Fußball-EM Spaniens Lethargie ist erschreckend

Der Abtritt von David de Gea, Pedro und Andrés Iniesta (v. l. n. r.) nach dem Spiel war in etwa so energiegeladen wie ihre Leistung gegen Italien.

(Foto: dpa)

Fàbregas wirkt schwerfällig, Iniesta spielt Fehlpässe: Spanien verabschiedet sich blutleer von der EM. Endet mit dem 0:2 gegen Italien eine Ära?

Von Thomas Hummel, Saint-Denis

Nach etwa einer Viertelstunde kam Vicente del Bosque von seiner Ersatzbank nach vorne. Es fiel mit dem Moment zusammen, an dem der Platzregen über dem Pariser Vorort Saint-Denis aufgehört hatte, der Trainer stand am Seitenrand und tat vollständig trocken seinen Missmut darüber kund, was da auf dem Platz passierte. Man kann Del Bosque seinen zurückhaltenden, ruhigen Charakter nicht vorwerfen. Aber jetzt, im Stade de France, musste er den Vergleich mit seinem Kollegen Antonio Conte aushalten, und der ließ sich wie eine Blaupause auf das Spiel ihrer Mannschaften übertragen.

20 Meter neben dem Spanier stand ein vollständig nassgeregneter Conte, der im Anorak und mit Kappe trotz des Unwetters wie ein Derwisch seine Mannschaft antrieb. Die folgte mit enormem Einsatz, mit starken Zweikämpfen und taktischer Disziplin. Und die Spanier? Sahen lange Zeit so aus, als wollten sie nicht nass werden. Weder vom Regen noch vom Schweiß.

Ohne De Gea wäre ein Debakel möglich gewesen

0:2 hat der Titelverteidiger gegen Italien verloren. Nur ganz zum Schluss hatten sich die Spanier gegen das Aus im Achtelfinale gewehrt, wobei sie sich bei David De Gea bedanken mussten, überhaupt noch im Spiel gewesen zu sein. Der Torwart von Manchester United hielt so grandios, dass die überlegenen Italiener bis in die Nachspielzeit warten mussten, um das 2:0 zu erzielen. Ohne De Geas Taten wäre ein Debakel möglich gewesen. Dabei war Spanien von vielen Beobachtern als einer der Topfavoriten bei der EM gewettet worden.

"In der ersten Halbzeit waren wir ein bisschen schüchtern. Wir spielten nicht mutig genug", gab Del Bosque später zu. Das war noch höflich ausgedrückt. Sinnbildlich für die spanische Lethargie stand das 0:1, als nach De Geas starker Abwehr vier Männer im blauen Trikot heran sprangen, aber nur einer im weißen. Giorgio Chiellinis Tor war überfällig.