70. Geburtstag von Werner Lorant Zwei Bundesliga-Legenden unter Campern

Werner Lorant auf dem Campingplatz am Waginger See

(Foto: picture alliance/dpa)

Die einstigen Fußballgrößen Werner Lorant und Dieter Eckstein leben mittlerweile am Waginger See. "Über 1860 brauchen wir uns nicht unterhalten", sagt der Ex-Coach beim Besuch zu seinem Geburtstag.

Reportage von Thomas Gröbner, Waging am See

Als wären Außerirdische gelandet auf seinem Campingplatz. Wenn Andreas Barmbichler erzählt, vom "Erstkontakt mit einer Legende", dann klingt es so, als könne er selbst nicht so richtig glauben, was ihm da widerfahren ist. Dabei sind die zwei, die bei ihm gelandet sind, recht irdische Zeitgenossen: Werner Lorant und Dieter Eckstein, zwei Männer, die im Fußball viel verdient und viel verloren haben. Und die jetzt hier, auf einem Campingplatz in Oberbayern, eine neue Heimat gefunden haben.

"Denkst du dran, um 12 Uhr? Die Süddeutsche", sagt Barmbichler an einem Herbstvormittag ins Telefon. Er spricht mit Lorants Lebensgefährtin. "Mei, der Werner und das Telefon, die werden keine Freunde mehr", entschuldigt er sich. Er raucht eine Zigarette im holzgetäfelten Strandkurhaus, wo einst Alfons Schuhbeck kochte und die Miss Strandbad gekürt wurde. Längst hat der Campingplatz andere Attraktionen.

"Absturz! Lorant haust jetzt auf dem Campingplatz", titelte der Boulevard schon 2011 genüsslich. Die Schadenfreude schien groß zu sein. Schließlich ist Werner Lorant nicht irgendwer, sondern der wohl größte Schimpfer und Nörgler der Bundesligageschichte, Künstlername "Beinhart", eine der größten Figuren der Geschichte von 1860 München. Dem Bayern-Spieler Jupp Kapellmann griff er einst so fest in die Hoden, dass ihn ein Arzt behandeln musste. Als Trainer arbeitete er nach der Devise: "Ich wechsle nur aus, wenn sich einer ein Bein bricht." Und nun trainiert er mit dem ehemaligen Nationalspieler Dieter Eckstein hier die Kinder der Urlauber. "Fit & Fun for Everyone", steht auf den Autogrammkarten.

Aber: Dies ist keine Geschichte eines Absturzes. Es ist eher eine Geschichte über Freundschaft.

Campingplatz statt Fußballplatz: Werner Lorant, bald 70, und Dieter Eckstein, 54, am Waginger See.

(Foto: Thomas Gröbner)

"Kann ein Werner Beinhart auch Kinder trainieren?"

Hinter dem Waginger See türmen sich die Chiemgauer Alpen, die Satellitenschüsseln der letzten Dauercamper haben sich wie Sonnenblumen in die Herbstsonne ausgerichtet. Ein polierter Wohnwagen schiebt sich unter dem Fenster von Lorants Wohnung über der Rezeption vorbei.

Wer sich mit Lorant und Eckstein treffen will, muss bei Barmbichler klingeln. Ihr Manager sei er nicht, sondern ein Freund. "Wir haben schon Herzklopfen gehabt", sagt er. "Kann ein Werner Beinhart auch Kinder trainieren?" Viele haben sich das gefragt, die Tribüne war im Sommer voll mit Eltern. Man kann sich vorstellen, dass manche besorgt aussahen. Früher pflegte Lorant zu sagen: "Die Spieler sollen das Maul halten und rennen." Aber Barmbichler ist zufrieden. "Zwei Fußballikonen auf den Campingplatz, das sind wahnsinnig gute Zugpferde."

Lorant kommt in blauen Gummilatschen, Jogginghose und einem T-Shirt von "Strandcamping Waging". Draußen scheint die Sonne, drinnen steigt der Rauch auf. Lorant qualmt die Discountmarke Tawa und brummt: "Das ist doch wie jeden Tag Urlaub hier." Die Gerüchte, dass er im Wohnwagen haust? "Wer so was schreibt, ist dumm. Aber das macht mir nichts aus."

Wer mit Lorant redet, der bekommt entweder eine wahre Geschichte - oder eine gute Geschichte. Das war schon in seiner Zeit als Trainer bei 1860 München so: "Wenn nix passiert ist - keiner rausgeschmissen, kein Spieler fremdgegangen - dann hab halt ich etwas geliefert." Was wäre aus ihm geworden, so ganz ohne Fußball? "Da wäre ich in eine Rakete eingestiegen, und ab die Post, irgendwo hoch."

Lorant scheint hier, unter Campern, endgültig ein neues Zuhause gefunden zu haben. 2010 wurde sein Haus in Dorfen, rund 50 Kilometer von München entfernt, zwangsversteigert. Der Gerichtsvollzieher ließ die Wohnung räumen. Seine Frau verließ ihn, Lorant grantelte in der Pro-7-Reality-Show "Die Alm", streichelte Kühe. Als er nicht mehr wusste wohin, da half ihm ein 1860-Fan aus der Patsche. "Der Fan, das war ich", sagt Barmbichler.

Er hat ihn früher angehimmelt, den Trainer von 1860 München, der die Löwen aus der Bayernliga in die Bundesliga führte. Jetzt seien sie Freunde. Lorant nennt ihn "Chef", wenn er nach einer Cola fragt.