Nationalteam vor der EM Kühner Plan zur Punktlandung

Klose und Mertesacker außer Form, die Dortmunder ohne Bindung zum Spiel und dazu psychisch angeknackste Münchner: Die DFB-Mission scheint durch mehrere Widrigkeiten gefährdet. Trotz der Probleme in der Turniervorbereitung sollte Bundestrainer Löw aber an seinen Ideen festhalten - und darauf vertrauen, dass seine Elf im richtigen Moment funktioniert.

Ein Kommentar von Thomas Hummel, Basel

Basel ist die vermutlich einzige Stadt der Welt, wo der Karneval, oder die Fasnacht, wie sie hier genannt wird, erst am Montag nach dem Aschermittwoch gefeiert wird. Überliefert ist die Geschichte, dass 1091 auf dem Konzil von Benevent die Fastenzeit um eine Woche vorverlegt wurde - und somit auch die närrische Zeit. Die Basler aber schenkten dem Beschluss keine Beachtung und beließen es beim alten Termin.

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Die Geschichte ist ein Hinweis darauf, dass die Menschen in der Gegend rund um den Oberrhein ziemlich stur sein können und sich ungern von außen in ihre Angelegenheiten quatschen lassen. Dieses Wissen ist nicht unerheblich bei der Annäherung an den Bundestrainer Joachim Löw. Der ist nur 45 Kilometer weiter in Schönau im Schwarzwald aufgewachsen.

Dieser 52-jährige Mann hat die Eigenschaft, seine Pläne und Vorstellungen durchzuziehen, selbst wenn die Gefahr droht, dass ihm ein aufgeregtes Fußballland mit geschätzt 81 Millionen Trainern und Beratern in den Ohren liegt. Nach dem abenteuerlichen 3:5 gegen die Schweiz in Basel schreien ihm die 81 Millionen zu: Was willst du mit dem staksigen Mertesacker? Was mit dem schnöseligen Götze? Der Klose hat ja keinen Ball gesehen und Podolski und Schürrle? Oje! Die EM wird ein Fiasko, bitte Herr Löw, ändern Sie alles!

Joachim Löw hat das in gewissem Sinne provoziert. Er wusste um die Gefahr, dass diese Testpartie schief gehen kann. "Es ist eine Phase, die gefährlich war nach vielen intensiven Trainingseinheiten", sagte er. Gefährlich gerade für Spieler wie Per Mertesacker, Mario Götze und Miroslav Klose, die lange Zeit verletzt waren. Die Sportwissenschaft lehrt, dass solche Athleten während einer harten Trainingszeit in ein körperliches Loch fallen, bevor sie dann stärker daraus hervorzukommen. Das Spiel gegen die Schweiz lag mitten in diesem Loch.

Die Frage lautet nun: Wie tief und dunkel ist das Loch bei jedem einzelnen? Bis zum 9. Juni in Lemberg sollen sich alle Spieler wieder aus ihm herausgezogen haben, um dann geordnet, geistig frisch und körperlich auf dem Höhepunkt über Portugal herzufallen. Es ist eine Punktlandung nötig.

Am Samstagabend in Basel merkte Löw, dass dieser Plan wenigstens bei einigen Spielern ein sehr kühner ist. Wenn es Klose und Mertesacker nicht schaffen, wenn die Dortmunder nicht bald den Hochfrequenz-Klopp-Modus in den geordneten Löw-Modus überführen und dazu der ein oder andere Münchner doch ein psychologisches Problem mit aus dem Champions-League-Finale mitbringt, gefährdet das die ganze DFB-Mission. Trotz aller Widrigkeiten in dieser Turniervorbereitung wird Joachim Löw an seinem Plan festhalten.

Einfach, weil er von diesem überzeugt ist. So sagte er trotz der schwachen Leistung auch nicht den Besuch des Formel-1-Rennens in Monaco ab, wie viele Kollegen das nun aus populistischen Gründen getan hätten. Er ist in diesem Sinne stur und wird sich nicht reinquatschen lassen. Es wird interessant sein zu sehen, ob dieser Plan wie bei der WM 2010 aufgeht. Ob Joachim Löw in der Lage ist, die ein oder andere Überzeugung aus aktuellem Anlass zu überdenken. Oder ob sein Plan diesmal scheitert.

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