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Hoeneß beim Spiel der Bayern:Halbzeit-Gespräch mit Edmund Stoiber

Eine halbe Stunde vor dem Anpfiff heißt es, dass Uli Hoeneß bereits früh in die Arena gekommen sei, so wie er das vormittags am Gericht angekündigt hatte. Später wird er sich neben den Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge setzen, auf den Platz direkt an der Treppe. In der Halbzeit unterhält er sich mit Edmund Stoiber, dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten, ein Vertrauter. Der Präsident versteckt sich also nicht, so sehen das viele Fans, sie finden das auch richtig so. "Man will sich diesen Verein ja gar nicht ohne Uli Hoeneß vorstellen", sagt Heinz aus Mannheim.

Allein: Muss sich der FC-Bayern-Fan nicht genau das langsam vorstellen - den eigenen Verein ohne Uli Hoeneß? "Auf gar keinen Fall", sagt Heinz. Er findet, dass Hoeneß selbst dann alle Ämter behalten sollte, falls er zu einer Haftstrafe verurteilt werden sollte. "Das sind Fehler, die nicht zu beschönigen sind", sagt er, "aber jeder hat eine zweite Chance verdient." Er zum Beispiel beschäftige seine Putzfrau, ohne sie angemeldet zu haben, das sei ja ebenfalls ein kleiner Steuerbetrug.

Dass die Zuschauer Hoeneß so ausdrücklich nicht begrüßen, das werten die meisten von ihnen jedoch durchaus so, dass die Solidarität zum Präsidenten auch ihre Grenzen habe. "Es ist leider nicht zu übersehen, dass er den Überblick verloren hat", sagt einer. Er meint nicht nur die Finanzgeschäfte des Präsidenten.

Vor der Arena steht auch ein Ehepaar aus der Schweiz, "jaja", sagt die Frau, "auch unser Finanzsystem mag nicht schuldlos sein". Sie mag den Präsidenten Hoeneß, sagt sie, weiterhin. "Da sind so viele Emotionen dabei." Sie sagt, sie würde gerne etwas Aufmunterndes sagen. Ihr fällt nichts ein.

© SZ vom 12.03.2014/jkn

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