bedeckt München

Fifa und die Klub-WM:Der FC Bayern muss wohl im Februar nach Katar

Club World Cup - Final - Liverpool v Flamengo

Fifa-Präsident Gianni Infantino mit Sheikh Joaan bin Hamad Al Thani (rechts) bei der letzten Vergabe des Weltpokals.

(Foto: Ibraheem Al Omari/Reuters)

Ein mediokres Turnier mitten in der Bundesliga-Saison, ein Urteil in der Schweiz: Im Fifa-Kosmos hat wieder vieles mit vielem zu tun - auch die Bayern sind betroffen von den Rochaden.

Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Beim FC Bayern ist es Tradition, ein paar Januartage in Katar zu verbringen. Seit einem Jahrzehnt reist der Rekordmeister dorthin ins Trainingslager. Diesmal wird das anders sein, die Bundesliga geht nach kurzer Weihnachtspause schon am 2. Januar weiter. Vermutlich fliegen die Münchner aber bald darauf doch nach Katar: zur Klub-WM des Weltverbandes Fifa, bei der alle kontinentalen Champions-League-Sieger aufeinandertreffen.

Ja, auch in der vollgepackten Corona-Saison soll es das Turnier mit dem sportlich geringen Wert geben. Der übliche Dezember-Termin funktioniert nicht, einige Erdteilverbände haben ihren Champion bis dahin noch nicht ermittelt. Nun herrscht große Aufregung um eine Alternative. Die Fifa sagt, dass noch nichts fix sei, sie observiere die Lage und rede mit ihren Stakeholdern. Aber es läuft wohl auf einen Termin im Februar hinaus, also während der Bundesliga-Saison.

Eine Absage wird es kaum geben - und Ausrichter bleibt Katar. Alles gut mal wieder für das Emirat, den Gastgeber der WM 2022. Die Fifa und Katar verbindet derzeit ein inniges Verhältnis. Der Weltverband agiert so, als dürfe Katar unter keinen Umständen einen Nachteil haben. Das Beharren auf der mediokren Klub-WM ist nur ein Beispiel. Ein anderes sind die Umstände eines Fifa-Prozesses der Schweizer Justiz, der soeben zu Ende ging - und der erneut durch ein seltsames Manöver des Weltverbandes beeinflusst wurde.

Am Freitagnachmittag verkündete das Bundesstrafgericht in Bellinzona zwei Freisprüche: für den früheren Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke und Katars Topfunktionär Nasser Al-Khelaifi, Chef von Qatar Sports Investments (QSI), Präsident von Paris Saint-Germain und Mitglied im Vorstand von Europas Fußball-Union Uefa. Das Gericht sprach Valcke zwar wegen Urkundenfälschung schuldig, aber nicht in den Hauptvorwürfen, in denen es um Geschäftsuntreue und Bestechlichkeit gegangen war. Al-Khelaifi, angeklagt der Anstiftung zur Geschäftsuntreue, wurde komplett freigesprochen.

Im Kern war es in diesem Verfahren um ein angebliches Gemauschel bei der Vergabe von TV-Rechten für die WM-Turniere 2026 und 2030 gegangen. Im Gegenzug für Valckes Unterstützung beim Erhalt dieses Rechtepakets soll Al-Khelaifi dem damaligen Fifa-Generalsekretär das alleinige Nutzungsrecht für eine Luxusvilla auf Sardinien verschafft haben - mit einem geschätzten Gegenwert von bis zu 1,8 Millionen Euro. Beide Beteiligten hatten die Vorwürfe stets bestritten.

Für die Anklagebehörde, die Bundesanwaltschaft (BA), ist das die nächste Schlappe im Kontext ihrer zähen Fußball-Ermittlungen, die sie seit 2015 führt - und die bereits einen nationalen Justizskandal ausgelöst haben. Erst torpedierten ihr langjähriger Behördenchef Michael Lauber sowie Fifa-Boss Gianni Infantino den Gesamtprozess, indem sie sich mindestens drei Mal heimlich trafen und der Inhalt der Gespräche nie protokolliert wurde. Später versandete das Verfahren gegen Franz Beckenbauer und andere frühere Funktionäre zu den ungeklärten Millionenzahlungen rund um die Fußball-WM 2006 in Deutschland. Und nun endete also die erste Anklage gegen Fußball-Prominenz mit einem Freispruch.

"Nach einem unerbittlichen Feldzug gegen mich, bei dem die grundlegenden Fakten und das Gesetz auf Schritt und Tritt ignoriert wurden, habe ich endlich meinen Namen vollständig reingewaschen. Das heutige Urteil ist ein echter Sieg", sagte Al-Khelaifi in einer Erklärung.

Für Fifa-Boss Infantino dürfte das kaum zutreffen. Denn in dem Verfahren gab es auf Betreiben der Fifa eine absurde Volte, in letzter Minute vor der Anklageerhebung, die dem Prozess die Substanz entzog - und die nun ein Fall für den seit September gegen Lauber und Infantino ermittelnden Sonderstaatsanwalt Stephan Keller werden dürfte. Anfangs, im Dezember 2016, hatte die Fifa selbst bei der BA eine Klage gegen Valcke und Al-Khelaifi wegen Bestechung eingereicht. Das musste sie damals so halten, um bei der eifrig ermittelnden US-Justiz als aufklärungswillig zu gelten und nicht als Täter eingestuft zu werden. Doch Anfang 2020, kurz vor Vollendung der Anklageschrift durch die BA, zog die Fifa ihre Klage plötzlich zurück. Es habe eine "gütliche Einigung" gegeben.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite