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Millionen-Ablöse für Julian Nagelsmann:Im Wert gestiegen

Dass Trainer wie Julian Nagelsmann auf dem Markt nun so teuer sind wie Spitzenspieler, ist eine logische Entwicklung. Für den FC Bayern könnte sich die Investition auszahlen.

Kommentar von Martin Schneider

Als der Fußballer Marc Roca in diesem Sommer zum FC Bayern wechselte, da wurden die Meldungen zum Transfer mit dem Satz versehen, der Spanier komme für die "verhältnismäßig geringe" Summe von neun Millionen Euro nach München. Die Wertung kam zustande, weil der Spieler ein Jahr zuvor noch 40 Millionen Euro gekostet haben soll, zudem hatte er als spanischer U-21-Nationalspieler sein Potenzial hinterlegt.

Nun ist Roca die vierte Wahl im defensiven Mittelfeld der Bayern, was ganz und gar nicht allein seine Schuld ist. Er wechselte vom ziemlich durcheinandergeschüttelten Absteiger Espanyol Barcelona nach München, er war verletzt, die Konkurrenz ist enorm, und sowieso hatte niemand erwartet, dass Roca direkt Stammspieler wird. Neun Millionen Euro (plus Bonuszahlungen) für einen Einwechselspieler sind, gemessen am Rekordmeister-Anspruch des FC Bayern, also auch in Pandemiezeiten absolut akzeptiert, ja gelten sogar als günstig. Und damit zu Julian Nagelsmann.

Der kommt nun fix für eine geschätzte Ablöse von bis zu 25 Millionen Euro von Leipzig nach München, und gemessen an dem, was ansonsten für Trainer gezahlt wird, ist diese Summe alles andere als "verhältnismäßig gering". Die Frage ist: Warum eigentlich?

Dass Trainer ablösefrei von Verein zu Verein ziehen, das hatte bisher mit Angebot und Nachfrage zu tun. Es gab einfach immer mehr Trainer, als auf dem Trainerkarussell Platz fanden, und große Auswahl drückt den Preis. Das ändert sich nun, nicht nur bei Marco Rose (von Gladbach nach Dortmund) und Adi Hütter (von Frankfurt nach Gladbach), deren einstellige Millionen-Ablöse noch per Klausel festgelegt war. Der FC Bayern hat sich mal die Direktive gegeben, dass ein Bayern-Trainer Deutsch können muss. Und er muss, klar, in der Erbfolge von Pep Guardiola und anderen als Top-top-top-Trainer gelten. Guckt man sich den Markt an, gibt es da nicht so viele verfügbare Alternativen.

Eine billigere Lösung muss nicht die preiswertere sein

Außerdem hat es sich mittlerweile selbst in München herumgesprochen, dass der Trainer für den Erfolg der Mannschaft vielleicht ein bisschen wichtiger ist als der vierte Ergänzungsspieler im defensiven Mittelfeld. Eine Entscheidung für einen Trainer (oder vielmehr: ein Trainerteam, der Job ist ja nicht mehr alleine zu stemmen) ist möglicherweise die wichtigste Entscheidung, die eine sportliche Führung zu treffen hat. Da muss man - betriebswirtschaftlich gesprochen - auch mal mehr investieren, um das Risiko zu minimieren.

Nun ist es natürlich so, dass der FC Bayern ohne einen Flick-Abgang gar nicht investieren müsste, schon gar keine Rekordablöse. Aber das ist ein eigenes Thema. Unter den gegebenen Umständen ist Nagelsmann das geringste Risiko: kennt die Bundesliga, gebürtiger Bayer, international erfahren. Und wie so oft im Leben kann ja auch eine vermeintlich billige Lösung hintenraus teuer werden. Wenn man sich vorzeitig trennen muss, muss man ja plötzlich zwei Trainer gleichzeitig bezahlen, manche Vereine auch vier oder fünf. José Mourinho, gerade bei Tottenham gegangen worden, soll angeblich ein 23-Millionen-Euro-Abfindungspaket bekommen. Solche Kosten tauchen in keiner Trainer-Ablösesummen-Statistik auf.

Zudem hätten es die Münchner nach dem Transfer des Verteidigers Dayot Upamecano wieder geschafft, dem direkten Konkurrenten gleich zwei Leistungsträger abzujagen. Diese Motivlage wird man immer bestreiten, aber den Effekt nimmt man gerne mit. Er ist sicher auch ein paar Euro wert.

© SZ/bek/sjo
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