Edmonton Oilers in der NHL:14 Siege nacheinander - na und?

Edmonton Oilers in der NHL: Fürchtet euch nicht! Torhüter Stuart Skinner, 25, hier in Retro-Montur beim "Battle of Alberta" gegen Calgary, gilt auf einmal als zuverlässige Nummer eins der Edmonton Oilers.

Fürchtet euch nicht! Torhüter Stuart Skinner, 25, hier in Retro-Montur beim "Battle of Alberta" gegen Calgary, gilt auf einmal als zuverlässige Nummer eins der Edmonton Oilers.

(Foto: Sergei Belski/USA Today Sports via Reuters Con)

Nach katastrophalem Start haben die Edmonton Oilers und Leon Draisaitl die längste Siegesserie eines kanadischen Teams in der Geschichte der NHL hingelegt. Zum Ligarekord fehlen drei Erfolge - zum Titel aber noch mehr.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Es war nicht die Parade selbst, sondern die Reaktion darauf, mit der Stuart Skinner mitteilte, dass es an diesem Dienstagabend nicht viel zu holen geben würde gegen ihn. Johnny Gaudreau, Angreifer bei den Columbus Blue Jackets, war zu Beginn der Partie auf ihn zugestürmt und hatte präzise abgeschlossen. Der Torwart der Edmonton Oilers aber fischte den Puck lässig mit der Fanghand aus der Luft - und stand danach auf dem Eis, als wäre so eine Parade Routine für ihn, als hätte er bei Bedarf noch mehr davon auf Lager. Und die brauchten die Oilers auch: Ein mickriges Tor ließ Skinner zu beim 4:1-Sieg seines Teams.

14 Siege nacheinander, das ist Vereinsrekord und ein Novum für ein kanadisches Team in der mehr als 100-jährigen Geschichte der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL. Für den Ligarekord fehlen noch drei Erfolge: Die Pittsburgh Penguins hatten 1993 nach der Rückkehr des an Krebs erkrankten Mario Lemieux 17 Siege in Serie geschafft. Es war zugleich der elfte Sieg nacheinander für Stuart Skinner als Stammtorwart, ihm fehlen noch drei zur Bestmarke von Tiny Thompson aus der Saison 1929/30. Bei diesen elf Siegen hat Skinner nur 13 Gegentore zugelassen, also 1,18 pro Spiel. Das muss man auch deshalb betonen, weil "Oilers" und "klasse Torwart" für gewöhnlich so zusammenpassen wie Nikolaus und Osterhase.

Zu den wunderbaren Weisheiten des Sportphilosophen Uli Hoeneß gehört jene, dass Nikolaus und Osterhase zwei verschiedene Figuren seien; ein Hinweis darauf, dass Ergebnisse und Tabelle im Dezember keinen interessieren und es erst im Frühling um Titel geht. Und am 23. Januar? Da wird höchstens der Märtyrerin Emerentiana gedacht, doch auch die bringt ganz sicher keine Ostereier. Den Oilers ist ihre aktuelle Siegesserie deshalb recht egal, sie wissen einfach nicht, was sie mit dem bisherigen Saisonverlauf anfangen sollen - die Partie gegen Columbus war so ein Beispiel dafür.

Es läuft eben gerade. So wie es zu Saisonbeginn nicht lief. Abgerechnet wird erst in den Playoffs

Sie war Anschauungsobjekt dafür, was im Sport passiert, wenn die Favoriten auch noch einen Lauf haben. Die Oilers taten sich lange schwer, hatten aber diese Parade ihres Torwarts samt Botschaft auch mitbekommen: Fürchtet euch nicht, ich bin mal wieder auf Zack! Skinner hielt 27 Schüsse, und als es im Schlussdrittel drauf ankam, trafen die Besten der Oilers: Warren Foegele, der im ersten Drittel das 1:0 erzielt hatte, passte den Puck auf Evander Kane: Tor. Leon Draisaitl mit seiner 29. Vorlage der Saison, diesmal auf Sturmwunder Connor McDavid für dessen 17. Saisontreffer: Tor. Was sollten die Columbus-Spieler da schon anstellen, wenn die Besten so einen Lauf haben, dass sie das mittlerweile als selbstverständlich interpretieren?

Nur: Was die Gegner wohl machen, wenn es (mal wieder) nicht läuft?

Die Oilers haben das erst zum Saisonstart erlebt, ihre ersten Saisonspiele waren einfach nur schrecklich: zehn Niederlagen in zwölf Partien für ein Team, das Meister werden möchte - schlimmer noch, es wirkte wie "Dinner for One": The same procedure as every year. Es klingelte mal wieder viel zu häufig im eigenen Tor: acht und sechs Gegentore von den Vancouver Canucks, sieben von Minnesota Wild, fünf von den Nashville Predators.

Edmonton Oilers in der NHL: Leon Draisaitl, links, gab gegen Columbus seine 29. Torvorlage in dieser Saison.

Leon Draisaitl, links, gab gegen Columbus seine 29. Torvorlage in dieser Saison.

(Foto: Perry Nelson/USA TODAY Sports via Reuters Con)

Ja, sie trafen wie immer auch häufig, sechsmal beim Rückspiel gegen Nashville zum Beispiel, aber das Urteil über diese Oilers war Mitte November gefällt: wieder keine ordentliche Defensive, wieder kein anständiger Torwart. Also: Das wird mal wieder nichts! Am 12. November entließen die Oilers Cheftrainer Jay Woodcroft und verpflichteten Kris Knoblauch, der davor noch nie Head Coach in der NHL gewesen war. Als Assistenten holten sie Paul Coffey hinzu, der als Spieler einer der besten Verteidiger der NHL-Geschichte war. Der Fokus der beiden: Defensive. Bei Leuten wie McDavid, Draisaitl und Kane werden schon eigene Tore fallen, so das Kalkül. Skinner, 25, wurde zur eindeutigen Nummer eins erklärt.

Und siehe da: Die Oilers legten eine erste Serie von acht Siegen hin. Drei Niederlagen später hatten sie aber, kurz nach Nikolaus und kurz vor Weihnachten (in den USA am 25. Dezember), bereits neun Punkte Rückstand auf einen Platz, der zum Playoff-Einzug berechtigt. Am 21. Dezember begann dann der noch immer anhaltende Rekordlauf mit einem 6:3 bei den New Jersey Devils. Seit mehr als einem Monat sind die Oilers nun unbesiegt, und was daran wirklich erstaunlich ist: Seit mehr als einem Monat, seit dem 22. Dezember (4:3 bei den New York Rangers), haben sie in keiner Partie mehr als zwei Gegentore kassiert. Es heißt nun nicht mehr, dass die Defensive mal wieder Mist sei und man vor dem Ende der Transferzeit am 8. März einen Torhüter brauche.

Von den vier Teams, die eine noch längere Siegesserie hingelegt haben, hat nur eines danach auch den Stanley Cup geholt

Stattdessen: Läuft es bei Skinner, läuft es bei Draisaitl (drei Tore und fünf Vorlagen in den zurückliegenden fünf Spielen), läuft es bei den Oilers - nur scheint es sie nicht zu interessieren, ja eher zu nerven. Eine Aussage nach diesem 14. Sieg von Torschütze McDavid, und es war wirklich die aufgeregteste: "Wir wollen weiter gewinnen."

Tatsächlich bedeutet diese Siegesserie für den Rest der Saison ganz genau: gar nichts. Es bedeutet in dieser Liga noch nicht mal etwas, am Ende der Hauptrunde die beste Bilanz zu haben. Kurzer Schwenk in die vergangene Saison: Da verfügten die Boston Bruins über Rekordpunkte (135) und -siege (65), ehe sie in der ersten Playoff-Runde scheiterten. Von den vier Teams, die eine noch längere Siegesserie hingelegt haben als die Oilers derzeit, haben lediglich die New York Islanders (1982, 15 Siege) danach auch den Stanley Cup geholt.

Der Nikolaus ist also wahrhaftig selten der Osterhase, und die Oilers brauchen nicht am Emerentiana-Tag den besten Torwart der Liga, sondern zur Osterhasen-Zeit. In den Playoffs.

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