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5:3 gegen Augsburg:Haaland gibt dem BVB, was ihm zuletzt gefehlt hat

FC Augsburg - Borussia Dortmund

Mit Haalands Wucht seiner beweglichen 1,94 Meter, seiner Zielstrebigkeit in Richtung Tor, ergab das Dortmunder Spiel im Angriff plötzlich ein stimmiges Bild.

(Foto: dpa)

Nach seinem Auftritt gegen den FC Augsburg weiß man, warum dem Stürmer eine Weltkarriere zugetraut wird. Es könnte sein, dass der BVB seinetwegen nun um die Meisterschaft mitspielen kann.

Man muss kein Fan sein, um bei Spielen von Borussia Dortmund in einer Sekunde begeistert und in der nächsten empört zu sein. BVB-Fußball, das ist oft wie ein wunderbares Gemälde, für das dem Künstler plötzlich die Farbe ausging; wie ein mitreißendes Drama, bei dem ohne triftigen Grund ein Akt abfällt. Der Rückrundenauftakt der Mannschaft, das 5:3 in Augsburg, hat dafür wieder ein paar Beispiele geliefert. Bloß, dass am Ende die Attraktion groß genug war, um über die Unzulänglichkeiten hinwegzutäuschen.

Rund eine Stunde lang sah das Dortmunder Spiel fast so aus, wie es auf Bolzplätzen mal Mode war, als Bolzplätze noch in Mode waren: Dort zählte ein Übersteiger mehr als ein vernünftiges Abspiel, ein Trick mehr als ein Tor. Und vor allem: Verschieben und konzentriert verteidigen, Lücken in der Defensive zulaufen, das machten auf dem Bolzplatz die wenigsten.

Wie Nationalspieler Marco Reus, dieser hochbegabte Fußballer, am Samstag nach schönsten Angriffen vor dem Tor den Ball daneben schoss und dabei ein wie Galgenhumor zu deutendes Grinsen auf den Lippen hatte, das kann einen beim Zuschauen schon mal fassungslos machen. Der BVB gewährte - im Übermut? In unpassender Formation? - Räume zum Kontern. Wie das Team gleichzeitig seine große Klasse zeigte und dennoch verdient 1:3 zurücklag, das hatte etwas von einer Show-Mannschaft: Als spielte in Augsburg nicht Borussia Dortmund, sondern die Dortmund Globetrotters.

Der BVB gewann noch, weil der nach rund einer Stunde eingewechselte Stürmer Erling Haaland der Mannschaft etwas gibt, was ihr zuletzt fehlte. Man könnte es spektakulären Pragmatismus nennen. Der 19-Jährige zeigte in seiner ersten halben Stunde Bundesligafußball auf Anhieb (und trotz Verletzung während der Vorbereitung) seine unnachahmlich wirkende Klasse. Er erarbeitete sich mit Läufen in die Tiefe drei Torchancen - und traf dreimal, zweimal mit durchaus komplizierten Abschlüssen, wie man sie unaufgeregter, effektiver und damit besser nicht hinbekommen kann.

Er spielte so, wie er es in der Hinrunde für RB Salzburg gezeigt hatte, als er in sechs Champions-League-Spielen acht Tore schoss. Mit der Wucht seiner beweglichen 1,94 Meter, seiner Zielstrebigkeit in Richtung Tor, ergab das Dortmunder Spiel wenigstens im Angriff ein stimmiges Bild. Nun passte auch die Kunst wieder ins Bild: ein 50-Meter-Pass von Mats Hummels, eine Zauber-Ballannahme von Jadon Sancho, das 3:3.

Es könnte sein, dass der BVB nun um die Meisterschaft mitspielen kann

Nach diesem Rückrunden-Auftakt weiß man, warum Haaland eine Weltkarriere zugetraut wird. Man weiß, warum die rund 20 Millionen Euro Ablöse, die Dortmund im Winter für ihn bezahlte, als ausgesprochen preiswertes, gut angelegtes Geld gelten. Man weiß, dass Dortmund den besten Stürmern der Liga, dem inzwischen 20 Mal erfolgreichen Timo Werner in Leipzig und dem mit 19 Toren folgenden Robert Lewandowski beim FC Bayern, einen ebenbürtigen Angreifer entgegensetzen kann.

Es könnte natürlich sein, dass der BVB deshalb nun um die Meisterschaft mitspielen kann. Doch sollte sich am Auftreten der Mannschaft nur ändern, dass sie fortan mit Haaland angreift, dann werden sich in den verbleibenden sechzehn Spielen wohl Begeisterung und Empörung noch sechzehnmal binnen Sekunden abwechseln. Aber es könnte natürlich auch schlechtere Perspektiven geben.

© SZ vom 19.01.2020/vit
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