Hopp zu Lautsprecher-Attacke auf Fans "Man fühlt sich total ohnmächtig"

Dietmar Hopp, Mäzen der TSG Hoffenheim, klagt über die scharfen Beleidigungen der Fans und nimmt den Mitarbeiter in Schutz, der per Lautsprecher die Dortmunder Anhänger beschallt hat. Die Fans zweifeln die Einzeltäter-Version aber stark an.

Die skurrile Lautsprecher-Aktion im Hoffenheimer Stadion gegen die Dortmunder Fans hat die internationale Presse erreicht. CNN International berichtet auf seiner Internetseite, dass ein Mitarbeiter der TSG 1899 während der Partie am Samstag die Fankurve beschallt hat, "to stop Borussia Dortmund fans singing offensive songs". Beleidigende Lieder also, gegen Dietmar Hopp, den Mäzen des Hoffenheimer Klubs.

Dietmar Hopp kommt vielleicht bald weniger häufig zu den Heimspielen der TSG Hoffenheim ins Stadion. 

(Foto: dpa)

CNN gibt damit korrekt den aktuellen Stand der Dinge wider. Die Fans allerdings zweifeln die Einzeltäter-Geschichte inzwischen schwer an. Borussen.tv spricht über das "Ammenmärchen vom Hausmeister" und verweist darauf, dass Thilo Danielsmeyer vom Dortmunder Fanprojekt sich im Stadion die Anlage von Ordnern hatte zeigen lassen, auch die Polizeibeamten hätten von der Anlage gewusst. Sollte sich dies am Ende als Tatsache herausstellen, droht ein bislang eher kabarettartiger Vorfall zu einer Geschichte zu werden, in der sich vereinseigene Ordner und die Polizei zusammengetan haben, um einen angesehenen Mann und Geldgeber der Region vor unflätigen Beschimpfungen zu beschützen.

Bis Mittwochmittag sind bei der Polizei elf sogenannte "Anzeigenmeldungen" per E-Mail eingegangen, sagte Norbert Schätzle, Pressesprecher der Polizei Heidelberg, der Agentur dapd. Ob sich aus diesen Meldungen auch Strafanzeigen wegen Körperverletzung ergeben, werde von den Beamten "so zügig wie möglich geprüft". Schätzle kündigte an, dass die Polizei mit allen E-Mail-Schreibern Kontakt aufnehmen und sich mit ihnen "unterhalten" werde.

Der aus Pforzheim stammende Besucher des Spiels, der am Montag als Erster wegen einer angeblichen Gehörschädigung Anzeige erstattet hatte, sei primärer Ansprechpartner. Auch die Heidelberger Staatsanwaltschaft sieht keinen Grund für ein Eilverfahren. "Wir werden in aller Ruhe prüfen, ob hier Körperverletzung tatbestandsmäßig ist", sagte die Sprecherin.

Derzeit prüft ein Gutachter, ob das Beschallungs-Gerät überhaupt eine Körperverletzung verursachen könne. Sollte tatsächlich ein Lärm von 125 bis 130 Dezibel auf die direkt über dem Fluchtweg positionierten Fans ausgestrahlt worden sein, könne das auch "bei kurzer Expositionsdauer von wenigen Minuten schon Hörschäden verursachen", sagte Anselm Goertz, Professor mit Fachgebiet Audiokommunikation an der Technischen Universität Berlin der dapd. Goertz erklärte, dass der Lärmpegel in einem Betonschacht wie im Stadion nicht so schnell abfalle wie auf freiem Feld. "Der relativ kleine Lautsprecher erreicht unter günstigen Umständen 130 dB in einem Meter Entfernung", teilte Goertz mit.

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