RB Leipzig:Zum Einstand eine Überdosis Sympathie

RB Leipzig: Einstand mit Becker-Faust: der neue Leipziger Trainer Marco Rose beim 3:0 gegen Dortmund

Einstand mit Becker-Faust: der neue Leipziger Trainer Marco Rose beim 3:0 gegen Dortmund

(Foto: Michael Taeger/Imago)

Der neue RB-Trainer Marco Rose wird nach dem 3:0 gegen seinen Ex-Klub Dortmund von den Fans fast mehr gefeiert, als ihm nach bloß 90 Minuten Arbeit lieb ist. Sein Fokus gilt direkt den nächsten großen Aufgaben.

Von Javier Cáceres, Leipzig

Am Sonntag feierte Marco Rose seinen 46. Geburtstag, und er tat es, indem er der Arbeit frönte. Auf dem Programm standen die Analyse seines ersten Spiels als RB-Leipzig-Trainer, tags zuvor gegen seinen früheren Klub Borussia Dortmund - und vor allem die Vorbereitung auf die Champions-League-Partie bei Real Madrid (Mittwoch), für die Rose in den ersten 48 intensiven Stunden seiner Amtszeit null Zeit gehabt hatte. "Gut, dass sie mich daran erinnern, dass jetzt Madrid kommt", witzelte er.

Die Premiere in seiner Geburts- und Residenzstadt Leipzig hatte Rose mit einem 3:0-Sieg gegen den BVB bewältigt, der einerseits begeisternd war - und ihn andererseits in die Defensive trieb. Denn als er nach der Partie noch damit beschäftigt war, im Kabinentrakt der Arena die TV-Sender abzuklappern und Interviews zu geben, schwoll draußen ein Chor an von Menschen, die nach ihm verlangten: "Ohne Trainer/geh'n wir nicht nach Haus", "wir wollen den Trainer seh'n, wir woll'n den Trainer seh'n...", riefen RB-Fans. Also war Rose tatsächlich gezwungen, neuerlich aus den Katakomben rauszugehen.

Als er die Menge sah, applaudierte er höflich und erkennbar dankbar zurück. Und doch machte Rose eindeutige Gesten, die er später auch verbalisieren sollte. Seine Botschaft lautete: Lasst das bitte! Es reicht! "Das ist schön. Ich versteh' das", sagte Rose später zur Jubelstimmung des Anhangs. Doch er gab zu bedenken, dass nach dem allerersten Auftritt noch kein gebotener Zeitpunkt sei, um sich persönlich schon "mega feiern zu lassen".

Diese Haltung war ein großer Unterschied zu seinem Vorvorgänger Jesse Marsch - der US-Amerikaner hatte bereits am zweiten Spieltag der Vorsaison nach einem 4:0 gegen Stuttgart die Euphorie in der Arena zu einem Bad in der Menge genutzt. Zudem war die herzliche Art, wie Rose von den RB-Fans empfangen wurde, auch ein Kontrast zum direkten Vorgänger Domenico Tedesco, der am Mittwoch entlassen und anderntags durch Rose ersetzt worden war.

Tedesco gewann zwar im Mai mit RB den DFB-Pokal, dennoch wurde er nie so überschüttet mit Sympathie wie jetzt Rose nach nur 90 Minuten. "Ich habe eine hohe Identifikation mit dieser Stadt, ich mag die Leute hier", betonte Rose, und es scheint, dass diese Zuneigung auf Gegenseitigkeit beruht. Die Stadt und ihre Leute, sie stehen auf Rose. Und das RB-Team tut es offenbar auch.

"Intensität, Mentalität und Energie waren heute unglaublich", sagte Torschütze Dominik Szoboszlai nach dem 3:0. Tatsächlich bot Leipzig gegen den BVB eine Show mit einem überzeugenden Vortrag aller Fußball-Basistugenden - in einer Art und Weise, die es im Rückblick tatsächlich unglaublich erscheinen lässt, wie sehr es daran in den letzten Spielen unter Tedesco gemangelt hatte. "Ich glaube, dass es auch den Spielern nicht gefallen hat, dass in kürzester Zeit zwei Trainer gehen mussten", sagte Rose.

Rose spricht vom ersten Schritt - in der Champions-League soll am Mittwoch der nächste folgen.

Der Appell von Vereinschef Oliver Mintzlaff an die Spieler, eine Reaktion zu zeigen, scheint etwas bewirkt zu haben. "Das Pressing-Verhalten war heute sicher nicht perfekt, was die Abläufe betrifft", sagte Rose: "Aber wir haben Intensität gezeigt!" Vor allem taten dies Neuzugang Xaver Schlager und Konrad Laimer, die das Mittelfeld dermaßen tief umpflügten, dass es für die Dortmunder zu unpassierbarem Gelände wurde.

Der Sieg, dem die von Schlager und Laimer verkörperten Tugenden zugrunde lagen, vollzog sich in drei Akten: Szobozslai legte die Führung per Ecke auf, Kapitän Willi Orban traf per Kopf (6.). Dann erzielte Szoboszlai den zweiten Treffer selbst, mit einem Schuss von brachialer Schönheit, der gut als Bewerbung um den Puskas-Preis für besonders sehenswerte Tore taugt (der Preis wird von der Fifa vergeben, in Erinnerung an Ferenc Puskas, der erst im ungarischen Wunderteam der 1950er-Jahre und dann bei Real Madrid zauberte).

Perspektivisch aber war vielleicht am wichtigsten, dass Sturm-Heimkehrer Timo Werner seinen Arbeitstag mit seiner gefühlt ersten gelungenen Aktion abschließen konnte. Werner legte dabei das 3:0 von Amadou Haidara auf - dann wurde er ausgewechselt, unter aufmunterndem Applaus des Publikums.

"Ich hoffe, dass wir das richtig einordnen, als ersten Schritt wahrnehmen und dranbleiben", sagte Rose nach dem Sieg. An Körperspannung sollte es den Leipzigern jedenfalls auch in den nächsten Tagen nicht fehlen. Es folgt der Auftritt auf der großen Bühne des Estadio Santiago Bernabéu (Mittwoch, 21 Uhr), bei Real, das am Sonntag durch ein 4:1 gegen Mallorca Platz eins in Spanien verteidigt hat. Und anschließend erwartet Rose und RB dann auch in Gladbach ein eher ungemütlicher Empfang.

Die Anhänger der dortigen Borussia sind ihrem Ex-Trainer Rose seit dessen Abschied nach Dortmund gram, zudem gärt im Hintergrund die Personalie Max Eberl. RB Leipzig will Eberl, der seinen Manager-Job in Gladbach im Frühjahr unter Tränen aufgab, dort aber noch unter Vertrag steht, so bald wie möglich als neuen Sportgeschäftsführer präsentieren. Eberl stand, wie Rose am Samstag verriet, zuletzt bereits mit ihm im Austausch.

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