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Kai Havertz:Für Havertz lohnt es sich, ins Stadion zu pilgern

17 08 2019 xjhx Fussball 1 Bundesliga Bayer 04 Leverkusen SC Paderborn 07 emspor v l Kai Hav

Eleganz statt Brachialgewalt: Kai Havertz zeigt bei seinem Treffer zum 2:1 für Leverkusen sein Ballgefühl. Rechts Paderborns Keeper Jannik Huth.

(Foto: Jan Huebner/imago)
  • Kai Havertz zeigt zum Saisonauftakt, dass er ein ganz besonderer Bundesligaspieler ist.
  • Es gilt als ausgemacht, dass er den Verein im Sommer 2020 verlässt - und dann vermutlich nach München geht.
  • Offensiv sorgt die gesamte Leverkusener Mannschaft für atemberaubende Momente.

Kai Havertz trug grellgelbe Fußballschuhe, die zu fluoreszieren schienen, als es dunkler wurde; als ob man ihn hätte übersehen können. Der 20-Jährige war in der vergangenen Rückrunde an der Seite von Julian Brandt die überragende Kraft bei Bayer Leverkusen. Und zum Start dieser Saison, beim 3:2 (2:2) gegen Paderborn, machte er einfach so weiter, selbst wenn Brandt im Frühsommer nach Dortmund weitergezogen ist.

Es ist eine ausgemachte Sache, dass auch Havertz den Verein verlassen wird, nach Absprache mit Klub-Legende Rudi Völler erst nach dem Ende dieser Saison, sehr wahrscheinlich Richtung München, vermutlich für eine Ablösesumme (anderes Wort für Schmerzensgeld) im neunstelligen Euro-Bereich. Vor dem Komma. Das klingt nach typisch überhitztem Transfermarktirrsinn, ist in diesem Fall aber echt angemessen.

Man muss Havertz im Stadion gesehen habe, um zu ermessen, warum er so gut ist. Im Fernsehen und in den Statistiken werden Tore und Vorlagen gezeigt bzw. aufgeführt, so wie Havertz' fantastisch gelupftes 2:1 gegen Paderborn oder der öffnende Pass, der das Siegtor zum 3:2 ermöglichte. Aber was nicht auftaucht, sind die kleinen Dinge, die unbedingt Teil seines Talentes sind: der feine Fuß, die Tempoverlagerungen, das Auge, die Präzision, die langen Wege, die Abwesenheit von Eitelkeit, die Selbstverständlichkeit, mit der er Abwehraufgaben übernimmt.

Mit Spielern wie Havertz ist Hochrisiko-Fußball möglich

Gegen Paderborn klärte er mehrfach per Kopf nach Ecken des Gegners. Und war meistens sogleich wieder der Motor der Spektakelmaschine, die Bayer 04 seit der vergangenen Winterpause unter der Führung von Peter Bosz ist.

Nur mit Spielern wie Havertz kann der Trainer seinen Hochrisiko-Fußball versuchen, alles andere wäre Harakiri. Obwohl, es sieht schon jetzt oft nach Harakiri aus, was Leverkusen praktiziert. Der niederländische Übungsleiter kennt nur einen Weg: den nach vorne. Diese Kompromisslosigkeit sorgt dafür, dass es keine Geheimnisse um Leverkusens Ausrichtung gibt, dafür aber viele gute Ideen von offensiv ausgerichteten Spielern. Gegen Paderborn wirbelten vorne Havertz, Bailey, Volland und Demirbay, aber auch nominelle Defensivakteure, später stieß Bellarabi noch hinzu.

Offensiv sorgt die Werkself für atemberaubende Momente; in der Defensive auch, und das war alles andere als abgesprochen. Vor allem vor der Pause kam Bayer mit dem giftigen Ballabluchsfußball der Gäste und pfeilschnellen Unbekannten wie Antwi-Adjei, Michel, Mamba, Pröger und Vasiliadis gerade auch bei Umschaltmomenten nicht zurecht. "Das war ein offener Schlagabtausch - und damit genau das, was wir nicht wollten", klagte Bosz, der mitansehen musste, wie Jonathan Tah zweimal stehen gelassen wurde und Julian Baumgartlinger ein Gegentor einleitete.