Kritik der Mitglieder Der FC Bayern folgt Hoeneß nicht mehr bedingungslos

Bayern-Präsident Uli Hoeneß.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Die Pfiffe und die heftige Kritik auf der Jahreshauptversammlung zeigen: Uli Hoeneß hat das Gefühl für die Stimmung im Verein verloren. Seine Machtbasis bröckelt.

Kommentar von Martin Schneider

Nachdem Uli Hoeneß ausgepfiffen wurde, nachdem er sich Buh- und Pfui-Rufe anhören musste, nachdem ihn Menschen beschimpft haben, sagte Uli Hoeneß, dass das alles schon wieder werden wird. Er sagte: "Wenn Bayern München nicht Tabellenführer ist, gibt es natürlich eine gewisse Grundunzufriedenheit, das hat man heute gespürt. Daran wollen wir uns nicht gewöhnen und in Zukunft wieder erfolgreichereren Fußball spielen, dann werden die Jahreshauptversammlungen auch entspannter."

Hoeneß denkt also, die Kritik kommt, weil der FC Bayern nicht erfolgreich ist. Aber da täuscht er sich gewaltig.

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Die Jahreshauptversammlung plätschert mit Applaus und "Uli"-Rufen vor sich hin. Dann kippt die Stimmung, weil Präsident Hoeneß sich der Diskussion verweigert. Der SZ-Liveticker zum Nachlesen.  Aus der Halle von Martin Schneider

Die Kritik kommt, weil mittlerweile eine kritische Masse an Mitgliedern mit der Art und Weise, wie er diesen Verein führt, unzufrieden ist. Und zwar so unzufrieden, dass sie das auf der Jahreshauptversammlung in aller Deutlichkeit artikulierten - durch Redebeiträge oder gut gesetzten Applaus. Wenn diese Veranstaltung am Freitagabend eines gezeigt hat, dann das: Der FC Bayern folgt Hoeneß nicht mehr bedingungslos. Der Gefühlsmensch Hoeneß scheint das Gefühl für seinen Verein verloren zu haben.

Die Ablehnung und Kritik auf der Jahreshauptversammlung trifft Hoeneß schwer. Dieser Abend war immer seine Machtbasis. Tobte der Sturm draußen noch so hart - auf seine Bayern-Familie konnte er sich verlassen. Als er aus dem Gefängnis entlassen wurde, wollten ihn mehr als 7000 Leute wiederwählen. Sie feierten ihren Präsidenten, der Abend trug Züge einer Krönungsmesse. Die Botschaft 2016: Steuerhinterziehung? Gefängnis? Die Lebensleistung des Uli Hoeneß für den FC Bayern ist größer als die Zeit in der JVA Landsberg. Wir stehen zusammen, mia san mia, mia san Uli.

Früher hätte die Pro-Hoeneß-Fraktion wahrscheinlich die Kritik niedergepfiffen

Zwei Jahre später bröckelt die Festung FC Bayern. Mit den Attacken gegen den Ex-Spieler Juan Bernat ("hat einen Scheißdreck gespielt") und die Verbannung von Paul Breitner von der Ehrentribüne, weil er im Fernsehen Kritik äußerte, hat Hoeneß ganz offensichtlich selbst bei seinen treuesten Anhängern eine Linie überschritten.

Vielleicht, weil gerade der familiäre Umgang mit Spielern, die mal beim FC Bayern waren, einst ein Markenzeichen von Hoeneß war. Vielleicht, weil die versöhnlichen Aktionen, die Hoeneß früher zeigte, mittlerweile komplett fehlen. Vielleicht, weil Hoeneß die nach seiner Haftstrafe angekündigte Demut nahezu vollkommen vergessen zu haben scheint. Vielleicht, weil sich viele Mitglieder wirklich mittlerweile für die Wortwahl ihres Präsidenten schämen, wie es Breitner im Bayerischen Rundfunk ausdrückte.

Was Hoeneß zu denken geben sollte: Auch früher gab es immer mal wieder Kritik auf der Jahreshauptversammlung. Aber man brauchte großen Mut, um sie zu äußern, denn die Wahrscheinlichkeit, von der Pro-Hoeneß-Fraktion niedergepfiffen zu werden, war groß. Das war diesmal anders. Wer Kritik äußerte, bekam Applaus. Als Rummenigge und Hoeneß (leichte) Selbstkritik äußerten, bekamen sie großen Applaus. Und als Hoeneß auf Kritik - auch wenn sie polemisch vorgetragen wurde - nicht eingehen wollte, wurde er ausgepfiffen. Und wenn auf der Bühne der Name Salihamidzic fiel, Hoeneß' Wunschkandidat als Sportdirektor, dann wurde im Publikum - vereinzelt, aber doch deutlich - gelacht.

Nun sind die 1652 Mitglieder, die an diesem Freitag in der Halle waren, nicht der komplette FC Bayern. Aber die Mitglieder, die in der Halle sind, die sind nunmal entscheidend. Und im kommenden Jahr werden diese Mitglieder den Präsidenten wählen. Hoeneß kündigte an, im Sommer massiv in die Mannschaft zu investieren. Sehr wahrscheinlich wird der FC Bayern zur Jahreshauptversammlung im kommenden Jahr also sportlich besser dastehen. Dann wird sich zeigen, ob der Tabellenplatz in der Bundesliga wirklich der Hauptgrund für die Proteste war. Oder doch Hoeneß selbst.

Als die Mitglieder sprechen, wird es hart für Hoeneß

Der Bayern-Präsident muss sich am Ende der Jahreshauptversammlung viel Kritik anhören. Nach seiner Antwort gibt es sogar Pfiffe und Buhrufe. Hoeneß zeigt sich "sehr, sehr" getroffen. Aus der Halle von Martin Schneider mehr...