JHV des FC Bayern Als die Mitglieder sprechen, wird es hart für Hoeneß

Bayern-Präsident Uli Hoeneß.

(Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)
  • Bayern-Präsident Uli Hoeneß wird auf der Jahresversammlung von Mitgliedern heftig kritisiert.
  • Als er auf die Kritik antwortet, muss er sich Pfiffe und Buhrufe anhören.
  • Später sagt Hoeneß: "Das trifft mich sehr, sehr."
Aus der Halle von Martin Schneider

Am Ende haben die Mitglieder das Wort. Nachdem die Jahreshauptversammlung des FC Bayern zu Ende ist, darf jeder in der Halle sprechen. Und zwar wirklich jeder. Man muss seinen Wortbeitrag anmelden - das war's, mehr nicht. Bayern-Mitglied sein und melden - dann kann man vor Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß, den Bayern-Vorstand und den Bayern-Mitgliedern sprechen. Es ist ein urdemokratisches Instrument, das möglich ist, weil der FC Bayern zwar ein Weltkonzern, aber auch noch ein Verein ist.

Und als die Mitglieder das Wort ergreifen, wird es hart für Uli Hoeneß.

Die Übertragung der Bayern-Hauptversammlung über die Vereinsmedien bricht vor den Wortbeiträgen ab, weil der FC Bayern die Persönlichkeitsrechte der Redenden nicht hat. So konnten erst einmal nur die Mitglieder in der Halle und nicht die Leute vor den Streams hören, was etwa Johannes Bachmayr zu sagen hatte.

Bundesliga Applaus für Juan Bernat
FC Bayern

Applaus für Juan Bernat

Bayern-Präsident Uli Hoeneß stärkt in seiner Rede auf der Jahreshauptversammlung Trainer Niko Kovač und spricht von Oliver Kahn - am lautesten klatschen die Mitglieder aber für einen Ex-Spieler.  Aus der Halle von Benedikt Warmbrunn

Bachmayr stand am Rednerpult mit einer schwarzen Lederjacke, seine Wortmeldung hatte er unter dem Titel "Kritik an der Vereinsführung" angemeldet. Er begann seine Rede mit dem Satz: "Früher wollte ich werden wie Uli Hoeneß, der große Manager. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher." Schon für diesen Satz gab es Applaus. Und dann kritisiert Bachmayr die Vereinsführung.

Zum Umgang mit Paul Breitner, der von der Ehrentribüne verbannt wurde, sagte er: "Der Herr Dreesen (Finanzvorstand, Anm.) wurde zum Telefon-Lakaien degradiert, weil Sie es nicht im Kreuz hatten, Ihren alten Weggefährten anzurufen." Die Halle tobte nach diesem Satz. Viele riefen "Bravo". Später sagte Hoeneß, Dreesen habe selbst angeboten, Breitner anzurufen.

Bachmayer sagte weiter: "Mein Verständnis vom Verein ist schon: Ein Ehrenspielführer ist nicht zu verbannen. Es ist nicht Ihr Stadion, der Verein ist nicht Ihr Eigentum. Paul Breitner hat ausgesprochen, was viele dachten und das muss man dann auch mal aushalten. Ich sage Meinungsfreiheit Artikel fünf Grundgesetz." Wieder Applaus. Bachmayr kritisierte auch - zum Teil sehr polemisch - die Ernennung von Hasan Salihamidzic zum Sportdirektor ("Konnte nicht mal auf einer Pressekonferenz seinen Tätigkeitsbereich beschreiben") und von Niko Kovac zum Trainer ("Er hat mal gesagt, 'Herz sei wichtiger als Taktik' - den Ansatz sehe ich auch bei unserem Spielvortrag"). Während die Halle tendenziell eher pro Kovac reagierte, wurde Salihamidzic auch an dieser Stelle vereinzelt, aber hörbar ausgelacht.

Und dann wird Hoeneß ausgepfiffen und ausgebuht

Bachmayr fragte sich: "Sind wir ein populistischer Stammtischverein oder ein Weltverein mit Herz?" Und: "Wir gehen zum Teil PSG (Paris Saint-Germain, Anm.) übel an als Staatsverein von Katar - aber das Sponsoring aus Katar, das nehmen wir gerne an." Wieder großer Applaus in der Halle. "Wir rühmen uns des Erbes Kurt Landauers (jüdischer Präsident des FC Bayern, Anm.), schreiben uns aber die Kataris auf die Ärmel."

Bachmayer sagte zu Hoeneß: "Sie treten regelmäßig nach. Ist das das Bild eines Weltvereins?" Er kritisierte Vetternwirtschaft, Dieter Hoeneß habe seiner Meinung nach als Spielerberater zu viel Einfluss, und die Würste für das Stadion, die würde auch Hoeneß liefern. Er frage sich, was Hoeneß eigentlich besser mache als sein Vorgänger Karl Hopfner und schloss seinen Vortrag mit dem Satz: "Der FC Bayern ist keine One-Man-Show." Und bekam großen Applaus.

Hoeneß, der während des Vortrags zunehmend zorniger auf seinem Stuhl saß, sagte: "Si tacuisses philosophus mansisses - hättest du geschwiegen, wärst du Philosoph geblieben. Und dabei will ich es belassen. Da waren so viele Unwahrheiten drin, das würde drei Stunden dauern, das zu diskutieren. Ich nehme eine Diskussion auf dem Niveau nicht an."

Und dann wurde Hoeneß ausgepfiffen. Und ausgebuht. Viele riefen "Pfui". Ein Mitglied rief: "Und du willst Präsident sein?" Hoeneß ging trotzdem zum nächsten Wortbeitrag weiter. Später sagte Hoeneß, er wolle eine Nacht darüber schlafen und sich dann äußern.