Kovac zum FC Bayern:Vor einem Jahr platzierten die Bayern einen Hinweis bei Kovac

Hasan Salihamidzic hat den Weltpokal damals übrigens auch gewonnen, ehrenhalber zumindest. Er war am Finaltag wegen einer Operation entschuldigt, aber er zählte damals ebenso wie der eine und der andere Kovac zum Kader des FC Bayern. Salihamidzic, Codename Brazzo, war damals sogar Publikumsliebling.

Die Generation Weltpokal wird nun also die Geschäfte übernehmen, zumindest jene Geschäfte, die Karl-Heinz Rummenigge (offizieller Titel: Vorstandschef) und Uli Hoeneß (offizieller Titel: Uli Hoeneß) noch übrig lassen. Kovac sei "der perfekte Trainer, er kennt die DNA des Klubs", sagt Salihamidzic, "Niko arbeitet sehr akribisch, sehr fleißig, das ist das, was wir brauchen."

Über Salihamidzic sagen sie im Klub übrigens, dass er sehr fleißig und sehr akribisch sei, und dass das genau das sei, was sie brauchen.

Die durchaus unerfahrenen Kovac und Salihamidzic sind nun also jene beide Menschen, die den Klub in die Zukunft führen sollen. Auf jeden Fall dürften beide insofern geeignet sein, als die Zukunft bei Bayern immer auch ein paar Epochen Vergangenheit enthalten muss. Jener Mann, der den offiziellen Titel Uli Hoeneß führt, dürfte nun erst mal entspannt auf diese Zukunft blicken, es ist eine Zukunft nach seinem Geschmack: Zwei Ex-Spieler sollen nun also dafür sorgen, dass Franck Ribéry und Arjen Robben noch mal ein cooles Jahr beim FC Bayern erleben. Auch das bestätigte Salihamidzic am Freitag: Man habe "mit Arjen und Franck in den letzten Tagen Gespräche geführt", beiden läge nun ein Angebot des Vereins bis Juni 2019 vor. Beide müssten "nur Bescheid sagen". Das ist gewiss ein Grund, warum die Bayern nun guten Gewissens behaupten können, Kovac habe - Tuchel hin, Klopp, Nagelsmann oder Hasenhüttl her - immer zu den Wunschkandidaten gehört: weil er nicht nur einer von ihnen ist, sondern weil sie ihm auch als Champions-League-Anfänger genügend Autorität für die Promi-Kabine mit Ribéry & Robben zutrauen. Kovac sei "einerseits jung gebliebener Fußballer, andererseits aber auch ein Fußballlehrer, der Disziplin und Ordnung einfordert", sagte Frankfurts Sportchef Fredi Bobic kürzlich. In Frankfurt spielt der dominante Kevin-Prince Boateng, es spielen da überhaupt die unterschiedlichsten Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen mit den unterschiedlichsten Mentalitäten: Aber es gibt keine Geschichten dort, kein Reservist in diesem großen Kader motzt, keine Eitelkeit dringt nach außen.

Niko Kovac - außen smart, innen hart - hat den Laden im Griff.

In diesem Sinne hat Jupp Heynckes seinen Nachfolger nach der Bekanntgabe der Personalie auch gleich pflichtschuldig angepriesen, Kovac habe "schon eine Biografie, die sehr, sehr positiv ist". Professionell wikipediasierte Heynckes am Freitag den Lebenslauf des Kollegen, er würdigte nicht nur Kovacs Erfolgsgeschichte in Frankfurt inklusive des Pokalfinales 2017, sondern auch dessen Arbeit für die kroatische Nationalelf bei der WM 2014.

Kovac sei prädestiniert, Bayern zu übernehmen, sagte Heynckes, "das wird funktionieren". Derselbe Heynckes hatte kürzlich in einem Interview allerdings angemerkt, es sei "schon von Nutzen", wenn Kovac "im nächsten Jahr erst mal international mit seiner Eintracht spielt".

Thomas Tuchel hatte es gewagt, nicht auf Bayern zu warten - und in Paris zugesagt

Diese Sätze führen noch einmal tief hinein in die kuriose Trainersuche dieses Klubs, dessen Funktionsträger - vor allem die mit dem Jobprofil Uli Hoeneß - lange davon ausgegangen waren, dass sie den Freund Jupp schon noch zu einem weiteren Dienstjahr überreden könnten. Mit ihrem ebenso rührenden wie vergeblichen Werben haben sich die Bayern den Trainermarkt am Ende noch kleiner gemacht, als er ohnehin schon war, nach Heynckes' end-end-endgültiger Absage war zum Beispiel auch der Kandidat Thomas Tuchel schon vergeben; er hatte es gewagt, nicht auf den FC Bayern zu warten und in der Zwischenzeit bei Paris St. Germain zugesagt.

So darf Kovac nun als durchaus schlüssige Kompromisslösung gelten, sein straffer Pragmatismus könnte ihn ebenso zum Bayern-Coach befähigen wie seine Münchner Prägung unter Ottmar Hitzfeld. Schon in Frankfurt hat Kovac das Hitzfeld'sche Rotationsgesetz versiert angewendet und die Spieler seriös bei Laune gehalten.

Dass die Münchner ihren neuen Trainer früh zum erweiterten Kandidatenkreis gezählt haben, zeigt eine Episode, die etwa ein Jahr alt ist. Vor einem Jahr haben die Münchner ja längst gespürt, dass das nicht mehr allzu lange gut gehen könnte mit diesem superlaxen Carlo Ancelotti, also haben sie in Kovacs Umfeld einen kleinen Hinweis platziert. Wenn der Trainer seinen Vertrag in Frankfurt verlängere, ließen die Münchner ausrichten, solle er doch bitte an eine Ausstiegsklausel denken.

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