Fußball-WM:Messi erlöst Argentinien

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Fußball-WM: Wer hat getroffen? Natürlich Lionel Messi (rechts). Angel Di Maria freut sich mit ihm.

Wer hat getroffen? Natürlich Lionel Messi (rechts). Angel Di Maria freut sich mit ihm.

(Foto: Kirill Kudryavtsev/AFP)

Die Argentinier zittern vor dem frühzeitigen Heimflug, doch Lionel Messi ist zur Stelle. Gegen Mexiko erzielt er ein Tor selbst, das zweite legt er auf - und nimmt seinem Team eine riesige Last von den Schultern.

Von Javier Cáceres, Lusail

Lionel Messi weigert sich, seinen Traum vom WM-Titel aufzugeben. In seinem 21. WM-Spiel - er zog mit Diego Armando Maradona gleich - führte er den zweimaligen Weltmeister Argentinien zu einem hart erkämpften 2:0-Sieg gegen Mexiko. Messi erzielte in der 64. Minute die Führung - und legte in der 87. Minute den Ball auf, den Enzo Fernández von Benfica Lissabon von links aus 15 Metern in den rechten Winkel schlug.

"Gott sei Dank", entfuhr es Messi im Siegerinterview: "Wir wussten, dass wir stark sein mussten, das war ein sehr schwieriges Spiel." Argentinien steht nun auf dem zweiten Platz der Gruppe C - hinter Polen, aber vor Saudi-Arabien und Mexiko. Unter Umständen reicht den Argentiniern im abschließenden Gruppenspiel ein Unentschieden, um die K.-o.-Runde zu erreichen.

Die Partie entsprach vollauf dem K.-o.-Spiel-Aroma, das der Partie innewohnte, auch auf den Tribünen des Lusail-Stadions. Die festliche Stimmung, die noch am Dienstag an gleicher Stelle zu spüren war, ehe Argentinien gegen Saudi-Arabien mit 1:2 verlor, wich einer mit Händen zu greifenden Anspannung. Zumindest bei den Argentiniern, die wussten, dass ein einziger Fehler ins Verderben führen würde. Der Grund: Die Ausgangslage besagte, dass Argentinien bei einer neuerlichen Niederlage heimfliegen müsste. Ohne jede Aussicht darauf, im dritten Spiel in Katar noch irgendetwas in Ordnung zu bringen.

Das argentinische Angstgefühl nimmt stetig zu - bis Messi endlich trifft

Diese komplexe Gesamtlage trug nicht gerade dazu bei, Spielfluss zu entwickeln. Zumal der defensive Mittelfeldspieler Rodrigo de Paul lange Zeit genauso spielte wie zuletzt bei Atlético Madrid: schrecklich. Zudem hatte es Argentiniens Trainer Lionel Scaloni nach der Pleite vom Auftaktspiel nicht bei Kosmetik belassen. Er tauschte gleich die Hälfte aller Feldspieler aus, darunter drei Abwehrkräfte, die sich erst finden mussten. Mexiko wiederum war das genaue Gegenteil vom Heer des legendären Revolutionsführers Pancho Villa: durch und durch organisiert und diszipliniert. Mit einem so logischen, aber unappetitlichen Fokus auf die Defensive. Insbesondere Messi nahmen sie im Verbund gut aus dem Verkehr.

Unter diesen Prämissen entwickelte sich ein Spiel, das Argentiniens Trainer Lionel Scaloni an das einzige WM-Spiel erinnert haben dürfte, welches er je als Fußballer bestritt: Im Achtelfinale der WM 2006 in Leipzig gegen Mexiko. Damals gingen die Mexikaner in Führung; die Argentinier drehten das Spiel - am Ende durch ein Traumtor unter die Querlatte von Maxi Rodríguez.

Ganz so lang dauerte es am Samstag zwar nicht. Aber unter fußballerischen Gesichtspunkten war auch die Partie im Lusail-Stadion, milde gesprochen, zäh. Aus dem Spiel heraus gab es in der ganzen ersten Halbzeit nicht eine einzige Chance zu begutachten. Die Argentinier waren ein zähneklappernder Schatten der Mannschaft waren, die noch vor wenigen Monaten gegen Europameister Italien so überzeugend gewonnen hatte.

Der einzige Torschuss kam von Lionel Messi - bei einem Freistoß, den er fast von der rechten Eckfahne aufs Tor zirkelte. Doch Guillermo "Meme" Ochoa, der mysteriöser Weise nur bei Weltmeisterschaften restlos zu überzeugen weiß, war zur Stelle. Auch die Argentinier atmeten bei einem Freistoß durch: Alexis Vega prüfte, ob Argentiniens Torwart Emiliano "Dibu" Martínez auch Bälle aus dem Winkel fischen kann. Er konnte, wie in der 45. Minute zu beweisen war.

Kurz vor Schluss gelingt Enzo Fernández noch ein Traumtor

In der zweiten Halbzeit nahm das Angstgefühl mit der jeder Sekunde zu, die verging. Bis sich Messi zum ersten Mal in der Partie das Gefühl hatte, ohne mexikanische Fesseln agieren zu können. Er erhielt in zentraler Position einen Pass von seinem Kumpel Ángel Di María - legte sich den Ball zurecht und zog aus 23 Metern flach ab. Der Ball schlug neben dem Pfosten ein; Mexikos Torwart Meme Ochoa hatte keine Chance einzugreifen.

Wieviel Last durch dieses 1:o von den Schultern der argentinischen Schultern nahm, konnte man an den langen, innigen Umarmungen des Teams vor der Kurve sehen, in der die meisten argentinischen Fans standen - und auch auf der Bank. Pablo Aimar, Assistent von Trainer Scaloni, konnte auf der Bank die Tränen nicht unterdrücken. Das Tor aber befreite die Argentinier auch in anderer Weise. Im Anschluss an eine kurz ausgeführte Ecke kam es zur Aktion, bei der Messi den eingewechselten Fernández bediente. Der Benfica-Profi erzielte ein Traumtor, das den 2:0-Sieg gegen Mexiko sicherstellte - und Argentinien und Messi im Turnier hält.

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