spieler Ramos, Alonso, Dudek und Casillas eingeleitet. Der Fall soll am 30. November verhandelt werden - zumindest Ramos macht sich in einer Stellungnahme auf der Real-Homepage keine Sorgen: "Ich fürchte keine Konsequenzen, weil ich nicht gegen die Regeln verstoßen habe."

© SZ vom 26.11.2010/jbe
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