Lance Armstrong Verstrickt in die eigenen Aussagen

Lance Armstrong gerät immer stärker unter Druck: Nach den Dopingvorwürfen von Floyd Landis treiben ihn juristische Papiere aus einem Versicherungsprozess in die Enge.

Von Thomas Kistner

Am Anfang war's wie immer: Gegen Lance Armstrong steht eine massive Dopinganklage im Raum, und der siebenmalige Tour-de-France-Sieger hält kühl dagegen, wie er das seit Jahren tut: Der Vorwurf sei erlogen, absurd, Floyd Landis sei wirr im Kopf und besitze keine Glaubwürdigkeit. Zwar sollten derart elementare Betrugsvorwürfe gegen den größten Radhelden aller Zeiten dringend vor Gericht geklärt werden, doch ist von einer Klage Armstrongs nichts bekannt.

Prominente Dopingfälle

Von Johnson bis Pechstein

Nun aber soll die Affäre auf einen Prozess hinauslaufen - das ist der dramatische Dreh. Denn Landis entpuppt sich nicht als wirrer Einzelkämpfer, und ein Ermittlerstab um den erfahrenen Fahnder Jeff Novitzky aus Colorado Springs arbeitet intensiv daran, die Causa vor ein US-Bundesgericht zu bringen. Auch liegen bereits Ansatzpunkte vor - erstmals droht es wirklich eng zu werden für Armstrong, Günstling des Radweltverbandes UCI und der Tour-Organisation A.S.O..

Ermittler Novitzky hatte es schon in der Affäre um das kalifornische Dopinglabor Balco geschafft, mächtige, gut beschirmte Sporthelden wie Olympiasiegerin Marion Jones zu Eiden in Gerichtssälen zu bewegen. Jones bezahlte ihr Doping-Dementi später mit einer mehrmonatigen Haft, in den USA sind Lügen vor einer Grand Jury kein Kavaliersdelikt.

Die Folgen von 1999

Das Problem ist auch in diesem Fall: Um beschuldigte Athleten in den Zeugenstand zu bringen, braucht es mehr als Dopingvorwürfe. Hier eilt den Ermittlern die texanische Versicherungsfirma SCA Promotions zu Hilfe. Sie hatte Armstrong 2004 fünf Millionen Dollar Prämie für dessen sechsten Tour-Sieg eingefroren, weil in einem Buch Dopingvorwürfe gegen ihn erhoben worden waren. Bestätigt sah sich SCA im Folgejahr: Da fand das Dopinglabor in Paris bei Nach-Tests der Tour-Proben aus dem Jahr 1999 in sechs Proben Epo, nach Aktenlage waren sie Armstrong zuzurechnen.

Der Sport verwarf die Causa flott, es läge ja nur eine Feldstudie vor und für eine B-Probe sei nichts geblieben. Nach einem Schiedsverfahren einigte sich SCA außergerichtlich mit Armstrong, der auf Auszahlung geklagt hatte. SCA-Chef Robert Hamman sagte der SZ am Donnerstag, die Firmenposition sei auch deshalb aussichtslos gewesen, weil die UCI Armstrong ja weiter als Tour-Sieger führten. Am Ende war es ein teuerer Spaß: SCA habe sieben Millionen Dollar gezahlt.

Nun, sagt Hamman, "verfolgen wir die Entwicklung natürlich mit höchstem Interesse" - und einem enormen Arsenal an juristisch beurkundeten Aussagen Armstrongs. Spät könnte die Rechnung noch aufgehen, etwa im Fall, dass der Radprofi einen Tour-Titel verlöre. Der Weg dorthin führt aus Hammans Sicht nur über Gerichtsprozesse. Dabei verweist SCA nun auf eine ihr (und der SZ) vorliegende eidesstattliche Aussage, eine deposition, die Armstrong am 30. November 2005 in Austin bei einer Anhörung im Schiedsverfahren gegenüber dem Versicherungsanwalt Jeffrey M. Tillotson gemacht hatte.

Wie viel zahlte Armstrong?

Insbesondere auf zwei Passagen richtet Hamman das Augenmerk. Einmal bezeugt Armstrong wiederholt, er habe niemals gedopt. Zum anderen bezifferte er die Summe, die er der UCI angeblich für die Dopingbekämpfung gespendet haben will, weit niedriger als es am Dienstag Pat McQuaid tat. Der UCI-Boss sagte, Armstrong habe 2005 eine Summe von 100.000 Dollar gespendet, die schon 2002 vereinbart worden sei. "2002 gab es keine Anschuldigungen gegen Armstrong", wird McQuaid in zahlreichen Agenturen zitiert, "die wurden erst danach erhoben. Wir haben die Spende akzeptiert, um die Entwicklung des Radsports zu fördern. Meines Wissens gab es nur eine Spende." Für das Geld sei eine Sysmex-Maschine zur Blutanalyse gekauft worden.

Die Fragen, die sich um diesen anrüchigen Vorgang - ein Profi beglückt sein Kontrollorgan mit einem Kontrollgerät - ranken, bedürfen eindeutiger Klärung. Denn während McQuaid von 100.000 Dollar sprach, die 2005 geflossen sein sollen, liest sich Armstrongs Aussage in dem Versicherungsdokument ganz anders:

Doping-Ausreden

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