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Fußball - Köln:"Fußballfreies Wochenende" nach Arbeitssieg: BVB atmet durch

Köln (dpa) - Kapitän Marco Reus wollte sich ein "fußballfreies Wochenende" gönnen, Jungstar Jadon Sancho verbrachte den Abend beim Friseur. Der Auftritt des großen Titelrivalen FC Bayern München beim FC Schalke 04 rief bei den Stars von Borussia Dortmund offenbar kein gesteigertes Interesse hervor. Große Schützenhilfe des Revier-Clubs hatten die Dortmunder wohl ohnehin nicht erwartet.

Durchatmen war angesagt. Denn am Ende waren die Schwarz-Gelben froh, ihren Job am zweiten Spieltag erfüllt und einen Ausrutscher knapp vermieden zu haben. Das war beim 3:1 (0:1) beim starken Aufsteiger 1. FC Köln schwer genug. "Wenn wir uns das am Dienstag nochmal ansehen, werden wir uns in den Arsch beißen", sagte Reus mit bangem Blick auf das Videostudium der ersten Halbzeit und bekannte: "Wir haben sechs Punkte, aber noch viel Luft nach oben. Wir sind noch lange nicht da, wo wir uns sehen und wo wir hinwollen." Am Ende waren es die schon bekannte Comeback-Mentalität und die Breite des Kaders, die einen frühen Patzer im Meisterrennen verhinderten.

Für Letzteres stand am Freitag geradezu sinnbildlich Julian Brandt. Der Nationalspieler war in der 62. Minute beim Stande von 0:1 in ein aus Dortmunder Sicht zerfahrenes Spiel gekommen. Er brachte Schwung, die Wende und den Sieg durch Tore von Sancho (70.), Achraf Hakimi (86.) und Paco Alcácer (90.+4). Sancho ist mit 19 Jahren und 151 Tagen nun der jüngster Spieler der Bundesliga-Historie, der die Marke von 15 Toren knackte. Daraufhin gönnte er sich einen Friseurbesuch, wie er laut Instagram-Livevideo den Fans kundtat.

Die Frage, ob er nicht lieber von Anfang an spielen wolle, erübrige sich ja wohl, sagte der Neuzugang nach seinem ersten großen Auftritt im Dortmunder Trikot. Doch dann dachte er augenscheinlich an Mario Götze und sagte: "Es gibt Spieler, die haben auch gute Namen auf dem Rücken, die haben heute gar nicht gespielt." Der WM-Goldjunge von Rio 2014 schmorte in Köln mal wieder 90 Minuten auf der Bank.

"Diese Auswechslungen haben uns sehr, sehr viel gebracht. Man hat sofort gesehen, dass vieles anders war", sagte Trainer Lucien Favre nach dem Spiel über jenen Doppelwechsel, bei dem neben Brandt auch Hakimi kam. Für den Schweizer war das schon fast ein Euphorie-Ausbruch. Auch die Mitspieler wussten, wem sie den Sieg am ehesten zu verdanken hatten. "Mit seiner fußballerischen Qualität war er sehr belebend", sagte Torhüter Roman Bürki über Brandt. Und Reus erklärte: "Er hat andere Lösungen gefunden."

Dem für 25 Millionen aus Leverkusen verpflichteten Nationalspieler war das Lob fast schon unangenehm. "Dafür sitzen wir ja auf der Bank, damit wir nachlegen und ein belebendes Element sein können", sagte er nach der 28-Minuten-Gala in seinem alten Wohnort. Die gleichzeitig ein klares Empfehlungsschreiben für einen Platz in der Startelf war. Diesen brauche er aber nicht zwangsläufig in der Zentrale, wo er in der Rückrunde in Leverkusen bestach und auch am Freitag so herausragend agierte, versicherte Brandt. "Ich spiele gerne im Zentrum", sagte der 23-Jährige. "Aber am wichtigsten ist: Ich will überhaupt spielen. Und ich will gewinnen."

Das gelang am Freitag, obwohl der Meisterschaftsanwärter sich eine Stunde lang vom Aufsteiger den Schneid abkaufen ließ. Dabei bewies der BVB zumindest wieder Mentalität. Nachdem er in der vergangenen Saison fünf Spiele nach Rückstand gewann - so viele wie kein anderes Team - klappte es in dieser Spielzeit nun schon zum zweiten Mal. "Es ist ein gutes Gefühl, immer noch eine Schippe drauflegen zu können", sagte Reus. Und kannte auch den Hauptgrund dafür. Nämlich den, "Potenzial auf der Bank in der Hinterhand zu wissen".

Der breite Kader und somit die Stärke der Bank könnte im erwarteten Titel-Zweikampf mit dem FC Bayern in der Tat der große Trumpf des BVB werden. Auch wenn am nächsten Samstag im nächsten Auswärtsspiel beim nächsten Aufsteiger Union Berlin statt Brandt vielleicht der am Freitag kaum sichtbare Thorgan Hazard dort sitzen wird. Und wahrscheinlich auch wieder Mario Götze.