Mario Götze bei der WM:Alles wird als Arroganz ausgelegt

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In München ließ er sich sogleich von seinem Sponsor missbrauchen, trug bei seiner Vorstellung ein T-Shirt mit dessen Aufschrift, obwohl dessen größter Konkurrent Anteilseigner des FC Bayern ist. Es folgten Verletzungen und der Umstand, dass er im schmucken Kader der Münchner keineswegs der strahlendste Edelstein war. Franck Ribéry und Arjen Robben funkelten weiterhin heller, selbst Toni Kroos trug mehr zum Erfolg bei. Was den Ärger nach sich zog, dass Kroos, der den gleichen Berater wie Götze hat und deshalb über Gehaltsfragen bestens informiert ist, ähnlich viel verdienen möchte wie der wechselhafte Mitspieler. Weil der FC Bayern das ablehnt, wechselt Kroos demnächst zu Real Madrid.

Das alles ist viel Aufregung für einen immer noch 22-Jährigen. Könnte man meinen. Mario Götze allerdings äußert sich dazu nicht. Er spricht überhaupt nicht gerne in der Öffentlichkeit. Beim FC Bayern zwang ihn anfangs manchmal ein Mitarbeiter der Presseabteilung, ein paar Worte zu sagen zum Spiel. "Aber nur kurz", schränkte Götze dann ein, um die Augen zuzukneifen und es mit leiser Stimme zu schaffen, außer vorgefertigten Schablonen nichts zu sagen.

In Brasilien hatte er eigentlich einen guten Start. Was kein Wunder ist, kann er sich doch hier wie zu Hause fühlen: "Er könnte auch Brasilianer sein. Ja, von seinen technischen Fähigkeiten ist er Brasilianer", sagte Bayern-Kollege Dante einmal. Gegen Portugal sprach ihm der Schiedsrichter einen Elfmeter zu. Er spielte zielgerichtet, gefährlich für jeden Gegner. Mario Götze hat mit seinen Füßen so viele Tricks und Täuschungen im Repertoire, dass die besten Verteidiger der Welt bisweilen beträchtlich aus dem Gleichgewicht kommen. Er erklärte danach für seine Verhältnisse lange und höflich, wie das laufe mit der neuen Offensivformation des Bundestrainers. Er machte einen ausgeglichenen Eindruck.

Versteckt im Panzer

Doch es folgte Ghana. Und Algerien. Vor allem im Achtelfinale unterstellten ihm Beobachter sogar Lustlosigkeit. Wer so gut ist, der kann doch nicht so teilnahmslos am Spiel vorbeitraben!

Mario Götze hat sich längst wieder einen Panzer zugelegt. Muss er das Mannschaftshotel oder die Kabine verlassen, dann erinnert er mehr an eine Play-Station-Figur als an einen Menschen. Er zeigt keine Regung, keine Emotion. Er hält den Kopf sehr weit oben und streckt die Brust sehr weit vor. Inzwischen wird ihm alles als Arroganz ausgelegt, als Überheblichkeit. Sein Jubel nach seinem kuriosen Kopf-Knie-Tor gegen Ghana mit ausgebreiteten Armen wurde als Imitation der Christus-Statue interpretiert. Mario Götze als Sohn Gottes. Mehr Verlust an Bodenhaftung ginge nicht.

In der Erregung einer Fußball-Weltmeisterschaft wird vieles extremer gesehen als sonst. Die Übertreibung wird zum Normalzustand. Die Geschichte um Mario Götze droht deshalb in diesen Tagen zu entgleiten, der 22-Jährige muss aufpassen, dass dieses Turnier nicht sein poliertes Image beschmutzt. Doch ein Mario Götze ist auch in der Lage, mit zwei, drei Aktionen alles zu verändern. Vielleicht sollte er sich vom DFB einmal den Mitschnitt vom August 2011 geben lassen.

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