Fußball:Das operative Geschäft besetzte er mit Marionetten

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Und Infantino? Er war 2016 als Retter angetreten. Er versprach "Transparenz", "Offenheit", "Anstand". Aber natürlich war auch Infantino clever genug, den Delegierten zusätzlich jene Werte zu versprechen, die ihnen ihre Wahlentscheidung traditionell erleichtern: Sach- und Geldwerte. Jeder der 211 Fifa-Mitgliedsverbände sollte fünfmal so viel Zuschüsse kriegen wie unter Blatter.

Kaum im Amt, entmachtete Infantino dann die Ethikkommission, die Blatter zu Fall gebracht hatte. Das operative Hauptamt besetzte er mit seinen Marionetten. Er hat die Fifa komplett auf sich zugeschnitten. Der im Geheimen eingefädelte Milliardendeal stellt allerdings alles andere in den Schatten.

Staatliche Ermittler müssen sich nun einmischen

Infantino ist für das Amt des Weltfußballpräsidenten charakterlich so ungeeignet wie kein Präsident vor ihm. Und das will etwas heißen. Es ist jetzt eine Frage der Notwehr, dass der Fußball ihn loswird. 37 Leute bilden den mächtigen Fifa-Vorstand - ihr Revolutionspotenzial ist jetzt gefragt. Und formal gibt es auch weiterhin Compliance- und Ethik-Beauftragte. Alles Leute, denen natürlich klar ist, dass sie die Aufwandsentschädigungen mit den vielen Nullen am Ende nicht deshalb bekommen, um das Monster zu zähmen. Die aber handeln müssen, weil der Fußball insgesamt Schaden zu nehmen droht.

Und nicht zuletzt müssten die Pläne auch staatliche Ermittler auf den Plan rufen. Wenn ein Fifa-Präsident, der gar nicht operativ tätig werden darf, geheime Deals anbahnt, dann steht auch der Vorwurf der Untreue im Raum. Die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) hat Erfahrung mit solchen Figuren, sie führt diverse Verfahren zum Thema Fußballkorruption. Allerdings wurde gerade erst der zuständige Chefermittler suspendiert. Und ein Oberstaatsanwalt aus dem Wallis, Infantinos Heimat, steht unter Druck, weil er teure VIP-Tickets angenommen hat. Das Fußballmonster, es hat offenbar viele Köpfe und viele Arme.

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