3:0 gegen Leipzig Pokalsieg der furiosen Münchner Art

Manuel Neuer leitet die Pokalfeier beim FC Bayern ein.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Der FC Bayern gewinnt durch ein 3:0 gegen RB Leipzig den DFB-Pokal und sichert sich damit das Double.
  • Die Tore der Bayern, allesamt spektakulärer Natur, gingen auf das Konto von Robert Lewandowski (29./85.) und Kingsley Coman (79.).
  • Arjen Robben, Franck Ribéry und Trainer Niko Kovac werden von den Fans gefeiert.
Von Javier Cáceres, Berlin

Im Stile jener Champions, die auf die Siegerstraße geraten, ohne genau zu wissen, warum, und dann mit dem brachialen Gewicht ihrer Geschichte zuschlagen, hat der FC Bayern zum 19. Mal den DFB-Pokal und damit zum zwölften Mal das Double gewonnen. Eine Woche nach dem Gewinn der Meisterschaft siegte der FC Bayern im Finale von Berlin gegen ein Team von RB Leipzig, das lange Widerworte gab und am Samstag die Partie eine halbe Stunde lang dominierte, mit 3:0. Die Tore der Bayern, allesamt spektakulärer Natur, gingen auf das Konto von Robert Lewandowski (29./85.) und Kingsley Coman (79.). Niko Kovac beendet sein erstes Trainerjahr beim FC Bayern mit einer besonderen Titelverteidigung: Im Vorjahr hatte er mit Eintracht Frankfurt den Cup geholt, gegen die Bayern, die er nun zum Double führte. Die morbide Atmosphäre, die in den letzten Monaten wegen der unklaren Lage rund um die Zukunft Kovacs herrschte, dürfte sich an der Säbener Straße damit wohl verflüchtigen. Aus der Kurve der Bayern-Fans kamen wie schon in der Vorwoche in der Münchner Arena wieder laute "Niko-Kovac"-Rufe. Das Plebiszit hat der Kroate gewonnen.

Es war am Samstag im Berliner Olympiastadion früh erkennbar, dass die Partie kein einfaches Remake der jüngsten, erst zwei Wochen alten Begegnung zwischen den beiden Mannschaften werden würde. Am vorletzten Bundesligaspieltag, beim 0:0 von Leipzig, hatten die Emporkömmlinge aus Sachsen noch sehr tief gestanden. Diesmal versuchten sie, die Bayern erkennbar in deren Hälfte zu attackieren, zu Fehlern zu zwingen. Das klappte nach knapp zehn Minuten erstmals in einer Form, die Gefahr für das Bayern-Tor bedeutete. Die Leipziger pressten die Bayern so brutal, dass eine Ecke heraussprang die Marcel Halstenberg trat. Die Bayern hatten dann in doppelter Hinsicht Glück: Den wuchtigen Kopfball von Yussuf Poulsen aus vier Metern lenkte Neuer mit einem Handballtorwartreflex zur Ecke; danach hinderte Robert Lewandowski Leipzigs Innenverteidiger Ibrahima Konaté mit einer Attacke am Torschuss, die verdächtig irregulär aussah. Der Videoschiedsrichter aber sah keinen Anlass, einzugreifen.

Bayerns Aufbauspiel ist anfangs inexistent

Zu den Umständen, die anders waren als beim jüngsten Bundesligaduell zählte aber auch die defensive Mittelfeldbesetzung der Leipziger. Diesmal spielten Kevin Kampl und Tyler Adams vor der Abwehr, und das waren verheerende Nachrichten für Bayerns Thiago. Er war zu Beginn der Partie vor allem wegen Adams von allen Passwegen abgeschnitten und konnte sich wegen des hohen Pressings der Leipziger nicht in die Abwehr zurückfallen lassen. Das hatte massive Rückwirkungen auf das Aufbauspiel der Münchner. Es war 29 Minuten lang inexistent. Oder, was fast dasselbe bedeutete, abhängig von Thomas Müller.

Mitten in diese lange Selbstfindungsphase aber versetzten die Bayern ihrem Gegner einen brutalen Schlag. Nach knapp einer halben Stunde hatte Thiago - fast zum ersten Mal in diesem Finale - einen dieser unscheinbaren Pässe spielen können, die einen Spielzug weiterdrehen. Er passte auf Javi Martínez und leitete damit eine Pass-Stafette über die linke Seite, die über Kingsley Coman und David Alaba führte. Dessen Flanke verwandelte Mittelstürmer Robert Lewandowski - mit einem Treffer, bei dem bestens erkennbar war, dass seine Mutter eine Hochleistungsturnerin gewesen war, in seinen Genen Elastizität und Akrobatik mitschwimmen. Lewandowski wuchtete den Ball im Rückwärtsflug per Kopf ins Tor.