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Fußball:Schalke, Köln und Co.: Heißer Kampf um die Nummer eins

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Will zurück ins Schalker Tor: Rückkehrer Ralf Fährmann. Foto: Guido Kirchner/dpa (Foto: dpa)

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Düsseldorf (dpa) - Es kann nur Einen geben. Der wichtige Job des Torhüters ist in Fußball-Mannschaften stets besonders umkämpft.

Anders als bei Feldspielern, die oft mehrere Positionen im Team bekleiden können, muss der Cheftrainer sich beim Keeper spätestens zum ersten Spieltag einer Saison entscheiden.

Bei etwa gleichstarken Keepern sind die Torwarttrainer oft ausschlaggebend für die Wahl des Chefs, der sich fragen muss: Wem vertraue ich am meisten? Wer passt am besten zu unserer Spielweise? Wer ist druckresistent? Die Deutsche Presse-Agentur beleuchtet einige Bundesliga-Schauplätze, an denen sich spannende, neue Konstellationen ergeben haben.

FC SCHALKE 04: Die Situation ist besonders brisant. Nach dem Wechsel von Talent Alexander Nübel, der nun bei Bayerns Nationalkeeper Manuel Neuer in die Lehre geht, und dem am Geld gescheiterten Transfer des Ex-Freiburgers Alexander Schwolow, heißt das Duell: Ralf Fährmann gegen Markus Schubert. Der einstige Kapitän Fährmann wurde vor einem Jahr von Coach Wagner aussortiert und an Norwich City verliehen. Im März 2020 landet er bei Brann Bergen in Norwegen, wo die Saison im April anlaufen sollte. Dann kam Corona und der 31-Jährige durfte sich seitdem mit Schalker Erlaubnis im Revier fit halten. Fährmann fehlen nun anderthalb Jahre Spielpraxis. Der talentierte Schubert hatte nach mehrfachem Hin und Her in der Vorsaison durch einige Patzer seinen Platz an den abwanderungswilligen Nübel schließlich wieder verloren.

Nun kämpfen ausgerechnet diese beiden um die Nummer eins im Tor. Nun soll es einen fairen Wettstreit geben, wie der Rückkehrer und Schubert gleichermaßen betonen. "Jeder von uns möchte gerne spielen. Trotzdem gehen wir respektvoll miteinander um und unterstützen uns gegenseitig", erklärte Fährmann, und fügte hinzu: "Wer es am besten in der Vorbereitung macht, hat es auch verdient zu spielen." Obwohl er Schwolow wollte, muss sich Wagner nun zwischen dem bei den Fans beliebten Routinier und dem Talent entscheiden, das eigentlich schon als Leihobjekt galt.

1. FC UNION BERLIN: Nach dem Abgang von Stammkeeper Rafal Gikiewicz zum FC Augsburg soll Neuzugang Andreas Luthe die Nummer eins der Eisernen werden. Der 33-Jährige war in Augsburg nur Ersatz und steht beim Hauptstadtclub vor einer schweren Mission. Gikiewicz war Aufstiegsheld und Publikumsliebling, Luthe hat nur Konkurrenz durch die weiteren Torhüter Jakob Busk und Nikolai Kemlein. "Seine positive Ausstrahlung und seine Präsenz werden uns in der kommenden Spielzeit helfen, unsere Ziele auch im zweiten Bundesliga-Jahr zu erreichen", sagt Union-Geschäftsführer Oliver Ruhnert über Luthe.

HERTHA BSC: Viele sahen den Ex-Freiburger Schwolow (28) schon im Schalke-Trikot - dann griff Hertha zu. Die Ablöse soll bei rund acht Millionen Euro liegen, die der klamme Revierclub nicht bezahlen konnte. Schwolow soll dem bisherigen Stammkeeper Rune Jarstein (36) Druck machen und dürfte ihn wohl bald beerben. Die bisherige Hertha-Nr. zwei, Thomas Kraft, beendete seine Laufbahn.

FC AUGSBURG: Gikiewicz, Luthe, Fabian Giefer, Tomas Koubek - vor kurzem gab es in Augsburg ein Torwart-Überangebot. Luthe ist nun weg, Giefer ging zu den Würzburger Kickern. Nun versucht der Tscheche Koubek, 2019 für rund 7,5 Millionen Euro aus Rennes geholt, sich im Duell gegen Gikiewicz durchzusetzen. Der bleibt gelassen: "Ich bin sicher, dass mir die Umstellung schnell gelingen wird."

WERDER BREMEN: Dort lautete der Plan, Stammtorwart Jiri Pavlenka für möglichst viel Geld ins Ausland zu verkaufen und den Griechen Stefanos Kapino zur Nummer eins aufrücken zu lassen. Doch die Corona-Krise und Pavlenkas zeitweise wechselhafte Vorsaison erschweren die Umsetzung. Möglich ist, dass Werder nun Kapino ziehen lässt und einen neuen Pavlenka-Vertreter sucht.

SC FREIBURG: Freiburg muss jetzt ohne den abgewanderten langjährigen Leistungsträger Schwolow auskommen. Der bisherige Ersatzkeeper Mark Flekken steigt zur Nummer eins auf, da legte sich Trainer Christian Streich fest. Der Vertrag des Niederländers wurde verlängert. Als Konkurrenten holte der SC Benjamin Uphoff ablösefrei vom KSC, der sich vorerst mit dem Platz auf der Bank begnügen muss.

FSV MAINZ 05: Das Mainzer Torhüter-Karussell geht bald in die letzte Runde. Sportchef Rouven Schröder soll bereit sein, denjenigen ziehen zu lassen, der beim Bundesligastart das Nachsehen hat. Die Entscheidung fällt zwischen dem fußballerisch starken Florian Müller (22) und dem meinungsstarken Robin Zentner (25). "Beide haben Nummer-Eins-Status. Daher ist klar, dass beide auch zu Recht den Anspruch haben zu spielen", sagt Schröder der "Bild". Trainer Achim Beierlorzer will sich erst zum Ende der Vorbereitung festlegen.

1. FC KÖLN: Timo Horn ist seit Jahren der unumstrittene Stammtorwart. Doch Sportchef Horst Heldt und Trainer Markus Gisdol wollten mehr Konkurrenz. Da kam die Gelegenheit, den in Hannover aussortierten Nationalkeeper Ron-Robert Zieler zu holen, wie gerufen. "Er bringt die Qualität und die Erfahrung mit, die wir auf dieser Position unbedingt brauchen. Und er ist bereit, die Rolle zu 100 Prozent anzunehmen: Als Nummer zwei mit dem Anspruch spielen zu wollen", sagte Heldt über Zieler. Spannung ist garantiert.

© dpa-infocom, dpa:200814-99-167590/2

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