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Haaland und Can:Zwei Mentalitätsbolzen

Fußball Champions League Achtelfinale Borussia Dortmund - Paris Saint-Germain am 18.02.2020 im Signal Iduna Park in Dort; Haaland

Gut gelaunt: Erling Haaland und Emre Can nach dem Sieg gegen Paris.

(Foto: imago images/Revierfoto)
  • Im Winter holte der BVB Emre Can und Erling Haaland mit dem Ziel, dem Team mehr Physis zu geben.
  • Der Plan geht aktuell fast perfekt auf. Beim Sieg gegen Paris prägen beide Zugänge das Dortmunder Spiel.
  • Die Transfers könnten für einen fußballerischen Philosophie-Wechsel beim BVB stehen.

Von Freddie Röckenhaus, Dortmund

Es waren erst ein paar Minuten gespielt, und die ersten Fetzen der goldenen Plastikfolien von der Fan-Choreo flatterten gerade im Wind durchs Stadion, als Emre Can in der Nähe der Mittellinie einem gewissen Neymar den ersten Vorgeschmack darauf gab, womit der brasilianische Starfußballer von Paris St. Germain an diesem Abend zu rechnen hatte. Dortmunds Winter-Einkauf wuchtete Neymar von den Beinen, reklamierte anschließend beim Schiedsrichter noch gegen den Pfiff wegen Foulspiels, und schließlich ging Can noch einmal zu dem am Boden liegenden Neymar, um ihm ein paar passende Worte zuzuflüstern. Freundlich werden diese Worte nicht gewesen sein, egal in welcher Sprache, und eine Entschuldigung hat Neymar sicher auch nicht zu hören bekommen. Eher einen Hinweis auf das, was da im Laufe des Spiels noch kommen würde.

Das 2:1 (0:0) von Borussia Dortmund im ersten Champions-League-Achtelfinale gegen das schillernde, von Katar finanzierte Star-Ensemble aus Paris folgte genau jenen Zeichen, die einer wie Can setzen kann. PSG-Trainer Thomas Tuchel, bis 2017 auch zwei Jahre beim BVB unter Vertrag, zog nach dem Spiel ein ausführliches Fazit der Niederlage, mit dem knappen Schlüsselwort: "Körperlichkeit". Wann jemals sind Dortmunds fußballerische Feingeister für überlegene, in Grenzfällen auch rabiate Körperlichkeit gelobt worden? Aber es stimmte: Der Favorit Paris war dem BVB bei physischen Kernfaktoren unterlegen an diesem Abend - und der Auftritt der Dortmunder schien auch keine Ausnahme zu sein, sondern die Bestätigung einer Trendwende, die beim 4:0 gegen Eintracht Frankfurt begann. Der aus Turin geholte Emre Can, der in guten Momenten an die ungestüme Wucht eines Lothar Matthäus oder Stefan Effenberg erinnert, dürfte in Dortmund ebenso für einen Philosophie-Wechsel stehen wie vorne im Sturm Erling Haaland. Der 19-Jährige wuchtete den Ball vor allem beim zweiten seiner beiden Treffer mit einer Urgewalt ins Netz, dass man sich die Augen reiben musste. Ist das jetzt die neue Borussia? Rustikale Balleroberung im Mittelfeld - und dann brachiales, aber dennoch technisch feines Ballern im Abschluss?

An diesem windigen Abend in Dortmund konnte man den Eindruck bekommen, dass sie beim BVB in der Weihnachtspause einen Beschluss gefasst haben müssen: dass jetzt Schluss mit lustig ist. Can und Haaland, beide zusammen für rund 45 Millionen Euro in der Winter-Transferperiode nach Dortmund gelotst, sind offensichtlich genau jene Typen, die man für so eine stilistische Kehrtwende braucht. Quasi zwei Transfers vom Reißbrett.

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