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Mario Götze bei PSV Eindhoven:Zwei Glücksmomente gegen den Winterblues

Neue Rolle als fliegender Holländer: Mario Götze, Weltmeister 2014, zeigt gegen Arnheim, wie gut er noch ist.

(Foto: Maurice van Steen/AFP)

Was treibt eigentlich Mario Götze in Holland? Er war verletzt, doch sein Liga-Comeback gegen Arnheim verläuft so gut, dass Erinnerungen wach werden.

Von Jonas Beckenkamp

Natürlich war diese 64. Minute nicht so bedeutend wie damals jene 88. im Maracana in Rio, es ging gegen Vitesse Arnheim. Ein Spiel der niederländischen Eredivisie, Sonntagabend, Pandemietristesse im Stadion. Aber bei Mario Götze schaut die Welt meist etwas genauer hin. Wie 2014 im WM-Finale nahm er nun auch in Eindhoven seine Arbeit verspätet auf, Götze spurtete aufs Feld, und schon zwei Wimpernschläge später half er mit, die Partie zu drehen.

Seit mehr als einem halben Jahr spielt Götze nun in Eindhoven, er hat sich ganz bewusst für diesen Schritt entschieden, um endlich wieder in Ruhe Fußball zu spielen. Keine Dauerbeobachtung wie bei Borussia Dortmund, keine Öffentlichkeit, die sein Privatleben durchleuchtet, kein Stress. Doch die Zipperlein seines Körpers blieben ihm auch in Holland nicht erspart. Sein letztes Ligaspiel hatte er am 22. Dezember gegen Venlo bestritten - danach versetzte ihn eine Leistenverletzung wieder einmal für zwei Monate in den Winter-Blues.

Und nun also das: Götze leitete im Verfolgerduell gegen Arnheim erst das 1:1 mit einem Pass in den Sechzehner ein, den Treffer erzielte sein ebenso eingewechselter Offensivpartner Donyell Malen. Dann veredelte Götze sein Liga-Comeback mit zwei eigenen Treffern, seine Saisontore drei und vier in der niederländischen Liga.

Der Trainer hat Götzes Gesundheit besonders im Blick

In der 86. Minute folgte er seinem Instinkt bis an den Fünfmeterraum und hielt geschickt den Fuß in eine Hereingabe Malens. In der 88. Minute vollstreckte er einen Konter des PSV zum 3:1 (0:1)-Endstand. Damit setzte sich Eindhoven hinter Ajax auf Platz zwei der Tabelle fest, der Rückstand beträgt sechs Punkte. Nach mehreren Corona-Fällen im Team und einer vermasselten Auswärtsreise in der Europa League nach Piräus, wo PSV das Zwischenrunden-Hinspiel 2:4 verlor, entspannt sich die Lage im Klub. "Die Einwechselspieler biegen es um für PSV", hatte die Zeitung De Telegraaf richtig beobachtet. "Gerade in der zweiten Hälfte hatten wir neue Energie, wir haben um jeden Ball gekämpft, das war wichtig," beschrieb Götze jene Phase der Partie, die er selbst mit prägte.

Für Trainer Roger Schmidt war das Resultat eine Rechtfertigung dafür, dass er gleich fünf Stammspieler zunächst geschont hatte. "Ich bin für meine Spieler und ihre Gesundheit verantwortlich", sagte er, "und ich wollte mit frischen Jungs beginnen, die auch ihre Chance erhalten sollen." Götzes Gesundheit hat er dabei besonders im Blick, denn der frühere DFB-Nationalspieler war erst vergangenen Donnerstag in Griechenland in den echten Wettkampf zurückgekehrt. "Mit unserer Stammelf hätten wir heute sicher nicht gewonnen", erklärte Schmidt, der auch DFB-Akteur Philipp Max bis zu dessen später Einwechslung Erholung gegönnt hatte.

Dafür verteidigte der ehemalige Stuttgarter Timo Baumgartl von Beginn an. Die Deutschland-Connection komplettierte der frühere Hamburger und Bayern-Profi Adrian Fein, der ebenso 45 Minuten mitspielte. Er sei froh über jeden "Qualitätsimpuls" von der Bank, befand Schmidt und dürfte damit in erster Linie Götze und Stürmer Malen gemeint haben. Und er wird wissen, dass Götze nicht als dauerhafte Teilzeitkraft gekommen ist, sondern als Stammspieler mit Titelambitionen.

Wettbewerbsübergreifend durfte der ehemalige Weltmeister erst vier Mal über die volle Distanz aufs Feld. Das ist ausbaufähig, wenn er endlich ganz fit wird. Ein "kleines bisschen" plage ihn auf der Bank schon die Ungeduld, gab Götze nach dem Spiel zu, aber er wolle auch nichts überstürzen nach seiner Pause. Höchste Zeit also, dass er wieder öfter demonstriert, was ihm einst in Rio Joachim Löw bei seiner berühmten Einwechslung zuflüsterte: "Zeig der Welt, dass du besser bist als Messi."

© SZ/ebc
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