FC Liverpool in der Premier League Fußball, der unter die Haut geht, bloody hell

Jürgen Klopp hatte hinterher alle lieb. Sein FC Liverpool ist derzeit fast unschlagbar.

(Foto: REUTERS)
  • In der Premier League schafft der FC Liverpool zum Jahresabschluss einen großen Sieg gegen Arsenal.
  • Beim 5:1 wird deutlich, warum Klopps Team derzeit so stark ist - und warum der FC Bayern in der Champions League arge Probleme bekommen könnte.
  • Arsenal-Stürmer Aubameyang fällt mit einer haarsträubenden Statistik auf.
Von Sven Haist, Liverpool

Bei all dem Wahnsinn des FC Liverpool wusste man als Zuschauer gar nicht mehr, wo man zuerst hinschauen sollte. Als wären sie Mitglieder einer Rockgruppe, die es gerade mal wieder so richtig krachen lässt, sprangen Jürgen Klopp und seine beiden Assistenten in der Trainerzone umher. Liverpool und die Musik, dieses Klischeebild musste einfach sein an diesem glorreichen Abend. Den Torjubel-Donnerläufen zufolge pressten die Verantwortlichen der "Reds" alles raus, was an Glücksgefühlen in ihnen steckte.

Ihre Körperbewegungen deuteten an, dass jeder aus dem Powertrio sich an der Gitarre, am Bass sowie dem Schlagzeug hätte befinden können oder an allen Instrumenten gleichzeitig. Die Spieler auf dem Platz gaben die Frontmänner, sie hatten den FC Arsenal nach allen Regeln des schönen Spiels auseinandergenommen, bis die Fans auf den Tribünen sich wie Teenies in Ekstase ergaben. Sie hatten Fußball gesehen, der unter die Haut geht, bloody hell!

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Zum Jahresabschluss spielte das Ensemble um Trainer Klopp beim 5:1 über Arsenal noch einmal mit einer Lautstärke auf, die zwischenzeitlich für Zweifel sorgte, ob das Stadion die Veranstaltung schadlos überstehen würde. Das Fußballkonzert in Anfield ging auf die Sinne: man konnte regelrecht sehen, hören, riechen, schmecken und tasten, dass der Tabellenführer der Premier League momentan das coolste ist, was Europa zu bieten hat. Mit 54 Punkten und einem Torverhältnis von 48:8 aus 20 Spielen in der bisherigen Saison geht für Liverpool das Jahr 2018 ungeschlagen zu Ende.

Zu diesem Zeitpunkt haben in der Statistik der ersten englischen Liga überhaupt nur der FC Chelsea (55 Punkte 2005/2006) und ManCity (58 Punkte 2017/2018) eine bessere Bilanz vorzuweisen. "Es wäre verrückt, wenn die Fans jetzt nicht begeistert wären. Einige von ihnen haben Urlaub, also wird es an Silvester wohl lauter werden in Liverpool - hoffentlich aber nicht zu laut, weil mein Hund das nicht mag", sagte Klopp. Auf der Insel ist Liverpool bekannt für ein abwechslungsreiches Nachtleben. Bis in die 20 Kilometer entfernte Küstengemeinde Formby, wo Klopp im Haus seines Vorgängers Brendan Rodgers lebt, dürfte es der ganz große Lärm aber doch nicht schaffen.

Durch die Niederlage von Tottenham Hotspur im Heimspiel gegen Wolverhampton ein paar Stunden zuvor beträgt der Vorsprung für Liverpool nach neun Siegen hintereinander derzeit neun Punkte auf den zweiten Platz. Am Sonntagnachmittag könnte City mit einem Erfolg in Southampton den Abstand auf sieben Zähler verkürzen, bevor am 03. Januar der direkte Vergleich zwischen Meister und Herausforderer ansteht. "Ich bin nicht berühmt dafür, keine positive Person zu sein. Aber glaube ich, dass es das schon war?", fragte sich Klopp selbst auf der Pressekonferenz in Bezug auf die Meisterschaft: "Ich bin nicht der cleverste Mensch auf der Welt, aber auch kein Idiot. Es ist nicht wichtig, wie viele Punkte Vorsprung man im Dezember hat."

Seit Gründung der Premier League hat sich bisher allerdings kein Spitzenreiter das aktuelle Punktepolster nehmen lassen. Und die gegenwärtige Ausgangslage scheint Liverpool eher zu beflügeln als ins Nachdenken zu bringen.

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Obwohl man sich bei den Reds nie so sicher sein kann: Nach dem letztmaligen Gewinn der Meisterschaft 1990 schaffte es Liverpool immer wieder im Verlauf einer Saison an die erste Stelle, bloß reichte es nie, die Spitzenposition ins Ziel zu retten. Am nächsten dran war der Klub in der Spielrunde 2013/2014, als der Vorsprung drei Spieltage vor Schluss bei drei Punkten lag. Dann leitete ein Ballverlust des Kapitäns Steven Gerrard eine Heimniederlage ein, die Liverpool schließlich den Titel kostete.