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Ilkay Gündogan:Ein Xavi für Deutschland

Manchester City FC v VfL Borussia Moenchengladbach - UEFA Champions League

"Gündogan or nothing" hat Pep Guardiola zwar nicht gesagt. Aber er wollte den Dortmunder unbedingt haben.

(Foto: Richard Heathcote/Getty Images)

Ilkay Gündogan ist ein Weltstar im Konjunktiv. Nun kehrt er nach langer Zeit fit ins Nationalteam zurück. In Manchester ist er bereits Pep Guardiolas Lieblingsspieler.

So ein Weltuntergang kann eine praktische Sache sein, jedenfalls für die, die nicht untergehen. Als die Sintflut kürzlich über Manchester hernieder ging, riss sie unter anderem das Champions-League-Spiel gegen Mönchengladbach mit sich fort, aber am nächsten Morgen hatte es sich die Apokalypse zum allgemeinen Erstaunen anders überlegt. Obwohl es sich nachweislich um England handelte, regnete es nicht mehr, aber es wäre wohl zu kitschig, wenn man behaupten würde, dass für Ilkay Gündogan am Morgen danach sogar die Sonne schien. Andererseits: Wenn's doch stimmt . . .

Am Morgen nach der Sintflut erfuhr Ilkay Gündogan, dass er beim Nachholtermin am Abend in der Startelf von Manchester City stehen würde. Der Spanier David Silva, der vor der Sintflut für erste Elf eingeplant war, hatte sich im Training kurzfristig verletzt, und Trainer Pep Guardiola beschloss, dass er es wagen würde. Ja, er würde Gündogan bringen, einen neuen, knapp 30 Millionen Euro teuren Spieler, der eine schwere Knieverletzung mit nach Manchester gebracht und viereinhalb Monate pausiert hatte.

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Gündogan spielte 81 Minuten lang, sogar gut, und aus Gründen der Menschlichkeit sollte man verhindern, dass der FC-Bayern-Profi Thiago die Bilder dieses Abends zu Gesicht bekommt. Was soll der Arme denken, wenn er die Bilder der Auswechslung in der 81. Minute sieht? Wenn er sieht, wie Guardiola und Gündogan sich abklatschen und in die Augen sehen, wie das nur ein Trainer und sein Lieblingsspieler tun können? "Thiago oder nix" - Peps Forderung aus FC-Bayern-Zeiten trug eine romantische Radikalität in sich, aber wenn nicht alles täuscht, hat Thiago inzwischen einen handfesten Grund zur Eifersucht. Der Grund heißt Ilkay Gündogan.

Gündogan or nothing? Das hat Pep Guardiola nicht gesagt, als er bei Manchester City anfing. Wobei: Weiß man's?

Es gibt ein Zitat, das Guardiola zugeschrieben wird, er hat es nicht öffentlich gesagt, aber unterschiedliche Begleiter sind recht sicher, es gehört zu haben. Er kenne ein Mittelfeld-Duo, das einmal ähnlich spielprägend werden könne wie das große Barca-Duo Xavi/Iniesta, soll Pep gesagt und dabei an Gündogan (= Xavi) und Thiago (= Iniesta) gedacht haben.

Gesichert ist, dass Guardiola es versucht hat. In seiner Münchner Zeit hat er seine Vorliebe für den Spieler Gündogan offenbar klar hinterlegt, aber beim FC Bayern habe es über den Spieler "unterschiedliche Auffassungen" gegeben, heißt es. Gündogan wurde nie ein Münchner. Pep-Spieler ist er jetzt trotzdem.