Handball:David Späth ist der Lichtblick

Handball: Alles muss raus: David Späth nach einer Parade.

Alles muss raus: David Späth nach einer Parade.

(Foto: Michaela Merk/Imago)

Der junge deutsche Torhüter überzeugt beim 31:31 gegen Ägypten. Zwei Monate vor der Heim-EM zeigt der Afrika-Meister dem deutschen Team aber auch auf, wo es noch hapert.

Von Ralf Tögel

David Späth war auch ein Viertelstündchen nach dem Schlusspfiff noch aufgekratzt. Das liegt zum einen an seine Naturell, wie er befand: "Ich schreie meine Emotionen schon mal raus." Zum anderen feierte das 21-jährige Torhütertalent der Rhein-Neckar Löwen sein Debüt in der deutschen Handball-Nationalmannschaft der Männer. Mit der U21 wurde er kürzlich Weltmeister, vor dem Testspiel gegen Ägypten am Freitagabend in der Arena zu Ulm war er allerdings "das erste Mal seit langem wieder richtig nervös".

Mit seinem Einstand war er zufrieden, auch wenn er "immer gewinnen will", wie der Schlussmann zugab. Späth hinterließ den besten Eindruck der drei eingesetzte Torhüter beim 31:31-Unentschieden gegen Afrika-Meister Ägypten. Der von Bundestrainer Alfred Gislason zurückgeholte Silvio Heinevetter sowie Stammkraft Andreas Wolff konnten nicht überzeugen. "Ägypten hatte die bessere Torhüterleistung", analysierte Gislason folgerichtig, erklärte aber auch, dass ihm dies "keine Sorgen" bereite.

Gislason sagte, er wisse schon, was seine Torhüter leisten können, so habe Heinevetter im harten Training überzeugt und Wolff komme schließlich aus einer langwierigen Verletzung, der 32-Jährige stand das erste Mal nach seinem Bandscheibenvorfall wieder auf dem Parkett. "Es war das Ziel, Andi zehn Minuten zu geben, es fehlt ihm noch an Schnelligkeit, aber das wussten wir."

Spielmacher-Talent Nils Lichtlein startet mit zwei Fehlern, beweist dann Charakter und seine großen Möglichkeiten

Späth habe seine Sache vor allem in der Schlussviertelstunde gut gemacht, als er mit ein paar Paraden großen Anteil daran hatte, dass dieser Test vor 4601 Zuschauern, die trotz einer durchwachsenen Leistung der deutsche Mannschaft ordentlich Stimmung machten, nicht verloren ging. Auch insgesamt zeigte sich der Bundestrainer zufrieden, wenngleich auch er das Spiel gerne gewonnen hätte. Dass die letzten beiden Angriffe wegen technischer Fehler ergebnislos verpufften, "hat mich schon geärgert". Vor allem die Abwehr machte Gislason mehr Freude, "wir haben sehr gut angefangen", was vor allem an bewährten Kräften wie Julian Köster, Kapitän Johannes Golla oder später Christoph Steinert gelegen habe.

Aus dieser stabilen Defensive entwickelte das deutsche Team ein ansehnliches Tempospiel, das eine 7:3-Führung brachte. Dann aber schlichen zusehends technische Fehler oder schwache Abschlüsse ein, was Kapitän Golla so erwartet hatte: "Es ist das erste Spiel seit sechs Monaten, dass Abstimmung und Kommunikation noch nicht optimal sind, war abzusehen." Außerdem habe man sich in Ägypten einen "qualitativ hochwertigen Gegner" gesucht, "der uns aufzeigt, was noch nicht funktioniert". Dem kam der Olympia-Vierte von Tokio gerne nach, Ägypten stellt die wohl beste Auswahl außerhalb Europas. Mit ihrem physisch starken Spiel brachten die Afrikaner das deutsche Team immer wieder in Verlegenheit, führten zur Halbzeit 18:16 und waren auch im zweiten Abschnitt stets auf Augenhöhe.

Dennoch legten die Gastgeber um Spielmacher Juri Knorr, der wie Timo Kastening mit sechs Treffern bester deutscher Torschütze war, ab Mitte der zweiten Halbzeit vor - obwohl Gislason auch seinen Hochtalentierten Einsatzzeiten zugestand. Neben Späth hätten ihm auch die Auftritte von Renars Uscins sowie Tim Nothdurft und Nils Lichtlein, die beide je einen Treffer erzielten, gut gefallen. Obwohl gerade dann die fehlende Abstimmung auffiel. Lichtlein, der als Berliner Spielmacher in der Bundesliga derzeit auf sich aufmerksam macht, startete zwar mit zwei üblen Fehlpässen ins Spiel, bewies aber "Charakter", so Gislason, als er mit feinen Zuspielen auf Außen und einer Einzelaktion seine großen Möglichkeiten zeigte.

Am Sonntag schon werden die beiden Kontrahenten beim "Tag des Handballs" in München erneut aufeinandertreffen, es ist der letzte Test der deutschen Mannschaft in diesem Jahr. Gislason hat dann einen weiteren Tag mit seinen Spielern gearbeitet, was man sehen werde: "Das heute war in Ordnung, ein Spiel mit Hochs und Tiefs, am Sonntag wird es besser."

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