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Herthas 0:5:Ode an das Nichts

Marius Wolf, Maximilian Mittelstädt enttäuscht nach Spielende / Enttäuschung / / Fußball Fussball / DFL Bundesliga Herr; Hertha BSC

Marius Wolf und Maximilian Mittelstädt sitzen nach dem Spiel auf der Bank.

(Foto: imago images/Contrast)
  • Hertha BSC verliert daheim gegen den 1. FC Köln mit 0:5. Schon zur Pause ist das Spiel entschieden.
  • Nach dem Sieg gegen Paderborn ist die Niederlage ein großer Dämpfer für den neuen Trainer Alexander Nouri.
  • Die Kölner Fans feiern dagegen Karneval in der Hauptstadt und grüßen Jürgen Klinsmann.

Die 63. Minute war gerade angebrochen, da dichteten die voll und landestypisch auf Karneval gepolten Fans des 1. FC Köln den älteren Partyhit einer Berliner Hiphop-Schlagerband namens "Die Atzen" um. "Hey, was geht ab? Wir schießen die Hertha ab!", sangen die Kölner, die in der Westkurve des Berliner Olympiastadions standen, mit einem Unterton freudiger Verblüffung. Mit 4:0 lag da die ihre Mannschaft gegen den "Big City Club" in spe vorne, am Ende konnte Hertha von Glück reden, dass es bei einem gleichwohl demütigenden 0:5 blieb, die Pleite nicht noch schlimmer ausfiel.

Welch Dimension die Kölner Karnevals-Klatsche für die Berliner hatte, zeigt ein Blick in die Geschichtsbücher. Es war die höchste Heimniederlage seit einem 0:5 gegen die TSG 1899 Hoffenheim aus dem Jahr 2014. Nur zwei Mal musste Hertha eine noch deftigere Pleite hinnehmen, 1980 reisten der Hamburger SV, 2012 der FC Bayern jeweils mit einem 6:0-Sieg aus Berlin ab.

Aus Berliner Sicht bot sich gerade in der ersten Halbzeit ein nachgerade unerklärliches Schauspiel. Dass das "spannendste Fußballprojekt Europas", wie es der unlängst nach USA zurückgekehrte Ex-Trainer Jürgen Klinsmann genannt hatte, in einem Bundesligaspiel ohne eigene Torchance bliebt, hatte man schon mal in dieser Saison gesehen. Zumeist waren dann dennoch Spurenelemente anderer Elemente zu sehen, die gemeinhin Fußballspiele ausmachen. Diesmal aber war Hertha eine Ode an das Nichts. "Ich weiß nicht, was Hertha heute im Tee hatte", wunderte sich der frühere DFB-Verteidiger Marco Rehmer zur Halbzeit bei Sky.

Schon in der 39. Minute ist das Schicksal der Berliner besiegelt

Und Herthas Trainer Alexander Nouri, der bekanntlich eine allein im Winter für knapp 80 Millionen Euro verstärkte Mannschaft kommandiert, pflichtete ihm gewissermaßen bei. Auch er wirkte ratlos. "Wir hatten eine sehr gute Trainingswoche und wir haben heute alle Tugenden vermissen lassen, die wir letzte Woche (beim 2:1-Sieg gegen Paderborn, Anm.) auf den Platz gebracht haben. Laufbereitschaft, Umschaltverhalten: all die elementaren Dinge." Und: "Wir müssen uns bei den Zuschauern entschuldigen." Jedenfalls bei denen, die noch bis zum Ende dageblieben waren. Denn die ersten Fans stürzten schon zur Halbzeit Richtung S-Bahnhof Olympiastadion.

Was nachvollziehbar war. Denn: Wie absurdes Theater wirkte die Vorstellung auch deshalb, weil Köln von der ersten Minute an exakt so spielte, wie Nouri es angeblich erwartet hatte. Der Effzeh war zuvorderst darauf bedacht, Hertha durch Konter zu übertölpeln, und das funktionierte so fantastisch, dass gleich vier von fünf Toren dem sogenannten "Umschaltspiel" der Rheinländer entsprangen.

Die Besonderheit der Lage ließ sich auch dadurch dokumentieren, dass der überragende kolumbianische Stürmer Jhon Córdoba durch einen allerdings abgefälschten Schuss sein erstes Auswärtstor für die Kölner überhaupt erzielte (4. Minute), und dann in der 22. Minute gleich ein zweites nachlegte, diesmal per Kopf. In der 39. Minute war das Schicksal der Hertha dann im Grunde besiegelt: Córdoba tanzte Herthas Torwart Rune Jarstein im Berliner Strafraum aus; der Norweger schaffte es noch zurück auf die Linie, doch sein Rettungsversuch geriet zur Komödie. Jarstein erwischte zwar den Schuss des von Córdoba bedienten Florian Kainz, schaffte es aber nur, ihn zum Pfosten zu lenken, und von dort prallte er zurück ans eigene Bein und von dort ins Tor.

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