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FC Bayern:Viel Verantwortung zwischen den Pfosten

Der Fußball kann ungerecht sein und gemeinhin erwischt diese Erkenntnis Torhüter und Trainer am ehesten. Coach und Keeper, es sind zwei Posten mit Verantwortung und die holt einen eben wieder ein, wenn es mal nicht so läuft. Bei Neuer war das im Herbst der Fall, jener Herbst, indem man als Nationalspieler nach einer vergeigten WM ohnehin im Beliebtheitsranking der Sportfans nicht sonderlich weit oben gelistet war. Am fünften Spieltag der Bundesliga segelte Neuer gegen Augsburg an einem Eckball vorbei und ermöglichte so erst das 1:1 durch Felix Götze, es war der erste Punktverlust der Münchner und Auftakt einer ernsthaften Krise.

Drei Wochen später unterlief Neuer ein ähnlicher Fehler im DFB-Trikot beim 0:3 gegen die Niederlande, im Hinrunden-Spiel gegen Dortmund griff er zu ungestüm in den Fuß von Marco Reus, der sich dummerweise schon im Strafraum befand und dadurch zum Elfmeter kam. Bayern verlor 2:3. Der lange Unfehlbare wurde plötzlich zum Verwundeten, stand in seiner Doppelfunktion gleichsam für einen angreifbaren FC Bayern und eine angeschlagene Nationalmannschaft. "Bei uns war es jetzt auch sehr kritisch in den letzten Wochen. Man konnte nie durchatmen", sagte Neuer im Spätherbst. Die Krise beschäftigte ihn, natürlich.

Und dann kamen wieder die Probleme mit dem Körper hinzu: Eine Daumenverletzung setzte ihn außer Gefecht, dann die Wadenprobleme in den letzten Wochen der Saison. "Das bringt immer etwas Negatives mit sich, wenn man ausfällt", sagte Neuer nun, der sich mit seinem 33-jährigen Körper in der Nationalmannschaft gegen den sechs Jahre jüngeren Marc-André ter Stegen erwehren muss.

Doch wer sich mit Verletzungen so auskennt wie Neuer, der weiß auch, wie Regeneration funktioniert. Und dass es wichtig ist, den Kopf oben zu behalten. "Ich habe auf gar keinen Fall eine schlechte Saison gespielt, ich habe eine gute Saison gespielt und eine gute Halbserie jetzt", sagte Neuer nun. Als Kapitän durfte er als Erster den Pokal in die Höhe stemmen und selten war dieser Abschnitt des Protokolls so gerechtfertigt wie an diesem Abend.

"Ich mache nicht irgendwelche Kampfansagen oder sage gegen irgendwelche Kritiker was, das war noch nie meine Art", sagte Neuer noch. Es ist tatsächlich eine Eigenschaft, die er mit Niko Kovac teilt. Wo andere Münchner schon mal zu Süffisanz neigen und sich nicht ungern in Genugtuung suhlen, lassen sie ihre Taten für sich stehen. Als im November schon Nachfolge-Kandidaten für Kovac diskutiert wurden, verteidigte Neuer den Trainer als einer der wenigen Spieler. "Wenn wir das umgesetzt hätten, was der Trainer gesagt hat, hätten wir 5:0 gewonnen", sagte der Torhüter nach dem 3:3 gegen Fortuna Düsseldorf.

Er gratuliere Manuel Neuer "von Herzen", sagte Kovac nun auf der Pressekonferenz nach dem Double-Gewinn. Und im Fußball ist es dann manchmal wie im echten Leben: Wer schwierige Phasen gemeinsam durchsteht, kommt sich am Ende wirklich näher.

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