FC Bayern Die Münchner Wunden sollen heilen

  • Der FC Bayern trifft in der Bundesliga auf Mainz und will in diesem Spiel die Champions League vergessen.
  • Doch für Trainer Kovac stehen erneut Veränderungen im Team an - David Alaba und Javi Martínez sind angeschlagen.
Von Jonas Beckenkamp

Ein wenig ungewohnt ist das für den FC Bayern schon: Der Frühling hält Einzug in München und die Champions League ist weit weg. Fünf Tage hatten die Bayern Zeit, das Scheitern gegen Liverpool zu verarbeiten und sich darauf zu besinnen, dass es mit Europa erst einmal vorbei ist. Aber zum Glück gibt es ja noch die Saison daheim in Deutschland. Bundesliga und Pokal lauten die Zielvorgaben nun, das Double also - sollte es damit klappen, wäre das Abschneiden am Ende ja gar nicht so schlecht.

Trainer Niko Kovac jedenfalls könnte bei aller Enttäuschung zuletzt so seine Premierensaison beim FC Bayern noch erfolgreich gestalten. Kein Wunder also, dass er direkt nach seiner bislang bittersten Niederlage höchste Konzentration auf die nationalen Titel-Optionen einforderte. "Wir haben zwei große Ziele", sagte Kovac vor diesem 26. Spieltag der Bundesliga. "Wir sind in beiden Wettbewerben voll dabei." Im Pokal trifft seine Elf bekanntlich im Viertelfinale auf Heidenheim, der Weg ins Finale scheint nicht allzu schwierig zu sein. Liga und Pokal, das sind jetzt fast schon Pflichtaufgaben für die Bayern. Doch wenn man ehrlich ist, hatte es in dieser Spielzeit lange nicht so ausgesehen, als könne es mit dem Double überhaupt klappen.

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Noch neun Runden stehen im offenen Titelkampf mit dem BVB an, der sich nach seiner Schwächephase ein wenig gefangen zu haben scheint. Das Dortmunder 3:2 in Berlin war zwar ein Werk der letzten Minuten, aber den Druck auf die Bayern hat es in jedem Fall erhöht. Verlieren wäre im Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 am Sonntag (18.00 Uhr/Liveticker SZ.de) eine ganz schlechte Idee. Ein Erfolg und nichts anderes muss her, damit die Tabellenführung wieder an die Bayern geht. Fürs Gefühl, das Wissen um die eigene Stärke, die Heilung der Wunden nach Liverpool.

"Wir wollen in die Länderspielpause mit einem Sieg", erklärte Kovac im Pressegespräch an der Säbener Straße. Er hatte es sich unter der Woche zur Aufgabe gemacht, seinem Team die Negativ-Erfahrung aus der Champions League aus den Köpfen zu reden. Die Mannschaft hat es ja nun selbst in der Hand, sich freizuspielen. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir das so schnell wie möglich wieder gutmachen wollen", äußerte Mats Hummels.

Ähnliche Vorgaben waren auch von Kapitän Manuel Neuer zu vernehmen, er befürchtet keine Nachwirkungen des Liverpool-Spiels mehr. Der Nationaltorhüter nannte die Aussicht auf den siebten Meistertitel nacheinander vielmehr eine "Riesenchance". Diese habe man sich mit der erfolgreichen Aufholjagd der vergangenen Wochen hart erkämpft. "Wir stehen wieder vorne. Und das soll so bleiben bis zum letzten Spieltag", sagte Neuer. Seine eigene Position dürfte er trotz seiner missglückten Rauslauf-Einlage gegen Sadio Mané ein wenig gestärkt sehen, denn nach den Worten von Bundestrainer Joachim Löw ist er weiter die Nummer eins im Nationalteam. So ganz sicher konnte er sich dessen zuletzt ja nicht mehr sein - sein Rivale Marc-André ter Stegen ist nun ein echter Herausforderer.

Neuer dürfte umso motivierter sein, schließlich kommt es in der Endphase der Saison auch auf ihn als Rückhalt an. Eine "Lebensversicherung" nannte ihn Kovac zuletzt, als solche könnte er auch im Heimspiel gegen Mainz gefragt sein. Heimspiele gegen den FSV sind für die Bayern nicht immer so leicht, zuletzt gab es 2017 ein 2:2 und 2016 gar ein 1:2. Um solche Dellen im Selbstwertgefühl zu vermeiden, brauchen die Münchner ihr bestes Personal. Sie bräuchten aufgrund fehlender Alternativen auf der linken Seite zum Beispiel David Alaba, doch der könnte wegen der Folgen einer Sehnenreizung ausfallen.

Auch bei Javi Martínez gibt es Probleme: Der Spanier prallte Berichten zufolge am Samstag mit Hummels zusammen und konnte das Training nicht beenden. Für Kovac könnten also erneut Umbauten anstehen, Leon Goretzka wäre eine Option. Der Bayern-Coach sieht die Mainzer als "eine sehr unbequeme Mannschaft", vehemente Gegenwehr inklusive. 05-Trainer Sandro Schwarz bestätigte diese Einschätzung, schließlich muss sich seine Elf nach zuletzt zwei Pleiten ein wenig aus dem Tief arbeiten. "Wir werden alles rausfeuern, was wir auf dem Schläger haben. Wir fühlen uns gerüstet", sagte Schwarz.

Angeschlagene Münchner erwartet er nach dem Liverpool-Desaster trotzdem nicht: "Wir dürfen Bayern nicht nach dem Champions-League-Aus bewerten. Die haben in der Bundesliga zuletzt alles gewonnen und den Rückstand auf Dortmund aufgeholt." 5:1 in Gladbach und 6:0 gegen Wolfsburg lauteten die letzten Bayern-Resultate im Liga-Alltag. Mit weiteren solchen Ergebnissen lässt sich vielleicht irgendwann auch Liverpool vergessen.

(mit Material von dpa)

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