Hollands Sieg im Elfmeterschießen:In wenigen Augenblicken so viel bewegt

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Durchpusten: Tim Krul

(Foto: AFP)

Es kursierte gleich nach dem letzten Strafstoß der Beiname "Elfmeterkiller" für Tim Krul. Zumindest bei seinem Klub Newcastle United hatte er das bislang nicht gezeigt, laut des Statistik-Anbieters Opta hatte er von den 20 vergangenen Strafstößen in der Premier League lediglich zwei gehalten. Im Trainingslager der Elftal musste er demnach einiges gezeigt haben, denn van Gaal erklärte: "Ich dachte, er ist der beste Elfmeterkiller in unserer Mannschaft. Jasper Cillessen kann das auch gut, aber hier ist Krul besser."

Während die Niederländer van Persie, Robben, Sneijder und Dirk Kuyt gegen den überragenden Torwart aus Costa Rica, Keylor Navas, allesamt sicher und souverän verwandelten, ahnte Krul bei jedem Schuss die richtige Ecke. Es war der effizienteste Einsatz der bisherigen WM. Keiner hat bislang in so wenigen Augenblicken so viel bewegt. "Das ist nicht normal. Auf der Bank war es ganz schlimm, mit ansehen zu müssen, wie wir Chance um Chance vergeben haben. Dann halte ich zwei Elfmeter - das ist ein Jugendtraum, der wahr geworden ist", sagte der Torwart.

Die Niederländer verhinderten durch das bizarre Wechselstück ihres Trainers den Heimflug. Sie nehmen das Wissen mit ins Halbfinale, dass sie nun auch Verlängerung und Elfmeterschießen können. Bislang waren sie an diesen Herausforderungen bei einer WM stets gescheitert. Viermal hatte eine Elftal zuvor in der Verlängerung verloren, unter anderem die Endspiele 1978 gegen Argentinien und 2010 gegen Spanien. Einmal schieden die Niederlande im Elfmeterschießen aus, im Halbfinale 1998 gegen Brasilien.

Es war der Abend des großen Dramas und der Gefühle. Schon bei den Interviews auf dem Platz kletterte die Tochter van Persies auf den Arm ihres erschöpften Papas. Auch Arjen Robben saß plötzlich mit Kind auf der Ersatzbank. Außerdem war es der Abend, an dem der strenge Louis van Gaal ein ungewöhnlich euphorisches Lob loswurde: "Es ist die beste Mannschaft, mit der ich jemals zusammengearbeitet habe. Besser als die bei Bayern oder anderen Klubs", sagte er. Er habe das von Beginn an gemerkt.

Jetzt also Argentinien, am Mittwoch in São Paulo. Robben gegen Lionel Messi. Van Gaal gegen Alejandro Sabella. Tim Krul wird dann wieder draußen sitzen. Bleibt abzuwarten, wie er von dort aus den Gegner einschüchtern wird.

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