Women's British Open:Das Eisentor steht offen

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Women's British Open: "Es ist eine ganz schön große Sache, dass wir hier spielen können", sagte Sophia Popov, die deutsche British-Open-Siegerin 2020.

"Es ist eine ganz schön große Sache, dass wir hier spielen können", sagte Sophia Popov, die deutsche British-Open-Siegerin 2020.

(Foto: Octavio Passos/Getty Images)

Muirfield Golf Club war lange Zeit das Zentrum der Frauenfeindlichkeit im Golfsport, nun finden ausgerechnet dort die British Open der Frauen statt. Von einem langsamen Wandel, der noch nicht zu Ende ist.

Von Felix Haselsteiner

273 Jahre lang war das große, dunkle Eisentor am Eingang zum Muirfield Golf Club für Frauen ein nahezu unüberwindbares Hindernis. Auf Einladung für einzelne Golfrunden wurden Partnerinnen und Bekannte von männlichen Mitgliedern geduldet, Willkommen waren sie nicht: Muirfield war über den Großteil seiner großen, bedeutenden Geschichte nicht nur die Heimat der ersten jemals aufgeschriebenen Golfregeln, sondern auch die der Misogynie im Golfsport, weshalb die Bilder dieser Tage durchaus historische Bedeutung haben.

Die besten Golfspielerinnen der Welt treten ab Donnerstag bei der AIG Women's Open an, der British Open der Frauen, dem wichtigsten Turnier des Jahres. Das Eisentor hat sich also geöffnet, man konnte in den vergangenen Tagen bereits Spitzenspielerinnen wie Jessica und Nelly Korda, Favoritin Jin Young Ko oder dem deutschen Quintett aus Sophia Popov, Caroline Masson, Leonie Harm, Olivia Cowan und Esther Henseleit dabei zusehen, wie sie sich auf dem schwierigen Platz in Gullane, 40 Minuten nördlich von Edinburgh, einspielten. "Es ist eine ganz schön große Sache, dass wir hier spielen können", sagte Popov, Siegerin des Turniers im Jahr 2020.

Sophia Popov gewann die British Open damals im Royal Troon Golf Club an der schottischen Westküste, mittlerweile ist sie dort auch Mitglied. Troon, St Andrews, Carnoustie, die Liste der traditionsreichen Orte im Golfsport, die den Wandel der Zeit in den vergangenen Jahrzehnten erkannt haben, ist lang: Golf ist längst nicht mehr nur der Gentlemen's Sport, der er einst war, sondern hat sich geöffnet und die frauenfeindlichen - und in den USA teils rassistischen - Vorurteile weitestgehend abgelegt, die lange Zeit Teil des Spiels waren: Frauen durften vielerorts in der archaischen Golfwelt ihre Männer vor dem Eingangstor absetzen, aber nicht mitspielen, sie durften nicht im selben Raum essen wie die männlichen Mitglieder und waren in sportlicher Entscheidungen nicht eingebunden.

Schottlands Regierungschef boykottierte Muirfield wegen seiner misogynen Regeln

Manche Plätze haben länger gebraucht, um sich zu verändern, wie der berühmte Augusta National Golf Club, der seit 2012 auch weibliche Mitglieder zulässt und seit einigen Jahren ein weibliches Junioren-Turnier in der Woche vor dem Masters veranstaltet. Und manche haben erst den Druck verspüren müssen, den fehlender Wille zum Wandel mit sich bringt, so wie Muirfield.

Als 2013 zuletzt die Männer ihre Open Championship in Gullane spielten, wurde die Forderung nach einem Ende der frauenfeindlichen Mitgliedschaftsregelungen untermauert vom Boykott des damaligen schottischen Regierungschefs Alex Salmond, der postwendend auch vom damaligen britischen Premierminister David Cameron unterstützt wurde. Die Honourable Company of Edinburgh Golfers, so der formale Name des Klubs, entschloss sich daher im März 2016 zu einem Votum über die zukünftige Ausrichtung - und entschied sich dagegen, die Regeln zu verändern. 30 besonders lautstarke Mitglieder hatten damals eine Initiative gestartet, keinesfalls Frauen zuzulassen. Die Begründung: Sie würden zu langsam spielen, und man müsste das Klubhaus umbauen, um eine weibliche Umkleide zu haben.

Die Entscheidung gegen Frauen hatte unmittelbare Folgen: Die R&A, Ausrichterorganisation der Open Championship, entzog Muirfield das Recht, das traditionelle Major-Turnier der Männer weiterhin auszutragen. Angesichts der Tatsache, dass der Golfplatz an sich einer der besten der Welt ist und dort Legenden wie Jack Nicklaus, Tom Watson, Gary Player und Nick Faldo große Siege gefeiert hatten, eine mutige Entscheidung, und eine mit Nachwirkung. 2017 votierte Muirfield nun plötzlich doch für Frauen als Mitglieder, seitdem ist nach eigenen Angaben ein Drittel der neuen jährlichen Mitglieder weiblich.

Bei den Preisgeldern ist es noch ein weiter Weg bis zur Gleichberechtigung

Fünf Jahre später findet nun zum ersten Mal ein Frauen-Profiturnier in Muirfield statt. Ob demnächst auch die Open Championship der Männer zurückkehrt, hat die R&A noch nicht entschieden. "Ich glaube es ist ein moralischer Test", sagte die britische Golferin Bronte Law vor dem Turnier. Nur wenn Muirfield bereit wäre, die Frauen aufzunehmen, würden sie bald auch wieder die Männer bekommen, vermutet die 27-Jährige: "Aber ich freue mich, dort zu spielen. Hoffentlich werden wir mit offenen Armen empfangen, denn es ist Zeit, dass Frauen respektiert werden."

Der Weg zur Gleichberechtigung ist allerdings längst noch nicht zu Ende, insbesondere im Spitzensport: Die neue saudi-arabische LIV-Tour hat den finanziellen Druck im Männergolf erhöht, in den USA werden immer höhere Rekordpreisgelder ausbezahlt - im Frauengolf ist die Entwicklung zwar positiv, aber wesentlich zurückhaltender: 6,8 Millionen US-Dollar bekommen die Teilnehmerinnen bei der British Open in diesem Jahr, halb so viel wie die Männer vor einigen Wochen.

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