Krise bei Juventus Turin:Große Namen sagen "no grazie"

Während die großen Namen also "no grazie" sagten, kamen der einst beim FC Bayern stürmende Kroate Mario Mandzukic (19 Millionen), der Brasilianer Paulo Dybala (40 Millionen) und der Kolumbianer Juan Cuadrado (Leihgabe FC Chelsea) für den Angriff und sehr knapp vor Toresschluss der Franzose Mario Lemina (Leihgabe Olympique Marseille) und der Brasilianer Anderson Hernanes (elf Millionen) für das Mittelfeld.

Besonders Hernanes ist offensichtlich ein veritabler Panikkauf, ein mediokrer Spieler, der zuletzt fünf glanzlose Jahre bei Lazio Rom und Inter Mailand zugebracht hatte. Trainer Allegri fällt jetzt die schwierige Aufgabe zu, mit den Zugängen eine Mannschaft zu formen, die nicht nur Juventus heißt, sondern auch so auftritt - selbstbewusst, aggressiv, siegessicher. An den ersten beiden Spieltagen hat Italien bislang nur einen Abklatsch der alten Juve gesehen. Die echte Juventus trägt neuerdings den Künstlernamen AS Roma.

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Zentrum der Jubeltraube: Edin Dzeko, Zugang aus Manchester, traf erstmals für den AS Rom.

(Foto: Filippo Monteforte/AFP)

Edin Dzeko in der Rolle von Carlos Tevez. Miralem Pjanic als Andrea Pirlo - bei seinem Freistoßtor zum 1:0 muss es den Juventini kalt den Rücken heruntergelaufen sein, so sehr ähnelte es den kühl berechneten Treffern des Maestro. Und Lucas Digne als omnipräsenter Arturo Vidal: Die Roma hat die nicht unbeträchtliche Summe von 80 Millionen Euro ausgegeben, trotz Einnahmen von 72 Millionen aber auf keinen ihrer Protagonisten verzichtet.

Und so sieht man ein junges Team, das schwungvollen Offensivfußball zelebriert, während der fast 39-jährige Anteilseigner und ewige Kapitän Francesco Totti geduldig auf der Bank seine Galaeinsätze erwartet. Vielleicht findet sich für die neue Roma-Show ja tatsächlich auch noch ein Trikotsponsor.

Insgesamt hat die Serie A gut 600 Millionen Euro auf dem Transfermarkt gelassen, mehr als die spanische Liga und die Bundesliga. Seit fünf Jahren wurden in Italien nicht mehr solche Summen ausgegeben, wobei der Löwenanteil von knapp 400 Millionen von nur vier Klubs kam. Hinter den Champions-League-Teilnehmern Juventus (Gruppengegner von Borussia Mönchengladbach) und Roma (Bayer Leverkusen) haben die Mailänder mächtig investiert.

Inter und Milan haben den Anschluss an die europäischen Wettbewerbe verpasst, damit das nicht mehr verkommt, legten sie jeweils rund 100 Millionen Euro auf den Tisch. 38 Millionen zahlte Inter allein für den französischen Mittelfeldspieler Geoffrey Kondogbia, eine Summe, die Trainer Roberto Mancini "total übertrieben" findet. Für nicht halb so viel Geld hat der Montenegriner Stevan Jovetic schon drei Tore abgeliefert, weshalb Inter mit voller Punktzahl an der Tabellenspitze steht. Ganz oben jedoch thront eine Mannschaft, die für 4,45 Millionen Euro Spesen schon sieben Tore gesammelt hat: der Vorortklub Chievo aus Verona.

© SZ vom 02.09.2015/jbe
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