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Handspiel von Berlin:Alle offline

  • Der VfB Stuttgart verliert in Berlin mit 1:3 und hadert mit dem Videoschiedsrichter.
  • Der übersieht ein ziemlich klares Handspiel von Karim Rekik beim Stand von 0:0.
  • Die Aufregung darüber kommt aber erst im Nachhinein - im Stadion sah praktisch niemand die Szene.

Nico Willig hat einen Satz gesagt, den man sich gleich mal merken sollte in dieser ganzen Debatte. "Der Sieg für die Hertha ist zweifellos verdient", sagte der Stuttgarter Interimstrainer im Berliner Olympiastadion, es tat ihm nicht mal weh in diesem Moment, er musste sich nicht durchringen zu diesen freundlichen Worten - aber gehadert hat der junge Stuttgarter Coach natürlich trotzdem mit diesem seltsamen Tag. Denn das ist ja das Fiese im Abstiegskampf: Jede verpasste Torchance lässt sich zu Was-wäre-wenn-Szenarien weiterdenken, und das in der 37. Minute, beim Stand von 0:0, das war ja wirklich ein Moment, der dieses Spiel und die gesamte Tabellensituation im Keller entscheidend hätte prägen können. Eher: entscheidend hätte prägen müssen.

Stuttgarts Stürmer Esswein erkennt das "vielleicht klarste Handspiel der gesamten Saison"

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Selbstverständlich geht es an dieser Stelle wieder mal um den Videoschiedsrichter und ein Handspiel: Einen Eckball der Gäste versuchte Stuttgarts Stürmer Nicolas Gonzales per Kopf in Richtung Tor zu bringen, Herthas Karim Rekik sprang mit viel zu engagiert nach oben gestrecktem Arm in die Gefahrenzone, von seiner Hand prallte der Ball zurück. Doch weder Schiedsrichter Daniel Schlager noch der Videoschiedsrichter in Köln reagierten. "Ich habe tatsächlich nicht mitbekommen, dass ich den Ball an die Hand bekommen habe", sagte Rekik später, "wenn das so war, dann haben wir natürlich Glück gehabt."

Dazu muss man sagen: Ja, das war so. Und ja, so gesehen war's dann Glück.

"Wofür haben wir denn den Videobeweis?", fragte später zu Recht der VfB-Angreifer Alexander Esswein, "das war das klarste Handspiel der letzten Wochen, Monate, vielleicht sogar der gesamten Saison." Was danach folgte, war für Trainer Willig die "Verliererstraße", auf die sein VfB schließlich gedrängt wurde: Statt Elfmeter für Stuttgart gab es zwei schnelle Tore durch Vedad Ibisevic (40. Minute) und Ondrej Duda (45.+1), in der zweiten Halbzeit erhöhte Salomon Kalou (67.). Mario Gomez schaffte in der 70. Minute noch den Ehrentreffer für den VfB, am Ende stand aber ein 3:1 (2:0). "Wir hatten die Chance, auf die Siegerstraße einzubiegen", sagte Willig, "das haben nicht wir verbockt, das wurde an einer anderen Stelle verbockt."

Es war ein großes Thema, allerdings eines, das erst im Nachhinein zu einem wurde - denn während der Aktion selbst gab es kaum jemanden im Stadion, der dieses Handspiel wahrgenommen hatte. "Ich habe es nicht gesehen", sagte Willig, "deswegen ist es auch für einen Schiedsrichter schwer zu sehen. Aber wenn wir schon diesen Videoschiedsrichter installieren, dann hätte er in diesem Moment online sein müssen. Das war er leider nicht."

Allerdings widerstand Willig fairerweise der Versuchung, die Niederlage nur an dieser einen Szene festzumachen, ihm war nicht entgangen, dass seine Elf selbst weitgehend offline wirkte, erstaunlich eigentlich nach dem befreienden Sieg vom vergangenen Wochenende. "Es war aber ja nicht zu erwarten, dass wir nach dem Sieg gegen Gladbach nun alle Spiele gewinnen und durch die Liga fliegen", sagte Willig.

Tatsächlich hatten sich bis zur fraglichen Szene weder Hertha noch Stuttgart richtige Torchancen erspielt. "Da war kein Spielfluss, viel Mittelfeldgeplänkel", gab Esswein später zu, "denn es war ja klar: Wer 1:0 führt, macht es dem anderen schwer, das Spiel wieder umzudrehen."

Auf beiden Seiten reihten sich Fehler aneinander, Offensivdrang ließ vor allem der VfB vermissen. Was halt ungünstig ist, wenn es in der Abwehr auch nicht so richtig klappt. So räumte Willig ein: "Bei den ersten beiden Gegentoren müssen wir uns vorwerfen lassen, zu passiv gewesen zu sein, die Bälle ins Zentrum zugelassen zu haben." Für Torwart Ron-Robert Zieler waren die Tore in der 40. und 46. Minute besonders bitter: Beide Male wehrte er die Angriffe zunächst ab, kassierte die Tore aber durch schlecht verteidigte Nachschüsse.

In der zweiten Halbzeit schien beim 3:0 durch Kalou schon alles entschieden zu sein, aber dann machte der eingewechselte Mario Gomez den Gästen plötzlich noch mal Mut. Schon in der 69. Minute hatte er einen langen Ball nach schöner Drehung zu einem Tor verwertet - doch ein falscher Abseitspfiff verwehrte dem VfB den regulären Anschlusstreffer. Und in diesem Fall konnte der Videoreferee tatsächlich nicht eingreifen, denn der Schiedsrichter hatte die Szene bereits abgepfiffen. Eine Minute später traf Gomez dann per Kopfkopfball, aber auch er hatte später keine Lust, Was-Wäre-Wenn-Szenarien durchzuspielen.

"In dem Moment, wo wir den Elfmeter nicht kriegen, "steht es immer noch 0:0", sagte er, "wir hätten es danach immer noch aus eigener Kraft schaffen können. Das haben wir nicht getan, deswegen hat Hertha gewonnen." Die Stuttgarter schienen sich mehr über die eigenen Fehler zu ärgern als über die der Schieds- und Videorichter.

Mit 24 Punkten liegt der VfB weiterhin auf dem 16. Platz, eine direkte Rettung über Platz 15 ist nun endgültig nicht mehr möglich, also bleibt die Relegation das Ziel. "Wir müssen diesen Schwung jetzt mitnehmen", sagte Willig, bevor er in den Feierabend verschwand. Welchen Schwung er meinte, war nicht ganz klar, aber er klang eben so positiv, wie einer klingen muss, dem sonst nichts übrig bleibt.

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