Hollands Sieg im Elfmeterschießen Van Gaals Coup mit Tim Krul

Gesegelt und gehalten: Tim Krul.

(Foto: Getty Images)

120 Minuten sind gespielt, da wechselt Louis van Gaal den Torhüter - und Tim Krul hält im Elfmeterschießen tatsächlich zwei Schüsse. Nach zähem Spiel besiegt die Niederlande Costa Rica und erreicht das WM-Halbfinale. Krul kann sein Glück kaum fassen.

Von Carsten Eberts

Louis van Gaal hatte sich einen letzten Kniff überlegt. Die 120. Minute war auf der Uhr heruntergetickt, da wechselte der Bondscoach seinen Torwart aus. Jasper Cillessen musste runter, Tim Krul trabte aufs Feld, kurz darauf pfiff der Schiedsrichter ab. Krul hatte nicht einen Ball berührt. Und musste direkt ins Elfmeterschießen.

Krul, 26, hält normalerweise in England seine Bälle, bei Newcastle United, und er hat sich dort den Ruf eines Elfmeterkillers erarbeitet. Van Gaal ist dies nicht verborgen geblieben, also entschied er sich zu diesem wagemutigen Schritt. Es klappt derzeit vieles im Fußballleben des Louis van Gaal - und so überraschte nicht, dass Krul noch eine herausragende Rolle spielen sollte.

Costa Ricas Kapitän Bryan Ruiz lief an, zielte nach unten rechts, Krul tauchte ab, der Ball klatschte an seinen Arm. Später hielt Krul auch noch den Schuss von Michael Umana; weil alle Holländer trafen, gewannen sie das Spiel 4:3 nach Elfmeterschießen.

Fußball-WM Higuaíns Tor, Messis Show
Viertelfinale der Fußball-WM

Higuaíns Tor, Messis Show

Erstmals seit 1990 steht Argentinien in einem WM-Halbfinale: Beim 1:0 gegen schwache Belgier zeigt vor allem Lionel Messi, dass er zurecht in die Runde der letzten Vier gehört. Das entscheidende Tor gelingt Gonzalo Higuaín - Sorgen bereitet Ángel di María.   Von Peter Burghardt

Die Niederlande stehen damit im WM-Halbfinale, treffen am Mittwoch auf Argentinien. Und van Gaal? Wird immer mehr zur Figur dieser Titelkämpfe. Er hält sich, das lässt sich ohne Übertreibung konstatieren, für den besten Trainer dieses Erdballs. Doch er tut auch einiges dafür, um diesen selbsterwählten Ruf aktuell zu rechtfertigen. Er hat schon Stürmer eingewechselt, die anschließend Siegtore erzielten. Er hat während einer Trinkpause seine Taktik verändert, um auch dieses Spiel zu gewinnen. Nun der Coup mit Krul.

Krul konnte seine Gefühle kaum in Worte fassen. Er versuchte es: "Da sitzt du das ganze Spiel auf der Bank, siehst Chancen über Chancen und dann musst du rein und das Halbfinale retten - das ist fantastisch." Ein "Kindheitstraum" gehe für ihn in Erfüllung, sagte Krul. Und nochmal: "Unglaublich."

Viel war über die Taktik vor diesem Duell gesprochen worden, doch es war nicht wirklich so, dass hier zwei Abwehr-Fünferketten aufeinander trafen. Die Costa Ricaner errichteten sehr wohl ihren imposanten Abwehrriegel, davor zusätzlich abgesichert mit einer Viererkette. Die Holländer agierten deutlich offensiver. Die avisierte Fünferkette war zu einer Dreierkette verkümmert, stattdessen machten Dirk Kuyt und Memphis Depay über die Außen Druck. In der achten Minute dann Arjen Robbens erster Antritt in den Strafraum, ein langes Bein der Costa Ricaner - doch Robben sprang drüber hinweg, der Ball kullerte ins Aus. Auch die Debatte um Robbens Flugkünste erfuhr zunächst keine Fortschreibung.

Fußball-WM "Auf der Bank war es ganz schlimm"
Stimmen zu Niederlande - Costa Rica

"Auf der Bank war es ganz schlimm"

Niederlandes Torwart-Joker Tim Krul ist selig. Robin van Persie adelt seinen Trainer. Und die Costa Ricaner fahren stolz nach Hause.   Die Stimmen im Überblick

Zum ersten Mal überhaupt trafen beide Teams in der langen Geschichte des Weltfußballs aufeinander, schon nach einer Viertelstunde verfestigte sich der Eindruck, dass diese Premiere ein zäher, langer Abend werden könnte. Die Niederländer ließen den Ball kreisen, die Männer aus Costa Rica warteten und machten die wenigen Vorstöße des Gegners ohne Probleme unschädlich. Derweil lauerten sie auf Konter, doch nun ja: Sie lauerten. Mehr nicht.