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Internationaler Fußball:Spanische Liga will Fan-Handys zur Spionage nutzen

FC Barcelona v Paris Saint-Germain - UEFA Champions League

Abhörgerät in der Hand: ein weiblicher Barça-Fan mit Smartphone

(Foto: Getty Images)
  • Die spanische Fußball-Liga LPF will Mobiltelefone von Fans nutzen, um Gaststätten aufzuspüren, die ohne Lizenz Fußballspiele ausstrahlen.
  • In den sozialen Netzwerken tritt der Vorfall heftige Debatten los.

Spaniens Fußball-Liga LFP wird von einer Datenschutzaffäre erschüttert. Wie die Online-Zeitung eldiario.es berichtet, will die LFP die Mobiltelefone von Fans nutzen, um Gaststätten aufzuspüren, die ohne die entsprechende Lizenz Fußballspiele der spanischen Liga ausstrahlen. Wenn sich ein Nutzer die "App" des Ligaverbandes aufs Handy lädt, soll er auch einwilligen, dass das Mikrofon seines Handys von der LFP ferngesteuert aktiviert wird. Zudem kann die LFP die Standortbestimmungsdaten des Handys auswerten - und so das betreffende Etablissement lokalisieren. Die Fans werden also zu Kneipen-Blockwarten. Konkrete Fälle, dass Mobiltelefone bereits zum Auskundschaften genutzt worden sind, sind noch nicht bekannt.

Ins Rollen brachte die Affäre ein spanischer Nutzer, der sich an die auf Datenschutz spezialisierte Anwältin Esther Botella wandte - und damit in den sozialen Netzwerken eine heftige Debatte lostrat. In einer Stellungnahme erklärte die LFP, dass die widerrechtliche Ausstrahlung von Fußballspielen durch gastronomische Betriebe die LFP jährlich etwa 150 Millionen Euro an Lizenzgebühren koste. Inhaber von Gaststätten zahlen für Pay-TV-Angebote üblicherweise einen merklich höheren Tarif als Privatkunden. Daher gibt es tatsächlich Fälle, in denen Wirte ihre "privaten" Decoder an einen Fernseher in der Kneipe anschließen. Die LFP ist der Zusammenschluss der spanischen Profiklubs.

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Unklar ist, seit wann die LFP die Nutzung der Handy-Mikrofone in den Geschäftsbedingungen verankert hat. Die Offenlegung steht nach Angaben von eldiario.es im Zusammenhang mit der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union. Sie zwingt unter anderem Unternehmen dazu, offenzulegen, in welcher Weise sie die personenbezogenen Daten nutzen, die ihnen ihre Kunden übermitteln. Sie ist seit dem 25. Mai geltendes Recht in der Europäischen Union. Die LFP fordert erst seit Neuestem seine App-Nutzer dazu auf, das Mikro freizugeben - unter dem Rubrum "Schütze Deine Mannschaft!".

Unter datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten "höchst bedenklich"

Der grüne Europaparlamentarier Jan-Philipp Albrecht zeigte sich von dem Fall erstaunt. Es sei "nicht offen ersichtlich", dass der Dienst, den Spaniens Fußball-Liga anbiete, nur mit Nutzung der Mikrofone und der Standortbestimmung funktioniere, sagte Albrecht der Süddeutschen Zeitung. Dass die Einwilligung durch die Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen quasi verdeckt erfolge, hält Albrecht unter datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten für "höchst bedenklich". Es klinge wie "Spionage, für die es keine Rechtsgrundlage gibt und damit illegal wäre". Eine Kneipe sei "kein öffentlicher, sondern ein privater Raum". Wenn ein Nutzer der Nutzung seines Mikrofons zustimme, heiße das beispielsweise noch lange nicht, dass andere Gaststättenbesucher mit der Übertragung solcher Daten einverstanden seien.

Die LFP argumentiert freilich, dass über die Mikrofone keine Gespräche aufgezeichnet oder ausgewertet werden. Es werde lediglich ein akustischer Binärcode übertragen. Das ermögliche, den Kommentar des Fußballspiels zu identifizieren. "Ob das technisch so einfach zu handhaben ist, möchte ich erst mal sehen", sagt Albrecht dazu. Eine Aktivierung der Mikrofone erfolge ausschließlich, wenn Spiele übertragen werden - und lediglich in Spanien. Albrecht sagte, er erwarte, dass die spanische Aufsichtsbehörde für Datenschutz AEPD sich den Fall genauer anschaue. Sollte es zu Verstößen gekommen sein, droht der LFP schlimmstenfalls ein Bußgeld in Höhe von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes. In der Saison 2016/17 belief sich der LFP-Umsatz nach Angaben der Unternehmensberatung Deloitte auf knapp 2,4 Milliarden Euro. Eine mögliche Strafe könnte sich also auf knapp 100 Millionen Euro belaufen.

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