Handball:Diese Handball-EM ist eine Corona-EM

Lesezeit: 2 min

Handball-EM in Ungarn: Fans in Budapest

Sie stehen dicht an dicht, viele tragen keine Masken: ungarische Fans in Budapest.

(Foto: Bernadett Szabo/Reuters)

Viele Corona-Fälle im deutschen Team, die Fans stehen dicht an dicht und ohne Masken: Es war leider erwartbar, dass sich die EM in Ungarn und der Slowakei auf diese Weise entwickelt.

Kommentar von Carsten Scheele

Was soll die deutsche Handball-Nationalmannschaft nun tun? Diese Europameisterschaft irgendwie zu Ende spielen, so gut es geht, oder einfach die Koffer packen und heimreisen?

An einen regulären Spielbetrieb ist jedenfalls kaum noch zu denken, seit am Montagabend fünf weitere Corona-Fälle im deutschen Team verkündet wurden. Insgesamt sieben Spieler aus dem ursprünglich 19 Profis umfassenden Turnierkader fallen nun infiziert aus - für das Gruppenfinale der Vorrunde am Dienstagabend (18 Uhr, ZDF) gegen Polen hat Bundestrainer Alfred Gislason gerade noch elf gesunde Spieler zur Verfügung. Zwar wurden eilig fünf Spieler nachnominiert, doch die dürfen nur spielen, wenn sie rechtzeitig einen negativen PCR-Test vorlegen.

Die Deutschen stehen in dieser Lage nicht alleine da. Kroatien, Polen, Serbien, Nordmazedonien, alle haben etliche positive Fälle zu beklagen. Die Betroffenen müssen in Quarantäne, dürfen sich frühestens nach fünf Tagen freitesten. Und das Turnier befindet sich erst in seiner ersten Woche: Nach allem, was über die Ansteckungswege insbesondere der neuen Virusvariante bekannt ist, dürften die Zahlen bald explodieren.

Die EHF verzichtet bei dieser Europameisterschaft ausdrücklich auf eine Turnier-Bubble

Die Handball-EM als Corona-EM - es war leider erwartbar, dass sich die Veranstaltung auf diese Weise entwickelt. Die Europäische Handballföderation (EHF) hat ausdrücklich auf eine Turnier-Bubble verzichtet, wie sie bei der WM in Ägypten vor einem Jahr errichtet wurde - und vertraut auf einen zweitägigen PCR-Test-Rhythmus für alle Spieler. Diese Strategie muss als gescheitert betrachtet werden. Die Deutschen hatten sich ja noch auf der sicheren Seite gefühlt; in der Slowakei, dem kleineren der beiden Gastgeberländer, in dem zumindest versucht wurde, ein verantwortungsvolles Corona-Management an den Tag zu legen.

Die Hallen in Bratislava und Kosice sind zu maximal 25 Prozent ausgelastet, hinein dürfen geimpfte oder genesene Fans, die FFP2-Masken tragen. An den Plätzen in der Halle herrscht FFP2-Pflicht, nicht alle halten sich daran, aber die meisten.

Nebenan, in Ungarn, scheinen alle Regeln außer Kraft gesetzt zu sein. Die Fans stehen dicht an dicht. Sie jubeln, singen, hüpfen; Maske trägt auf vielen Bildern nur eine Minderheit. Die Hallen dürfen voll ausgelastet werden, so hat es die Regierung von Viktor Orbán drei Monate vor den Parlamentswahlen verfügt: 20 000 Zuschauer in Budapest, 8100 in Szeged, 6500 in Debrecen.

Am Samstag lieferte der Montenegriner Marko Lasica in Debrecen ein verstörendes Bild, als er nach dem hitzigen Spiel gegen Nordmazedonien in Richtung der gegnerischen Fans stiefelte, kurz vor der Absperrung abstoppte und direkt ins Publikum spuckte. Mal von der Widerlichkeit der Geste abgesehen, flogen Tröpfchen und Aerosole nur so umher. Von der EHF wurde Lasica dafür lediglich mit einer Geldstrafe sanktioniert.

Ob wirklich jemand geglaubt hat, dass das ein ganzes Turnier über gutgehen kann? Das deutsche Team hatte sich jedenfalls ein penibles Hygieneprotokoll auferlegt - und wurde nun trotzdem voll erwischt. Es könnte so kommen, wie der Handballfunktionär Bob Hanning gesagt hat: Europameister wird diesmal, wer die wenigsten Corona-Fälle hat. Das deutsche Team hat dabei, Stand jetzt, wirklich schlechte Karten.

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