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Grafik zu Bundesliga-Transfers:Neue Beine für die Liga

Schluss mit Pokern und Gefeilsche: Das Transferfenster ist geschlossen, die Kader der Bundesligisten stehen. Einige Teams sind generalüberholt, andere Vereine schauten zu, manche wilderten in fremden Ligen. Die Grafik von SZ.de zeigt, wie die Zugänge die Liga verändern.

Von Saskia Aleythe, Lisa Sonnabend und Oliver Schnuck

Lewis Holtby ist mit 23 Jahren schon öfter umgezogen als andere in ihrem ganzen Leben. Allein als Fußballprofi verweilte er bereits in Aachen, Gelsenkirchen, Bochum, Mainz, Tottenham, London - nun geht es also nach Hamburg. In letzter Sekunde einigte sich der HSV mit den Engländern von Tottenham Hotspur auf eine Ausleihe und heißt mit dem jungen Mann aus NRW den letzten Mann im neuen Kader willkommen.

Für Hamburg ist das eine wichtige Personalie, im gesamten Transfergeschehen der Bundesliga ist sie eine von vielen: Mit Holtby wechselten während der nun abgeschlossenen Transferperiode etliche Fußballer aus diversen Ligen im In- und Ausland in die Bundesliga. Welcher Klub hat sich die meisten Spieler gegönnt, wie viele unterschiedliche Herkunftsligen tummeln sich in einem Verein - und wer hat bei all dem fast nur zugeschaut? Die Grafik von SZ.de liefert die Antworten.

So funktioniert die Transfer-Grafik

Auf der linken Seite sind alle 18 Bundesligisten aufgeführt, sortiert nach dem Tabellenplatz der Vorsaison. Die Zahl neben dem Klub gibt die getätigten Transfers wieder, dabei handelt es sich nur um Zugänge. Fährt die Maus über die eingefärbte Fläche neben dem Verein, offenbart sich, in welchen Ligen die Zugänge in der Vorsaison ihr Geld verdient haben - angezeigt wird das durch die bunten Flächen, die zur jeweiligen Liga führen. Das funktioniert auch in die andere Richtung: Auf der rechten Seite sind die Ligen aufgeführt, die Spieler für die neue Saison in die Bundesliga transferiert haben, sortiert nach der Anzahl der Fußballer.

Sprungbrett deutsche Ligen

178 Spieler der Bundesliga laufen in dieser Saison mit einem anderen Trikot auf als in der vergangenen Spielzeit. Davon trugen 49 schon im Vorjahr ein Leibchen der höchsten Spielklasse: Aus der Bundesliga wurden die meisten Fußballer in neue Klubs transferiert. Beliebt bei den Vereinen ist aber auch die 2. Liga, von dort schafften 25 Profis den Aufstieg. Die Karrierechancen in der Bundesliga sind für Nachwuchs- und Regionalligaspieler ebenso nicht übel: 22 Nachwuchskickern und 23 Spielern aus der Regionalliga ist im Transferfenster der Sprung in die Bundesliga geglückt.

Insgesamt stammen nur 59 Neulinge aus dem Ausland. Die Primera División und die Premier League sind die größten Förderer der Bundesliga, sie haben je acht Spieler abgegeben. Fünf Fußballer aus Italien wagten sich nach Deutschland, vier aus den Niederlanden - und dann kommen die mutigen Exoten. Eintracht Frankfurt holte mit dem Paraguayer Nelson Valdez etwa einen Fußballer aus der höchsten Spielklasse der Vereinigten Arabischen Emirate, Hannover schnappte sich den Chilenen Miiko Albornoz - er zieht aus der schwedischen Liga nach Niedersachsen um.

Hamburg holt die meisten, Werder schaut zu

Zum Wochenbeginn wurde es noch einmal hektisch. Mainz 05, mit zwei Unentschieden schwach in die Saison gestartet, sicherte sich gleich fünf Last-Minute-Transfers. Jonas Hofmann, Philipp Wollscheid, Pablo de Blasis, Sami Allagui und Jairo Sampeiro Bustara kamen kurz vor Ladenschluss. Insgesamt angelte sich der FSV in dieser Saison 16 neue Spieler. Nur ein Bundesligist toppte das: Der Hamburger SV kaufte noch tüchtiger ein. 17 neue Spieler sollen nun verhindern, dass die Saison ähnlich katastrophal läuft wie die vergangene. Zum Auftakt ging das schon mal schief. Doch da war Holtby noch nicht da.

Merkwürdig dagegen: Auch bei Werder Bremen passte in der vergangenen Spielzeit nur wenig, dennoch hielten sich die Verantwortlichen zurück. Nur sechs Spieler wurden verpflichtet, Werder muss wohl noch mehr aufs Geld schauen als der HSV. Hoffenheim und Wolfsburg dagegen sind immer noch damit beschäftigt, in ihren aufgeblähten Kadern auszumisten. Die Folge: Nur neun bzw. sieben Spieler sind neu.

Guardiola ist nervöser als Klopp

Der finanzstarke BVB mischte auf dem Transfermarkt kaum mit. Jürgen Klopp traut seiner bestehenden Mannschaft viel zu, nur sechs Akteure kamen - im Vergleich zur Konkurrenz recht wenig. Die Bayern waren da zumindest etwas nervöser, neun Neue trainieren nun unter Pep Guardiola.

Multikulti in Berlin

Schalke glaubt an Deutschland

Der FC Schalke 04 ist der Verein, der am meisten auf die Stärke der Heimligen vertraut. Alle zwölf Neuverpflichtungen stammen aus einer deutschen Spielklasse. Neben den vielen Nachwuchstalenten holte Jens Keller fünf Bundesliga-Profis, einen Zweitliga-Mann und den vereinslosen Torwart Christian Wetklo - auch der spielte seine ganze Karriere lang in Deutschland.

Andere Vereine setzen dagegen auf die Einflüsse verschiedener Spielstile. Die Vieleinkäufer Mainz, HSV und Hannover 96 rekrutierten Personal aus acht Ligen. Beim HSV trainieren nun ehemalige Spieler der Premier League, der italienischen Serie A, der japanischen J-League und der brasilianischen Liga gemeinsam mit Akteuren, die eben noch in der Regionalliga oder der U19 aktiv waren.

Hertha mag's multikulturell

Der multikulturellste Verein ist - natürlich - Hertha BSC Berlin. Der Hauptstadtklub holte sich zehn Spieler und die kamen aus sechs Ländern. Neben vier Bundesligisten und einem Zweitligisten trafen neu an der Spree ein: Valentin Stocker aus der Schweizer Super League, Genki Haraguchi aus Japan, John Heitinga vom FC Fulham, Roy Beerens aus den Niederlanden und am Montag folgte auch noch der ivorische Stürmer Salomon Kalou von OSC Lille. Die Bekanntheit Berlins dürfte dem ein oder anderen sicherlich die Entscheidung erleichtert haben, bei Hertha zu unterschreiben.

Augsburg liebt die Zweitligisten

Wer es als Spieler aus der 2. Liga in die Bundesliga schaffen will, hat die größten Chancen bei einem Klub aus dem gesicherten Mittelfeld der Vorsaison (14 Spieler). Der FC Augsburg schnappte sich gleich fünf Zweitliga-Leute und war damit die erste Anlaufstation für Spieler aus dem Unterhaus. Fünf weitere Fußballer schafften es zu einem Verein, der im Frühjahr einen internationalen (Qualifikations-)Platz erobern konnte. Mainz holte gleich drei Zweitliga-Erfahrene (Daniel Brosinski, Nikita Rukavytsya, Chinedu Ede), Bayer Leverkusen und Schalke 04 einen (Karim Bellarabi, Wetklo).

Und zu welchem Verein verschlägt es Spieler, die schon in der Vorsaison in der Bundesliga vertreten waren? Ausgerechnet zum Fast-Absteiger HSV. Der hat sich mit sechs Fußballern die meiste Bundesliga-Erfahrung geholt. Tatsächlich sind aber die Klubs, die auch international mitmischen in dieser Saison, die größten Profiteure. Robert Lewandowski vom BVB zum FC Bayern, Kyriakos Papadopoulos von Schalke zu Leverkusen oder Adrián Ramos von Hertha zum BVB - alles Spieler, die sich an die Gepflogenheiten der Liga nicht mehr gewöhnen müssen.

© SZ.de/jbe/lala
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