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Jürgen Klinsmann in Berlin:Das Kapital von Windhorst zeigt inzwischen Wirkung

Bei Hertha BSC ändert sich gerade eine ganze Menge, nicht nur dadurch, dass jetzt ein ehemaliger Bundestrainer die Elf beaufsichtigt und dass sich der Pressekonferenzraum nun allein schon mit der Präsenz Klinsmanns füllt. Am Freitag wurde Preetz, der bislang immer so etwas wie die letzte Instanz bei der Hertha war, kaum gefragt, und das hatte nicht nur damit zu tun, dass bei Klinsmann der Neuigkeitsfaktor größer ist. Vor allem das Kapital des Finanzunternehmers Windhorst zeigt inzwischen Wirkung. Alteingesessene Herthaner mögen geglaubt haben, man könne mehr oder weniger weitermachen wie bisher, nur eben mit viel mehr Geld. Doch das geht schon deswegen nicht, weil Windhorst die Hälfte des Ladens gehört - und der Handlungsbedarf aufgrund der sportlichen Krise nicht mehr zu übersehen ist.

Windhorst ist nun logischerweise ein Akteur im Klub, bei seiner ersten Pressekonferenz nannte Klinsmann seinen Namen gleich 15 Mal. Und das nicht, um beispielsweise zu betonen, dass er selbst unter anderem dazu da sei, dem im Fußballgeschäft unerfahrenen Unternehmer einen millionenschweren Irrtum wie José Mourinho zu ersparen. Menschen, die mit ihrem Geld in den Fußball drängen, stellen sich ja oft vor, sie könnten Erfolg mit großen Namen herbeikaufen. Das stimmt aber nur dann, wenn es die richtigen Leute sind - Mourinho (inzwischen für aberwitzig viel Geld bei Tottenham Hotspur untergekommen) wäre es nicht gewesen, abgesehen davon, dass er mutmaßlich niemals zu Hertha BSC gewechselt wäre.

Aber Investoren denken halt traditionell groß.

Bei der Wahl des nächsten Trainers soll Klinsmann mitentscheiden, das gehört zu seinen Pflichten, allerdings wird das nun schwieriger, weil er jetzt selber wieder als Trainer firmiert, was nicht der ursprünglichen Absicht entspricht. Dem Verein verschaffe er durch sein Einspringen Zeit, um den Markt zu sondieren und einen tauglichen Nachfolger auszusuchen, hat Klinsmann gesagt. Länger als bis zum Saisonende möchte er den Job nicht machen.

Die Wunschvorstellung der Hertha-Fangemeinde, wonach der gebürtige Berliner und ehemalige Hertha-Profi Niko Kovac im Sommer übernimmt, dürfte aber genau das bleiben: eine Wunschvorstellung. Derzeit schließt Kovac ein Engagement in Berlin nach SZ-Informationen aus. Er tendiert zu einer Beschäftigung im Ausland. Wer dann kommen könnte? Gute Frage. Sicher ist nur: Wer Klinsmann kennt, der weiß, dass nun auch Optionen durchdacht werden müssen, über die bislang nicht mal fantasiert worden wäre. Und die allein schon durch Klinsmann einen Startbonus erhalten - wie Nouri, der an seinen Vorgängerstationen Bremen und Ingolstadt nicht mehr sonderlich wohlgelitten war.

Diese Zukunft schiebt Klinsmann aber noch sehr weit weg. "Wir brauchen Punkte. Egal wie", sagte er am Freitag; Fragen der Ästhetik sind bis auf Weiteres hintangestellt. Sekundärtugenden seien im Spiel gegen Dortmund gefragt. Die Neugierde bei den Berlinern jedenfalls ist groß. Am Samstag wird das Stadion, anders als in der Vorsaison gegen den BVB, ausverkauft sein; das Ergebnis wird wohl die Stimmung der nächsten Wochen prägen. "Viel hängt davon ab, wie es gegen Dortmund läuft", und: "Wir müssen uns über viel Engagement, Energie, Laufbereitschaft und Kampfbereitschaft Selbstvertrauen holen", sagt Jürgen Klinsmann. Und klingt wie ein Trainer.

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