Leverkusen gegen Freiburg:Spitzenspiel im Schatten der Bayern

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SC Freiburg - Bayer 04 Leverkusen

Torlos in Freiburg: Leverkusens Stefan Kießling (rechts).

(Foto: dpa)

An diesen Gedanken müssen sich Fußballfreunde gewöhnen: Die Partie zwischen Freiburg und Leverkusen gehört zu den Spitzenspielen der Bundesliga. Beide Teams bieten hochspannenden Fußball - um den Tabellenführer aus München zu attackieren, fehlt Leverkusen jedoch ein Tor.

Von Christoph Ruf, Freiburg

Jogi Löw dürfte sein Kommen nicht bereut haben. Was die Teams, die als Tabellen-Sechste und Tabellen-Zweite in den Spieltag gingen, dem Bundestrainer und den anderen 22.499 Zuschauern in klirrender Kälte boten, war ein spannendes Spitzenspiel. Auch wenn sich mancher Fußballfreund sicher noch daran gewöhnen muss, dass eine Partie zwischen Bayer Leverkusen und dem SC Freiburg mittlerweile zu den Top-Spielen der Liga gehört.

"Wir haben uns natürlich alle einen Dreier gewünscht", sagte Leverkusens Nationalspieler André Schürrle nach dem Spiel. "Es war heute nicht einfach", gab Sturmkollege Kießling zu. Am Ende stand ein gutklassiges, jedoch torloses 0:0.

Das Leverkusener Trainergespann vertraute der gleichen Startelf wie beim 3:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt. SC-Trainer Christian Streich veränderte seine Startelf hingegen auf einer Position. Für Karim Guédé, der beim 0:0 in Mainz schwach geblieben war, durfte der technisch stärkere Jan Rosenthal als hängende Spitze neben Max Kruse auflaufen.

Der ehemalige Hannoveraner, der zu Saisonbeginn verletzungsbedingt hatte pausieren müssen, tat dem SC-Kombinationsspiel sichtlich gut. Nach einer scharfen Flanke von Vegar Hedenstad traf der Offensivmann mit einer schönen Volley-Abnahme die Latte. Bernd Leno im Leverkusener Tor wäre wohl geschlagen gewesen (17.). Zuvor hatte bereits Jonathan Schmid den Bayer-Schlussmann zu einer reaktionsschnellen Parade gezwungen (11.).

Kurz darauf dann eine gute Gelegenheit für Leverkusen. Nach einem Zuspiel von Ramos Carvajal zog Ex-Nationalspieler Simon Rolfes beherzt ab, doch sein Schuss aus 14 Metern Entfernung strich knapp am Pfosten des Freiburger Tors vorbei (18.).

Doch dann waren wieder die Platzherren am Zug. In der 27. Minute verfehlte Max Kruse nach feiner Vorarbeit von Hedenstad nur knapp das Tor, wenig später verfehlte Daniel Caligiuris Schuss das Leverkusener Tor nur knapp (32.). Trotz des Chancen-Übergewichts der Gastgeber stand es zur Pause gerechtermaßen 0:0. Der SC Freiburg hatte wie entfesselt den Weg nach vorne gesucht (und gefunden), doch auch Leverkusen hatte stark gespielt und einmal mehr bewiesen, dass das Trainergespann Sascha Lewandowski/Sami Hyypiä die Spielweise des Teams nachhaltig modifiziert hat.

Fans beider Teams feiern

Bayer Leverkusen störte auch in Freiburg früh und konsequent, war bissig in den Zweikämpfen und suchte den direkten Weg in die Spitze, wo der enorm fleißige Stefan Kießling immer wieder Lücken für die nachrückenden Kollegen riss. Unterm Strich hatten die beiden Innenverteidiger, Fallou Diagne und Pavel Krmas, den von Löw Verschmähten allerdings gut im Griff. Diagne avancierte dabei zum besten Freiburger auf dem Feld; der Franko-Senegalese hat großen Anteil daran, dass der SC immer noch die zweitwenigsten Gegentreffer hinter Bayern München aufweist.

Auch im zweiten Durchgang blieb das Spiel hochklassig, beide Mannschaften erweckten zu keiner Phase den Eindruck, als wären sie auch mit einer Punkteteilung zufrieden. Wer als Fan aus Gründen des Selbstschutzes zum Glühweinstand ging, verpasste deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit eine gute Gelegenheit: Wie die von Simon Rolfes, dessen Schuss an den Pfosten knallte (52.).

Oder auf der Gegenseite die von Max Kruse, der wenige Sekunden später Leno prüfte. Der ehemalige St. Paulianer ist längst einer der Leistungsträger beim SC, dass dem Vernehmen nach einige Ligakonkurrenten auf den spielintelligenten, ballsicheren Stürmer aufmerksam geworden sind, ist keine große Überraschung. Kruse war es auch, der in er 70. Minute den nächsten Warnschuss abgab, ehe sich erneut der Pfosten als zuverlässiger Verbündeter der Platzherren erwies; der stramme Schuss von André Schürrle (71.) wäre von Oliver Baumann nicht zu halten gewesen.

Erst in der Schlussphase nahmen beide Mannschaften etwas Tempo aus ihren Aktionen. Verständlicherweise, schließlich hatte die laufintensive Partie Kräfte gekostet. In der 83. Minute musste Oliver Baumann noch mal sein Können beweisen, als er einen Schürrle-Schuss entschärfte, dann war Leno gegen den eingewechselten Guédé zur Stelle (86.).

Nach dem Schlusspfiff feierten die SC-Fans ihr Team mit stehenden Ovationen, und auch die 700 Gästefans waren guter Dinge: Ihr Team bleibt nach dem 0:0 von Freiburg schließlich der hartnäckigste Bayern-Verfolger. Auch wenn der Rückstand am Sonntagabend bereits elf Punkte betragen kann.

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