Kricket-WM: Indien vs. Pakistan:Fahrplan zum Frieden

Über einen Fahrplan zum Frieden reden die beiden ungleichen Nachbarn seitdem nicht mehr miteinander, auch wenn schon vor dem Spiel Diplomaten ausgelotet haben, ob der Dialog aufgenommen werden könnte. Die "Kricket-Diplomatie" kommt im richtigen Moment, um auf höchster Ebene Vertrauen aufzubauen. Auch wenn Gilani bemüht war, vor seiner Abreise deutlich zu machen, dass der Sport im Vordergrund stehen soll.

Der pakistanische Premier würde gern miterleben, wie die Nationalmannschaft um ihren Kapitän Shahid Khan Afridi den Indern auf heimischem Boden die schmerzhafteste Niederlage der jüngeren Geschichte zufügt. Dafür dürfe "kein Stein auf dem anderen bleiben", sagt er. Afridi sieht sein Land aber, genau wie die Buchmacher, in einer Außenseiterrolle. "Wir haben bislang über den Erwartungen gespielt", da ist er sich sicher. Natürlich sei ihm die Besonderheit dieses Matches bewusst, sagt er, aber es gehe ihm um den Sport, nicht um Politik: "Ich bin zuallererst ein Kricket-Spieler, erst dann ein Diplomat oder Botschafter oder wie man das auch nennen will."

Indiens Team ist stark wie lange nicht, es hat im Viertelfinale den WM-Seriensieger Australien ausgeschaltet. Pakistans Halbfinal-Teilnahme ist dagegen durchaus überraschend, weil das Team auf Spieler verzichten musste, die in einen Wettskandal verstrickt sind. Der pakistanische Innenminister Rehman Malik sorgte vor der Partie in diesem Zusammenhang noch für zusätzlichen Wirbel.

Die Nationalspieler stünden unter Beobachtung und ihre Telefone würden abgehört, damit sie nicht in Versuchung gerieten, sich von der Wettmafia bestechen zu lassen, ließ er wissen. Er hat damit die Wut seiner Landsleute auf sich gezogen. Die Menschen in dem gebeutelten Land blicken voller Hoffnung auf die verbliebenen Kricket-Helden.

In Indien würden nicht nur Millionen Fans den Einzug ins Finale gegen Sri Lanka oder Neuseeland feiern. Auch die Regierung in Neu-Delhi könnte durch Erfolge der Nationalmannschaft hoffen, dass ihre zahlreichen Korruptionsaffären in den Hintergrund geraten.

Die Ansari-Brüder, die das Spiel ohne ihre Ehefrauen anschauen werden, machen sich mit einer Statistik Mut. Indien hat bei einer Kricket-Weltmeisterschaft noch nie gegen Pakistan verloren. Wenn das so bleibt, werden sie an diesem Abend noch alle zusammen ein Mehrgänge-Menü verspeisen. Im anderen Fall bleibt nur: Milch.

© SZ vom 30.03.2011/jbe
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