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Fifa:Nicht nur die machtpolitischen Vorgänge werfen Fragen auf

Aber nicht nur die machtpolitischen Vorgänge werfen Fragen auf, sondern einmal mehr auch ein Vorgang aus Infantinos Uefa-Zeit. Der Schweizer war seit 2004 der Direktor für Rechtsfragen; unter dem in den Fokus diverser Staatsanwaltschaften geratenen Ex-Präsidenten Michel Platini stieg er erst zum stellvertretenden Generalsekretär, 2009 dann zum Generalsekretär auf. Nach SZ-Informationen überwies die Uefa in dieser Zeit sämtliche Gelder, die für den ukrainischen Fußballverband (FFU) bestimmt waren, nicht etwa auf ein Konto dieses Verbandes im Heimatland, wie das bei anderen Verbänden üblich ist. Im Fall der Ukraine floss das Geld an eine Firma namens "Newport Management Ltd", die auf den Britischen Jungferninseln verortet wird. Die Uefa bestätigt das auf Anfrage. Von 1999 bis 2016 seien die für die FFU und ihre angegliederten Klubs bestimmten Gelder auf ein Newport-Konto geflossen. Nach SZ-Informationen soll es sich insgesamt um einen mittleren dreistelligen Millionen-Betrag gehandelt haben.

Es war eine kuriose Konstellation, die da in Europas Fußball unter Infantinos Ägide existierte. Erst als die Uefa Ende 2016 eine Prüfung durchführte - Infantino war mittlerweile Fifa-Boss und Aleksander Ceferin soeben neuer Uefa-Präsident geworden - fand sie nach eigenen Angaben heraus, dass das Konto zugleich von der FFU und vom ukrainischen Spitzenklub Dinamo Kiew genutzt worden sei. Ein pikanter Vorgang, denn über all die Jahre wurden Verband und Klub von den selben affärenumwitterten Personen dominiert: den Brüdern Grigorij und Igor Surkis. Wie wurde da in der Verwendung auseinandergehalten, für wen oder was das Geld bestimmt war? Die Uefa-Ethiker kamen zwar zum Schluss, dass es keinen Verstoß gegen die Richtlinien gab - gestoppt wurde der seltsame Geldfluss gleichwohl, weil ihn die neue Führung "unangemessen" fand.

FILE PHOTO: FIFA President Gianni Infantino and FIFA Secretary General Fatma Samba Diouf Samoura arrive for a meeting at the Elysee Palace in Paris

Haben was zu verbergen: Gianni Infantino und Fatma Samoura.

(Foto: Philippe Wojazer/Reuters)

Das Verhältnis zwischen Infantino und der BA irritiert längst

Die FFU reagiert auf eine Anfrage nicht. Bleibt die Kernfrage, wieso die Uefa diesen seltsamen Geldfluss über ein offenkundiges Offshore-Konto jahrelang mitmachte - zumal der ukrainische Fußball, Dinamo sowie Spitzenmann Surkis schon länger im Zwielicht standen. Davon zeugen eine Schiedsrichterbestechung bei Dinamo in den Neunzigerjahren und Vorwürfe eines zypriotischen Funktionärs rund um die Vergabe der EM 2012 nach Polen/Ukraine, denen die Uefa unter Platini und Infantino nie ernsthaft nachging.

Auf Anfrage, warum Infantino die Geldflüsse so in Ordnung fand, teilt die Fifa mit, dass die Uefa eine Untersuchung durchgeführt habe und es keine Beweise für Fehlverhalten gebe. Die Uefa bestätigt zwar die Untersuchung, sagt aber, sie habe die Rolle der damaligen Verbandsführung nicht geprüft. Dabei ist es nicht das erste Mal, dass Infantinos Tätigkeiten in seiner Uefa-Zeit irritieren. Im April 2016 enthüllte die SZ, dass er 2006/7 umstrittene Rechteverträge signiert hatte, die der vom FBI gejagten Rechtehändler-Familie Jinkis einen Reibach von etwa 300 000 Dollar ermöglichten. Danach eröffnete die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) ein Strafverfahren wegen des Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung - aber nicht gegen Infantino direkt, der immerhin Unterzeichner war, sondern gegen Unbekannt. Im November 2017 stellte sie das Verfahren ein.

Nur irritiert das Verhältnis zwischen Infantino und der BA mit Behördenleiter Michael Lauber längst - weil es kurz nach Infantinos Wahl an die Fifa-Spitze im Februar 2016, aber auch parallel zu den Ermittlungen um den von Infantino unterzeichneten TV-Vertrag drei diskrete, nicht protokollierte Treffen gab. Diese Woche setzte es einen weiteren Wirkungstreffer: Das zuständige Strafgericht befand wegen dieser Treffen, dass Lauber im Fifa-Komplex befangen sei und die Ermittlungen nicht weiterführen kann. Auch vor diesem Hintergrund bleibt die Frage, wie die Strafbehörden auf den seltsamen Fluss der ukrainischen Uefa-Gelder reagieren.

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